Donnerstag, 10. Mai 2012

Ziel erreicht und immer noch nicht fertig


Ehrlich gesagt, habe ich selber keine Lust darauf, Euch erneut etwas von meinen Schlafdefiziten zu erzählen. Gleichwohl bekomm ich irgendwie immer einen leichten Herzinfarkt, wenn ich feststelle, wie spät es schon wieder geworden ist und wie wenig aus meinen nunmehr täglichen guten Vorsätzen wieder mal geworden ist. Und das einzige, das ich neben meinem Dienst in der Firma verrichten konnte, ist, mit Sohnemann endlich den Abschlussbericht fertigzustellen. Also zumindest hoffe ich, dass er seiner Präsentation den letzten Schliff verpasst, seitdem er meine heiligen Hallen verlassen hatte. Aber irgendwie ist heut auch Fußball angesagt. Wer genau und was genau, das habe ich schon wieder vergessen. Lediglich Relegationsspiel habe ich aufgeschnappt und von den Vereinen mir nur gemerkt, dass sie nicht zu den Favourites meiner Söhne gehören.
Na Nachtigall, ick hör dir doch trappsen - ich kenne doch meine Söhne! Sind schließlich meine, ich weiß genau, von wem sies haben. Montag ist Abgabetermin, heißt, es sind noch drei Tage Zeit. Eine halbe Ewigkeit ergo. Zwei davon kannste zwar streichen, weil ich fünfhundert Kilometer zu fahren gedenke, die ich mit allerlei süßen Köstlichkeiten von Mutters Geburtstagskuchen zu kompensieren gedenke, aber doch nicht mit Arbeit, Stress & irgendwelchen Berichten.
Ja ich nicht. Kind... denke ich mir, sieht das bisschen anders.
Jedenfalls, mit diesem fucking nervigen Bericht sind wir seit heut Abend nun endgültig durch, auch dank Chef, der mir in den heutigen letzten Arbeitsminuten noch einmal geduldig den Dreisatz erklärte (oder was für eine mathematische Formel das auch immer gewesen sein mochte, ich habs echt einfach schon wieder vergessen; na ja, mit der Mathematik auf Kriegsfuß, das hat sich eben auch nach dreißig Jahren noch nicht geändert). An dieser Stelle jedenfalls nochmals meinen aufrichtigen Dank an den Vorgesetzten, der wohl - angesichts meiner müden Augen  und des Wissens, dass ich mindestens seit einer Woche kaum Schlaf gefunden hatte - doch etwas wie Mitleid mit mir hatte und meinte: "Sieh zu, dass du mal wieder schläfst."
Nun ja.
Es ist 23:04 Uhr, ich müsste noch die Tasche packen, die Kamera aufladen und den Stick mit Mucke beladen für die Reise ans Meer, Mutters Präsente mit Geschenkpapier umhüllen, ich müsste noch den Abwasch in der Küche erledigen und eigentlich hatte ich schon für gestern Abend einen Rückruf versprochen... Müsste. Aber wir fahren ja erst morgen Abend. Also noch eine Ewigkeit Zeit für das alles, was noch müsste. Oder? Alles klar!
Diese Mucke hier von Unkle Bob jedenfalls hatte ich mir eingelegt, damit mir nicht dasselbe passiert wie letzte Nacht: in der linken Hand noch die Fragebögen, in der rechten Hand die Mouse bereit zum Klick, den Kopf im Nacken und der Mund halb geöffnet, aus dem wirklich nur ein ganz leises RitzeRatze zu vernehmen war.
Fast wäre ich also versucht zu sagen: Jedes Jahr hoffte ich, ich würde endlich ein wenig zur Ruhe finden und alles würde besser - und es würde aber nicht besser. Fast. Weil - trotz allen Stresses, trotz allen Schlafmangels ist mir eines aufgefallen: Es ist alles soviel besser geworden. Denn noch vor einem Jahr hatte Freund Schmerz mich im Griff, war mein Energielevel derart runtergebrannt, dass ich mir vorkam wie eine Funzel auf dem allerletzten Docht und jetzt... genügen ein paar Stunden Schlaf, ein paar Sonnenstrahlen, streichelzarter Wind voller Blütenduft - und alle Akkus in mir sind wieder aufgeladen. Na ja die meisten jedenfalls.
Ich finde, das darf man einfach nicht übersehen. Ich finde, man darf das Positive einfach nicht übersehen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mir die Nächte auch lieber anders um die Ohren hauen wollen würde als hier mit so staubtrockenen Themen. So wie die Nachbarn über mir vielleicht, deren Bettgestell (oder was auch immer, bloß angesichts des Paares schreit meine Phantasie immer: NO!) recht rhythmisch an die Wand klopft? Oder einfach mal wieder durch die City ziehen, eingetaucht in die Anonymität einer Großstadt, deren Lichter mich blenden und deren Geruch mich belebt und fasziniert? Oder für einen Abend in eine fremde Stadt fahren und mich einfach nur mal wieder umsehen?
Nun. Nächste Woche wird das auch nichts. Übernächste vielleicht. Bestimmt.
Ich muss mal wieder bisschen Leben schnuppern und schmecken. Und nicht immer nur davon erzählen. Aber das... erzähl ich Euch ja auch schon seit Ewigkeiten.
Heute jedenfalls mach ich nix mehr. Nüscht. Ich werde morgen früh einfach ein paar Minuten eher aufstehen. Glaube ich.

Keine Kommentare: