Mittwoch, 31. Januar 2018

Erkenntnisse

So langsam dämmert mir, warum für ein Back oder auch Front Office am liebsten Studierte gesucht werden. Man kann ihnen genau die aufwendigen, diffizilen Aufgaben übertragen, an denen man mitunter bis in die späten Abendstunden sitzt und sich das Haar rauft und zu denen die Projektverantwortlichen keine Lust haben (jawohl, keine LUST!), gepflegt und pünktlich nach Hause gehen und sich den Bauch streicheln, der zeitgleich voller Bier läuft.
Und das alles zu einem wesentlich günstigeren Preis!

Ich kann mich ja in so einiges reindenken, aber verdammt, Technik habe ich nicht studiert! Da hilft auch eine Gehaltserhöhung nix!

Wenigstens habe ich heute wieder etwas über Excel gelernt. Auch gut. Immerhin.

Dienstag, 30. Januar 2018

I Hope You Are Happy


Eine Beziehung seit Jahren. Man wohnt zusammen, man lebt gemeinsam, man arbeitet gemeinsam an einem Projekt, nicht selten an 18 Stunden ununterbrochen je Tag.
Man will, dass es klappt, man will, dass es funktioniert, beruflich und privat, man gibt seine ganze Kraft, seine ganze Energie da hinein - und zerreibt sich dennoch im Lauf der Zeit.
Am Ende tritt er die Flucht nach vorn an, trennt sich, zieht aus, während sie zurückbleibt und nicht so recht weiß, wie ihr geschieht. Man arbeitet tagsüber gemeinsam weiter am Projekt, doch privat geht man eigene Wege.
Seit einem Jahr sind sie getrennt und während sie sich mit der Situation arrangiert hat und es ihr deutlich besser geht, sich auch eine neue Beziehung wünscht, hängt er ihr und der Beziehung nach. Auch wenn beide nach außen funktionieren.

"Ich glaube, sie hat sich mit der Trennung arrangiert", sagt der Mann.
Unsere Blicke begegnen sich.
"Ich glaube", antworte ich nachdenklich, "dass sie es einfach nur genießt, nicht mehr streiten zu müssen. Irgendwann will man einfach nur noch, dass es aufhört. Will man seinen Frieden in der Seele zurück."
Kleine Pause.
"Ständiger Streit macht alles kaputt, alles, selbst das größte Gefühl."

Montag, 22. Januar 2018

Der Fischer und seine Frau


Als ich vor exakt 15 Jahren (gerade erschrecke ich selber, wie viel Zeit tatsächlich vergangen ist - fünfzehn Jahre... Das ist eine so wahnsinnig lange Zeit und irgendwie doch.. wie gestern. Oder letzte Woche) auszog und die Ehe für beendet erklärte, begab ich mich aus dem gleichmütigen Fluss des bisherigen Lebens in den Strudel von Ereignissen, von denen mich nicht selten das Gefühl überkam, in einer kleinen Nussschale liegend auf dem offenen Meer zu treiben, mal mehr, mal weniger heftig bewegt. Heute, rückblickend, würde ich sagen: Mir passierte einfach.. das Leben. Das, was ich noch nicht kannte, als ich mit gerade neunzehn Jahren vollkommen überstürzt heiratete. Nur raus, nur weg. Das war keine Entscheidung aus Liebe, das war keine Ehe mit Liebe - das war eine Ehe mit unfassbar viel Unsicherheit auf beiden Seiten, mit ganz viel Druck und Enge - und nicht zuletzt Gewalt. Ein Ende der Ehe mit der Erkenntnis: Wen Du wirklich vor Dir hast, verstehst Du erst, wenn Du gehst.

Wenn ich heute zurückschaue, dann immer nur aus einem Grund: um zu sehen, wie weit ich gekommen bin. Bis heute. Bis hierher.
Und ich sehe keinen Stillstand.
Aus Gründen drehe und wende ich es am Tag, zerwühle nachts schlaflos die Kissen, drehe und wende die Gedanken, halte mir den Spiegel vor:
Ja, ich bin immer noch Schmerzpatientin, aber inzwischen mit einem überwiegend deutlich erträglicheren Level als zuvor. Ich laboriere nicht mehr mit ständigen, wiederkehrenden Problemen des Magen-Darm-Traktes, der Atemwege, nachts schlafe ich bedeutend erholsamer und auch in meiner Haut.. fühle ich mich im wahrsten Sinne des Wortes wohler. Beruflich habe ich mir einen Status und eine Anerkennung erarbeitet, die mir nicht immer Freude bereitete, aber dem Haushaltseinkommen gut tat. Auch jetzt, über die Entfernung hinweg immer noch - denn gehen lassen möchte der Chef mich nach wie vor nicht. "Wir brauchen dich", sagte er erst zu Beginn des neuen Jahres. Also verwerfe ich keine Pläne, ganz im Gegenteil - aber ich ändere meine Strategie.
Ich sehe immer noch keinen Stillstand.


