Sonntag, 22. April 2018

"Von der Unbeirrbarkeit aller Optimisten"



Whoever said that love was sweet
(Drank a little too much whiskey, baby)
Whoever said that life was easy
(Never lived anywhere near me)
I wouldn't change a thing
'Cause you're the one I wanna sink with..


"Schau mal, die beiden", sagtest Du.
"Zukunftsmusik?" lächelte ich.


"Weißt du was, ich glaube fast,
es kann nur daran liegen, 
dass du mich verzaubert hast.
Ich kann auf einmal fliegen."
(Aus "Sag mir, wie lange wirst du mich lieben?")

Sicher ist nichts in unserem Leben, nicht in deinem, nicht in meinem.
Aber so, wie es gerade ist, darf es gerne bitte noch für einen Moment so bleiben.


Donnerstag, 19. April 2018

"Willst du immer weiter schweifen? Sieh, die Lösung liegt so nah!"

Quelle: https://www.jamiiforums.com/threads/msaada-unahitajika-hapa.147866/

Nicht selten denkt das Personal, dass dem Chef sämtliche Hinweise oder Aufforderungen seitens der IT in obiger Sprache vorkommen müssen. Er gibt auch unumwunden zu, dass er zwar ein umfangreiches Wissen besitzt, die Sparte "IT" für ihn jedoch auf immer und ewig ein unerschlossenes Gelände bleiben wird. Das ist im Grunde auch erst mal ok, wozu hat man schließlich seine Vasallen - und man kann ja auch nicht alles können und wissen.

Lustig wird es, wenn Du im Nebenzimmer sitzt, das unnachahmliche "Windows-Klonk" vernimmst und kurz darauf den Wut-Aufschrei: "Helma! Komm mal her! Wieso kann ich nicht drucken?" oder "Was will der hier von mir?", wahlweise begleitet auch von "Wo ist meine Datei geblieben?"
Spannend wird es, wenn Du zum Öffnen einer Datei im kB-Bereich gefühlte fünf Minuten brauchst, ergo in den Investitionsplan des laufenden Kalenderjahres neue Hardware einträgst und er sich bedeutungsvoll an die Stirn tippt: "Spinnt ihr? Ich habe euch erst vor fünf Jahren neue Technik gekauft! Die ist doch noch gut!"
Schwierig hingegen wird es, wenn - wie seit Montag - das Netzwerk lahmliegt, keiner so recht trotz intensiver Fehleranalysen weiß warum und täglich sowohl IT als auch Netzanbieter die Schultern heben "Wir nix verstehn." Das ist ein Satz, der Chef vermutlich energisches Fuß- und Kopfhautkribbeln verursacht und spätestens am dritten Tag verlor er die Nerven: "Ich rufe meinen Anwalt an! Ich kürze denen die Rechnung! Alles Betrüger!" Schwierig vor allem dann, wenn dies sowohl in Tonart als auch in Lautstärke gegenüber Anbieter und IT kommuniziert wird.
Hätten wir unsere IT nicht, wären wir tatsächlich 3 Tage arbeitsunfähig gewesen und das - das sehe selbst ich als Angestellte ein - geht nicht. Es war unsere externe IT, die etwas unkonventionell zwar, aber praktisch ein erfolgreiches Provisorium schuf "Für alle Mitarbeiter will ich das aber nicht machen müssen, da brauche ich drei Tage mindestens, die Rechnung dafür ginge ins Uferlose." Heute, am vierten Tag, sah das Personal den Dienstwagen des Kabelanbieters vorfahren und unmittelbar danach läutete es an der Bürotür.
Als unser Azubi mir am Telefon die Meldung über den nunmehr vorgefundenen Fehler erstattete, ließ ich mich kreischend vor Begeisterung auf meinen Stuhl fallen und rief begeistert: "Und vor zwei Tagen habe ich noch zum Chef gesagt: Am Ende liegt der Fehler bei uns im Keller!"

Frei kreiert nach Goethe ist es ja ganz oft der Fall: Je simpler die Lösung, desto weniger vermag man sie zu sehen :)


Übrigens: Wir hatten keinen Strom mehr im Keller. Da, wo die Box des Kabelanbieters hängt.
Nun ja. Es wäre halt zu naheliegend gedacht gewesen :)
Drei Tage war das Personal so krank - nun surft es wieder, Gott sei Dank!

Montag, 16. April 2018

Where Words fails


Momentan gehts mir wie einigen anderen Bloggern auch: Mehr und mehr versinke ich in Wortlosigkeit bzw. allgemeiner Unlust, Gedanken und Emotionen zu Papier zu bringen.
Wobei "momentan" es sicherlich auch nicht richtig beschreibt. Eigentlich geht es mir schon länger so, seit Monaten, um genau zu sein - und bisher dachte ich, das läge an meinem Umzug nach M vor gut vier Jahren (Ist es wirklich schon wieder so lange her? Erschreckend...), an dem Arbeiten überwiegend im Home Office, wo niemand wirklich mit Dir spricht, wo es überwiegend ruhig und still ist und Du allein bist mit Dir selbst - und damit einer mangelnden Inspiration.
Dann las ich bei Juliane den Post zu ihrem 8. - und fand mich in so einigem wieder.
Sicherlich sehe und höre ich immer noch, sicherlich mache ich mir auch immer noch so meine Gedanken darüber - aber oftmals inzwischen begleitet auch mit einem inneren Schulterzucken "So isses halt eben". Ist es jetzt wirklich genug, um einen witzigen, ironischen oder auch nachdenklichen Post darüber zu verfassen? Dabei stelle ich mir weniger die Frage, wer das liest und wen das denn überhaupt interessiert. Ich stelle mir eher die Frage: Will ICH sowas selber lesen?
Jeder Blogger stöbert doch dann und wann in seinen eigenen Posts, liest, erinnert sich wieder, schmunzelt oder trocknet die Träne im Knopfloch (und genau dieser Umstand hat mich bislang auch davon abgehalten, diesen Blog zu löschen und ins virtuelle Nirvana zu schicken) - aber will ich dies und jenes dann auch in 2 oder 5 Jahren noch mal lesen?

Für einige Menschen, die ich real kenne, habe ich diesen Blog auch geführt, um sie weiter an meinem Leben teilhaben lassen zu können, seitdem wir nur noch wenigen oder auch gar keinen Kontakt mehr haben (können). Auch hier stelle ich mir weniger die Frage, ob sie überhaupt noch lesen inzwischen und an mir noch teilhaben wollen; ich frage mich vielmehr, ob ICH sie teilhaben lassen wollte.

In meiner Timeline bei FB tauchen immer öfter Bilder auf, die mich zu Instagram einladen möchten, weil immer mehr meiner Kontakte sich dort eingefunden haben. Manchmal denke ich, dass diese Art des sich Mitteilens auch dazu führt, dass weniger gebloggt wird. Menschen sind immer öfter mit sich selbst beschäftigt und wollen dann, wenn sie mal Zeit haben, keine ellenlangen und/ oder gedankenschweren Posts lesen, sondern sich berieseln lassen. Ein Bild kann sehr viel aussagen - auch ohne Worte. Ein maximal zweizeiliges Statement ebenso. Damit ist dann alles gesagt, wozu also noch einen Post verfassen, der eindeutig mehr Zeit von Blogger und auch vom Leser abverlangt?

Und dann sitze ich hier, stöbere in den Fotos der vergangenen Tage, denke an den Spaziergang in der herrlich warmen Frühlingssonne und dem anschließenden Kaffee im Biergarten, ich denke an die Fahrt nach L letzte Woche und daran, wie sehr ich es immer wieder genieße, die Musik aufzudrehen und die Gedanken treiben zu lassen, zwanglos, gedankenlos irgendwie, mich zu erinnern oder auch Tagträumen nachzuhängen, der Besuch des Museums über drei Etagen, in dem ich am längsten vor der Skulptur des frisch verstorbenen Napoleons stehenblieb (irgendwie faszinieren mich vor allem Dinge, die echt sind; nachgebaute Skulpturen beispielsweise reizen mich wiederum gar nicht), während hingegen der Mann völlig fasziniert in der Klangwelt versank, alle möglichen Instrumente und Klänge aller möglichen Kulturen ausprobierte, während ich mich müde auf dem Hocker am Eingang niederließ und geduldig darauf wartete, dass er sich genügend die Seele aus dem Leib gefiedelt und geklimpert hatte. Der Besuch des Museums war meine Idee, er hingegen hätte viel lieber ein Bierkloster in der Nähe besucht. Kloster - Land - Abgeschiedenheit - das alles klang für mich nach genau der Ruhe, die ich im allgemeinen ohnehin beinah täglich genieße, zumindest, solange ich im Home Office sitze. Ich aber wollte raus. Ich wollte unter Menschen, ich wollte sie, diese tausend Stimmen, die Gerüche nach Kaffee und süßem Gebäck oder auch gebratener Wurst, ich wollte ihnen zusehen, diesen Menschen, ich wollte über den Markt schlendern, einen weiteren Lavendeltopf einkaufen, die Sonne genießen, das pulsierende Leben genießen und für einen Moment vergessen, was derzeit in den Nachrichten (und eben nicht nur dort) brennt. Ich wollte genießen, dass ich lebe, insbesondere auch nach Freitagnacht, in der ich mit ungefähr 200 Sachen auf der Autobahn entlangdüste und nach einer Linkskurve fast unmittelbar einen Feuerwehrzug vor mir zu stehen hatte, der mich zur Vollbremsung zwang und eigentlich auch zum Ausweichen auf die mittlere Spur - wäre dort nicht ein schwarzer Mini unterwegs gewesen - ohne Beleuchtung. Nachts. Schwarzer Mini. Ohne Licht. Das war knapp. Das war mehr als knapp, da hilft auch kein erschrocken wütendes Schreien "Mach dein Licht an, du deppertes Arschgesicht!" und ich erinnerte mich beschämt einmal mehr an mein Versprechen: "Ja, ich fahre vorsichtig. Ja, ich passe auf mich auf." Dann mach das auch - du dumme Nuss, sagte ich mir, nachdem ich mit zittrigen Beinen und Händen langsam weiterfuhr und irgendwann doch noch gesund und unbeschadet zu Hause ankam. Als ich die Taschen auspackte, das Auto verschloss und zum Lift trottete, ging mir einmal mehr durch den Sinn, wie oft wohl in nur einem einzigen Moment alles anders sein kann, das eigene und auch das andere Leben völlig verändert sein kann. Im Kleinen wie im Großen, im Privaten wie im Politischen und Gesellschaftlichen.

Where Words Fails Music Speaks, las ich einst.
Where Words Fails Pictures Speaks, dachte ich gestern beim Lesen von Julianes Posts.
Und im Moment denke ich... Das Bloggen selbst würde auch mir fehlen. Manchmal ist mit einem Song oder einem Bild doch nicht alles gesagt.

Dienstag, 10. April 2018

Zwischen Erinnerungen und Wunschwolkenbergen



Seit Wochen bin ich so müde, tags wie nachts - wenn ich wollte, könnte ich überall und jederzeit einschlafen. Doch lege ich mich nieder, schließe ich meine Augen, sind da sofort tausend Gedanken in meinem Kopf. Gedanken, die nicht zu greifen sind, Gedanken, die sich nicht erfassen lassen. Diffuse Empfindungen, die kaum unterscheiden können zwischen Erinnerung und Wunschwolkenbergen.
Menschen um mich herum streiten sich, trennen sich, lieben sich oder bekommen ein Kind. Um mich herum passiert das ganz normale Leben, und manchmal nehme ich dieses Leben auf, nehme es mit in meine Nachtgedanken, nehme es mit in den Schlaf, in meine zuweilen komischen Träume, in denen ich aus fahrenden Zügen springe, zögernd und mir selbst zuredend: "Spring JETZT, sonst ist es zu spät und dann schaffst du es nicht mehr."
Und ich erwache verwirrt und denke: Springe JETZT? Das hattest du doch schon mal, da war doch noch was.

Manchmal nachts lege ich mich näher zu Dir, suche Deine Hände, will meine Hand dahineinlegen, ganz nah bei Dir liegen und das Gefühl genießen, dass ich nur neben Dir so zur Ruhe finde.
Wie oft haben wir uns gesagt, geschrieben, dass es das jetzt war, dass wir uns nicht mehr lieben, und wie oft sind wir dann eigene Wege gegangen. Wie oft haben wir versucht, ein Leben ohne einander zu führen, die Tür anderen Menschen zu öffnen und gedacht, dass es miteinander einfach nicht geht - und das Vermissen zur Seite geschoben.
Manchmal fragst Du mich, warum ich überhaupt noch bei Dir bin, warum ich Dich überhaupt liebe.
Manchmal habe ich mich das auch gefragt.
"Hast du dich manchmal gefragt, ob du [den Mann] verlassen möchtest?" hat mich letzte Woche die Achtjährige gefragt und als ich nicht sofort zu antworten vermochte, hat der Mann mich angeschaut: "Die Pause war jetzt aber zu lang, Frollein."

Heute bist es Du, der neben mir liegt und schläft, der morgens still seinen Kaffee mit mir genießt, der mich mehr zum Lachen als zum Weinen und zugleich auch oft zum Nachdenken bringt. Der mit mir träumt und diese Träume auch umsetzen möchte. Der aufgegeben hat, alles an mir verstehen zu wollen, auch wenn er immer noch glaubt, mich in- und auswendig zu kennen. Der gerne etwas von meinem Wesen hätte, es aber auch gerne sehen würde, wäre ich in manchen Dingen mehr wie er. Von dem ich immer noch träume, wenn er nicht da ist, wenn er nicht bei mir ist. Auf den ich mich immer noch jeden einzelnen Tag freue, wenn ich ihm am Abend die Tür öffnen kann.
"Niemand freut sich so auf mich wie du", sagst Du manchmal.
Ich bin nicht bei Dir, weil ich es muss. Nicht aus finanziellen Gründen. Nicht aus familiären Gründen. Und Du bist es auch nicht. Wir sind immer noch frei. Und sind zusammen, hier und jetzt, weil wir uns jeden einzelnen Tag füreinander entscheiden. Ganz gleich, was hinter uns liegt. Weil wir uns verlassen, aber nicht aufgegeben haben. Für mich ist das Liebe. Ganz gleich, was wir früher gesagt haben.

Montag, 9. April 2018

Zuhause ist es am schönsten..


Ostersonntag bei der Mama und dem Papa
Angereist mit Mann und zwei Mädchen, 8 und 11 Jahre, was sich für mich - so sehr ich Kinder auch liebe - in dieser Woche als doch recht gewöhnungsbedürftig herausstellt. In jeder Minute des Tages gefordert zu sein, ist eben doch.. eine Herausforderung, die ich schon fast wieder vergessen hatte.
Angereist mit meinem kleinen Schwarzen (nein, nicht der auf dem Bild, der gehört mir nicht), wegen dem wir extra gebeten hatten: Bitte nur das Nötigste mitnehmen, wir haben diesmal nur das kleine Auto dabei, mussten wir feststellen: Die zwei Mädchen bringen mehr mit als wir beiden Erwachsenen. Von dem sie letztlich nicht mal ein Drittel benötigten. Netter Vorgeschmack für später, denke ich.
Die Mama stellt mir wortlos und mit verstehendem Blick das Käffchen hin, während der Mann draußen im Schnee Kind 1 und 2 bespaßt, die nach der stundenlangen Anfahrt erst mal Auslauf brauchen. Sie laden uns für Sonntag ein und ich nehme dankbar an. Eine Einladung bei der Mama bedeutet immer eins: Selbstgebackener Kuchen - Schlemmerpotential bis in die Ewigkeit. Ich werde nicht enttäuscht!
Und weil der Schneefall immer dichter wird, beschließen wir: Wir fahren nicht erst ins Feriendomizil und laden aus (von wegen Platz schaffen und so), sondern bewegen uns Richtung Seebad, kaufen dort was Essbares für die kommenden 2 Tage und bringen dann alles in einem Satz ins Domizil.
Nun ja. Ich sage nur... A 1. Zwei Erwachsene. Zwei Kinder. Sechs Reisetaschen (ja, ich dachte auch, ich krieg nen Föhn!), ein Fresskorb, zwei Rucksäcke voll mit Spielzeug (ich denke, ich war da mit meinen Jungs echt verwöhnt: Jeder sein Gameboy und sein mp3-Player - schon warnse glücklich) - und dann noch der Einkauf? Packmonster Mann beschaut die Lage und urteilt: "Wir schaffen das!"
Und verteilt Milchtüten, Ananas, Brot und was man eben so braucht an Kind 1 und 2: "Packt das bei euch irgendwo mit hin, wo noch Platz ist."
Angekommen in der Tiefgarage des Domizils argwöhnt Kind 1 beim aussteigenden Mann: "Mach jetzt bloß nicht den Sitz nach vorn!" Augenblicklich habe ich die Szene aus "Manta Manta" vor Augen, wo Klausi die Wagentür öffnet und mit ihm immer erstmal unzählige Bierdosen etc. mit aussteigen - und amüsiere mich köstlich.
Immerhin - wir sind gut angekommen und beschließen angesichts des nunmehr hereinbrechenden Schneesturms: "Wir gehen nicht mehr vors Haus, wir legen die Beine hoch und machen nix mehr. Nur noch was zu essen."

Ostermontag
Der Schneesturm hat sich gelegt, auf Eis & Schnee plätschert fröhlich der Aprilregen und ich fühle mich entsprechend müde und ein wenig durchgematscht. Dennoch nutzen wir die Gunst einer ruhigen Stunde und suchen zu viert das Ufer nach Hühnergöttern ab. Es ist arschkalt, irgendwas um drei Grad, und als mir die Freundin schreibt: "19 Grad Grüße aus M", da bin ich kurz vor dem Schnee-im-April-ist-sowas-von-Kacke-Koller und erwäge nur für den Bruchteil einer Sekunde, das Telefon im Meer zu versenken. Entsprechend missmutig motiviert finde ich natürlich auch keinen Hühnergott, dafür aber gleich drei Steine in Herzform.
"Willst du mir was damit sagen?" fragt der Mann.

Dienstag und Mittwoch
Diese Tage stehen nun ganz im Zeichen des Frühlings - Sonntag noch Schneesturm um den Nullpunkt, Mittwoch klettert das Thermometer bereits auf satte 17 Grad. Das bedeutet Strandwanderung, wo Kind 1 und 2 sich mit nackten Beinen in der Kneippkur üben, während ich entspannt im Sand liege und die Sonne genieße. Das bedeutet Kaffee & Kuchen im Straßencafe - und auch einen Besuch bei den Großeltern: Der Opa starb einst an meinem 7. Geburtstag, die Großmutter vor 13 Jahren nach einer missglückten Herz-OP.
"Was heißt missglückt?" fragt der Mann.
"Sie haben die Herzklappen falsch rum eingenäht. Als sie merkten, dass das Blut in die falsche Richtung pumpt, wars zu spät."
"Ernsthaft jetzt? Die muss man doch verklagen!"
"Das wollte meine Mama nicht. Das bringt mir meine Mama auch nicht zurück, hat sie damals gesagt."
Er schweigt und legt nach einer Weile den Arm um mich.
Der Besuch im Meeresmuseum begeistert nicht nur Kind 1 und 2. Es hat sich einiges verändert, seit ich Kind war - aber vieles ist auch geblieben. Ich erinnere mich, wie ich als Kind vor den Aquarien stand und die bunten Fische in ihrer Vielfalt fasziniert betrachtete. Heute stehe ich davor und denke: "Drei Haie in einem Becken, fünf Schildkröten in einem Becken - der Platz reicht doch nie."
Von der Skulptur des Schwarzen Anglerfischs bin ich hingegen begeistert. Ich dachte immer, den gibts nur im Film!
Hoffentlich gibt das keinen Alptraum, denke ich, als Kind 1 und Kind 2 diesen Fisch betrachten. Immerhin erzählt uns Kind 2 jeden Morgen am Frühstückstisch, dass sie einen Alptraum hatte.
Am beeindruckendsten für mich bleibt der überdimensionale Schaukasten mit dem am Meer gefundenen Unrat - und den beiden Möwen, die diesen fressen, weil sie glauben, dass das Nahrung sei - und die wahlweise daran ersticken oder verhungern, trotzdem ihr Magen prall gefüllt ist.
Ich habe ohnehin null Verständnis für Leute, die ihren Abfall gleich welcher Art auf Straßen und Wegen entsorgen - jedoch hier packt mich die echte Wut: Der Mensch ist und bleibt das größte Sauschwein von allen.

Donnerstag
Kind 2 hat Geburtstag - 8 Jahre - und draußen rauscht das Thermometer zurück auf 8 Grad.
"Du musst aber auch ein Kleid anziehen", verlangt es von mir, "den ganzen Tag lang! Heute ist nämlich mein Geburtstag, da darf ich bestimmen!" Und so springe ich aus der Jeans zurück in das einzige Kleid aus meiner Tasche.
"Hast du nur das Schwarze? Hast du kein helles Kleid?"
"Äh... Ne. Nicht hier im Urlaub. Aber guck mal, es hat doch immerhin weiße Streifen!"
Zwar friere mir damit draußen den Arsch ab - aber das Kind ist glücklich!
Und während die drei später stundenlang das Spaßbad unsicher machen, gehe ich ein wenig im Ort spazieren, alten Erinnerungen auf der Spur und immer dem zarten verlockenden Kaffeeduft nach.
"Die Helma kann nämlich nicht mit", ruft Kind 2 fröhlich in den Videochat mit ihrer Oma, "die hat nämlich ihre Tage!"
Stille am Tisch.



Freitag
Abreise. Endlich. Irgendwie bin ich froh, auch wenn wir insgesamt 11 Stunden brauchen, ehe ich meinen kleinen Schwarzen wieder zurück auf die heimische Parkebene stelle.
Zuhause ist es irgendwie doch am schönsten..

That is the "Oh..oh, I am in trouble" (the good kind) face . =)
Bildquelle: https://www.pinterest.de/source/fuckingtotheweeknd.tumblr.com/

Donnerstag, 29. März 2018

Spontanität vs. Planungsgenie

Der Mann ist ja immer so planungswütig. Ginge es nach ihm, weiß er nicht nur bereits im Januar, wo wir in diesem Jahr überall hinfahren und urlauben, sondern er hätte schon alles gebucht, angezahlt, die Urlaubstage bis ins Detail verplant, Checklisten angefertigt und spätestens im Februar alles abgehakt und sich den Rest der Wochen und Monate aufs Ereignis gefreut.
Das hat bestimmt auch sein Gutes! Ich selber aber denke ja immer, dass mich das eher unflexibel macht. Ich bin eher so, die - wie heute - über irgendwelche Angebote stolpert und begeistert denkt: "Au ja, das wäre auch mal was Feines, lass uns das doch mal machen!"

Andererseits bin ich aber auch diejenige, die nicht einfach nur einen Gutschein verschenkt, wo man mal drei schöne Tage verbringen könnte (sich was raussuchen und buchen muss der Beschenkte dann aber selber - ach das weiß doch nun JEDER inzwischen, dass solche Gutscheine im Nirvana verrotten), sondern die, die das alles dann aber auch gleich in Sack & Tüten packt. Ich sage nur - Musical in Hamburg zum runden Geburtstag des Mannes! Wie lange er sich das schon gewünscht hat, weiß ich nicht; aber der runde Geburtstag war doch der perfekte Anlass. Hotel gebucht, Flug gebucht, Musical-Karten gekauft (es hätte eben nur nix schiefgehen dürfen - die Karten waren nicht erstattungsfähig, aber arschteuer warn se). Für den ich mich sogar überwunden habe, nicht nur zum allerersten Mal in meinem Leben einen Flug online zu buchen (jahaaa - Ihr kennt Euch alle damit aus, das is ein Klacks - aber wer das so gar nicht kennt, so wie ich, der ist dann schon nervös: Passt alles? Stimmt alles? Komme ich damit wirklich dahin, wo ich hinwill? Sind das alle Kosten oder erschlägt mich da noch was von hintenrum), sondern auch IN ein Flugzeug zu STEIGEN. Ich bin ja ein bisschen bekloppt, aber rund 1600 Kilometer an nur einem Wochenende mit dem Auto zu vergurken - SO blöde bin ich dann doch nicht. (Und es war ein gutes Training für Indien, dachte ich damals. Wobei das irgendwie nicht so richtig hingehauen hatte: Der Flug nach Hamburg dauerte ja nur etwa ne Stunde; in dieser Stunde hatte er mich mega weichgequatscht - aber dieses Manöver hat ganz gut funktioniert. Für den stundenlangen Flug nach Indien aber wusste ich: DAS hält KEIN MANN durch - nicht mal ich, und besorgte mir entsprechende leck-mich-am-Arsch-Pillen in zweifacher Produktart. Doppelt hält schließlich besser und so wars ja dann auch. Zumindest auf dem Hinflug.)
Ich habe zwar immer noch tierische Angst vorm Fliegen (und da sagen die immer: Stelle dich deinen Ängsten, dann hast du keine mehr! Ja Scheißchen.), aber als ich eben heute über das Angebot für einen einwöchigen Urlaub in Santorin stolperte, der perfekt in die Osterwoche gepasst hätte, da wusste ich nicht, ob ich lachen oder ein bisschen schreiheulen sollte.
Denn der Mann in seiner Planungswut hatte bereits nach dem Weihnachtsfest beschlossen: Im April fahren wir noch mal zu dir nach Hause! Ich meine, ich freue mich ja immer - und der Optimist in mir hatte ja auch beschlossen, dass April keine gar so schlechte Wahl ist für dieses Ziel.