"Alles passiert, wie es passieren muss."

Unter Druck reagiere ich fast immer anders als man es beabsichtigt.
Wenn man zuviel will, hat man am Ende.. gar nichts.

Dienstag, 16. Januar 2018

Szenen einer Partnerschaft oder: Nächtliche Störungen und windige Tatsachen

Dem geneigten Leser ist bereits bekannt: So ein bisschen nen Hang zum Morbiden habe ich irgendwie schon. Warum mich bei meinem viele Jahre vorgenommenen und endlich auch realisierten Trip nach Wien vor wenigen Jahren Prater & Co. so gar nicht interessierten, dafür umso mehr der Narrenturm und der Zentralfriedhof. (Ich finde ja auch das jährliche Gothic-Treffen in L echt Wahnsinn, so kunstvoll verzierte Menschen sieht man sonst ja nur im Theater - auch wenn ich selber nie einer dieser Fledermäuse war. Warum eigentlich nicht?)
Jedenfalls ist der Mann immer ordentlich genervt, wenn entsprechende Sendungen auf irgendwelchen Privatsendern über den heimischen Bildschirm flimmern, und dann schimpft er öfter mal: "Ich kann da nicht schlafen, wenn ich sowas sehen muss! Und du wunder dich dann auch nicht, wenn du nicht schlafen kannst!"
Pfff. Wenn ich nicht schlafen kann, liegt das allermeistens an allen möglichen Sachen - aber nicht daran. Ich schwörs.

Gestern Abend jedenfalls lümmelten wir auf der Sofalandschaft, schauten irgendeine Doku auf einem öffentlich-rechtlichen Kanal und dieser schloss sich - ich konnts kaum glauben - eine für mich hochinteressante Doku über Rechtsmedizin an.
Ich musste ihn gar nicht erst anschauen, ich musste gleich lachen: "Ich kann nichts dafür, ich schwöre, ich habe extra DEN Sender genommen!"
"Ja ne, is klar."
"Ehrlich nicht! Diese Sendungen finden mich, nicht ich sie."
Ich muss sicherlich auch nicht erst erwähnen, dass es nicht all zu lange dauerte, bis er sich erhob: "Ich geh schon mal schlafen. Kommst du dann auch?"
"Äh.. Ja. Gleich!"
Gleich ist so herrlich dehnbar. Also eigentlich ja nicht - aber bei uns schon. Er weiß inzwischen, dass "gleich" durchaus zwei ganze Stunden oder auch die halbe Nacht andauern kann. (Vermutlich baue ich einfach darauf, dass er nach spätestens 30 Minuten schläft und eh nicht mehr mitbekommt, wann ich wirklich schlafen komme. Auch eingedenk der Tatsache, dass wenn er zu Bett geht, während ich noch auf dem Sofa lümmle, er unruhig schläft, mindestens zweimal wieder rauskommt, um zu gucken, ob ich nicht etwa vor der Flimmerkiste eingeschlafen bin, und dann den Kopf schüttelt, wenn ich ihm mit wachem Blick und verschmitztem Grinsen sage: "Ja ich komm doch gleich."
So auch gestern Abend, nur dass er mich fragte: "Sag mal, was machst du denn da auf dem Teppich?"
"Meine Übungen."
"Weißt du eigentlich, wie spät es ist?"
"Halb zwei!"
Heute Morgen, als wir einander in der Küche begegneten und während ich den guten-Morgen-Kaffee zubereitete, da sagte er: "Guten Morgen, du Nachtschwärmer."
"Guten Morgen, du Nestflüchter!"
"Was kann ich dafür? Erst kann ich nicht schlafen, weil du noch irgendwelchen Scheiß gucken musst. Dann werde ich wach, weil du ins Bett kommst. Dann werde ich wach, weil ich ins Bad muss. Und dann werde ich wach, weil du durch die Nase geschnieft hast. Da war die Nacht dann gelaufen!"
Ich habe ihn an mich gedrückt und geküsst und versprochen: "Heute Abend bleibe ich nicht so lange auf!"
Ich hoffe, ich kann mich dran halten, denn irgendwie... Mit den neuen täglichen Übungen, die mir zur Schmerzbekämpfung auferlegt wurden, kam irgendwie auch eine neue Energie zurück. Es kann nur daran liegen, denn sonst... hat sich ja eigentlich nix verändert. Der Schmerz ist auch immer noch da, aber ich fühle mich besser.

Vor zwanzig Minuten rief der Mann an. Ob ich nicht mal nach der Wäsche schauen könnte, es stürme doch so. "Hast du das etwa noch nicht gemerkt?" fragt er.
"Herzl, ich habe zu arbeiten, da gucke ich doch nicht nach draußen."
Öffnete aber brav nebenbei die Terrassentür und schrie ins Telefon: "Booarr ey, was für ein Stuuuurrrmmm!! Die Schafe haben ja gar keine Locken mehr! Aber hey, unsere Wäsche ist noch da!"
"Du bist echt doof!"
"Warte, ich kämpfe mich mal durch zur Wäsche, da liegt nämlich was aufm Boden! Bloß gut, dass es noch da ist!"
Er hat mir versprochen, dass es heute Abend dafür etwas auf den Allerwertesten gibt. Ich hoffe, er vergisst das nicht ;)

Donnerstag, 11. Januar 2018

Verkehrte Welt



Ich sag ja nicht, dass Männer keine Gefühle hätten. Jedoch denke ich, dass die Realität ja wohl eine ganz andere ist - nämlich genau anders herum.

Nichtsdestotrotz fand ich das Video sehr geil - und die Musik auch. Ab gerade eben in meiner Playlist "On Journey". Sozusagen mundgerecht für den Samstag Morgen, wenn es wieder in den Süden geht.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Öffne deine Augen



"Ein Klartraum, auch luzider Traum [...] ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt." (Wikipedia)

So weit ich mich zurückerinnern kann, träume ich. Tags und Nachts. Tags kann ich die Augen schließen und mich ganz woanders hindenken, hinfühlen. Manchmal so sehr, dass ich glaubte, wenn ich jetzt die Augen öffnete, wäre ich genau dort. Ich müsste nur die Hände ausstrecken und berühren.
Ich weiß, das sind Tagträume, und ich bin froh darum, dass ich sie immer noch habe.
Manchmal sind es einfach meine kleinen Inseln im Alltag, wenn ich das Gefühl habe, dass mir alles zuviel wird..
Die Nachtträume.. Manchmal weiß ich sie schon nicht mehr, kaum dass ich die Augen geöffnet habe. Manchmal sind sie so eindringlich, dass ich mir selber im Traum zuflüstere "Du träumst nur, es ist nur ein Traum. Öffne deine Augen, mach deine Augen auf, dann ist alles vorbei" und dann öffne ich meine Augen und fühle den Herzschlag beinah bis in die Haarspitzen.. Dann starre ich in die Nacht und versuche mich zu orientieren: "Ich bin hier, ich bin sicher, es ist alles gut." Lenke die Gedanken beinah krampfhaft auf irgendetwas anderes oder stehe auf und hole mir ein Glas Wasser, um nur ja nicht diesen einen Traum fortzusetzen, nicht weiterzuträumen. Was dennoch manches Mal geschieht.

Und ich erinnere mich an jenen Traum, den ich bis heute nicht vergessen kann - auch wenn er inzwischen glücklicherweise etwas verblasst ist. Mein erster und einziger Traum, in dem mir nicht bewusst war, dass ich träume. Der mir umso bedrohlicher erschien, eben weil er derart real wirkte, dass ich glaubte, das Geschehen sei auch real. Dass ich glaubte, mir passiert das alles gerade wirklich.

In den letzten Rauhnächten träumte ich sehr viel, sehr intensiv - und ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viel der Kopf wieder heraufzuholen vermag, wenn Körper und Seele etwas zur Ruhe gefunden haben. Vielleicht habe ich es nie wirklich versucht, aber es ist mir nicht gelungen, meine Träume positiv zu stimmen. So wie ich sie gerne gesehen hätte.
Alles war unglaublich wirr und scheinbar zusammenhanglos, beängstigend und bedrückend - anders als diese Tage - und ich vermochte mir aber auch einfach nicht zu sagen "Öffne deine Augen!"
Umso mehr habe ich die Spaziergänge am Meer genossen. Frei fühlen. Frei sein. Da sein.

Wonach ich heute suchte, weiß ich gar nicht mehr. Aber irgendwann kam ich zu diesem Song und diesem Video. Und so spontan, wie ich meinen Sohn und seinen Vater haargenau darin sah, so spontan sprangen mir die Tränen in die Augen. So wäre es gekommen, wenn.
Ich bin aber nicht gestorben. Ich bin da und ich bleibe da. So wie er heute bei mir ist und nicht mehr woanders. Das ist es, was zählt. Auch dann, wenn es manches Mal das Träumen war, ist und sein wird, das uns rettet. Man muss träumen können. Um dann die Augen zu öffnen und weiterzumachen.