Aber nu ja.. Erst kam heute morgen das Foto von der Mama und dann schrieb sie noch drunter: "Ist von heute! Zieht Euch was Warmes an, wenn Ihr kommt!" - aus Freundeskreisen schallte mir auch so gar kein Mitleid entgegen und erst dann las ich von Santorin.. Sah herrlich kristallblaues Meer.. Sattgrüne Bäume.. Hübsche kleine Urlaubsdomizile.. Bunte Blumen an jeder Ecke..


Manchmal verfluche ich diesen Planungsgeist des Mannes doch ein kleines bisschen. Er lässt zu wenig Raum für Spontanität ;)


Mittwoch, 28. März 2018

Begegnungen für das Leben

Ich schreibe diese Zeilen, während Du in einem Raum liegst, um Dich herum ein Gewusel aus Operateuren, Schwestern - und mit Deinem Mann neben Dir, der Dir vielleicht ein wenig die Nervosität, die Angst nehmen kann. Was Dich erwartet, kennst Du schon. Du hast das alles schon mal durchlebt - und Du hast einen Job, der Dich alle Risiken wissen lässt, mehr als vielleicht jedem anderen, und dieses Wissen gepaart mit Deiner unfassbar sensiblen Seele lässt Dich mir schreiben, dass Du geweint hast heute Morgen vor Angst.
Liebe J., in Gedanken bin ich neben Dir, ich lege meine Hand auf Deine und erzähle Dir von irgendwelchen Dingen, auf die Du Dich gar nicht konzentrieren kannst, die an Dir vorbeiwabern.

Einmal mehr erinnere ich mich an den Moment, als ich Deine Anzeige fand - "Fahrten von Frauen für Frauen", meine letzte Chance an jenem Tag, eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Wie froh ich war, als Deine Zusage kam. Wie herrlich wohl ich mich vom ersten Moment an neben Dir fühlte, vor allem, als Du mich fragtest: "Stört es dich, wenn ich was esse?" und ich lachte verwundert: "Hä? Ne! Ist doch dein Auto!" und dann packtest Du eine Butterbrotdose aus, wie wir sie alle noch von früher kennen, als wir in den Kindergarten gingen.
Von Anfang an hatten wir irgendwie einen Draht zueinander, wir konnten erzählen und uns im Erzählten des anderen eins zu eins wiederfinden. Irgendwie war selbstverständlich, dass wir uns nicht nur zum Pendeln trafen, sondern recht schnell auch zum Shoppen oder ins Kino gehen.
Deinen 30. Geburtstag wolltest Du mit mir irgendwo feiern - und wir entschieden uns für einen Trip an die Küste. Wie herrlich das war! So ungezwungen alles, so herrlich unperfekt. Keine wochenlange detaillierte Planung im Voraus, keine Zettel "Was nehme ich alles mit". Deine Buchung, Du steigst am Tag X zu mir ins Auto und irgendwann auf halbem Weg fragst DU MICH, wie wir eigentlich überhaupt in die Unterkunft kommen?
Wir sind uns so derart ähnlich, unser beider Leben ist derart ähnlich, nur zeitversetzt, dass ich so oft denke, wenn ich Dir zusehe, dann sehe ich mir selber zu, wie das bei mir vor rund 20 Jahren war.
"Ist das deine Schwester?" wurde ich öfter gefragt, wenn ich Bilder von uns zeigte.
"Ich habe doch gar keine Schwester."
Ähnlichkeiten in unserem Leben sind manchmal derart frappierend, dass ich eine Gänsehaut bekomme.
So wie gestern Abend, als mir erst durch Deinen Hinweis bewusst wurde, dass am 28.03.2001 das Herz meines Kindes in meinem Bauch aufhörte zu schlagen - und dass Du am 28.03.2018 Dein zweites Kind bekommen wirst.

Wahrscheinlich ist der Kleine jetzt inzwischen da, hat zum ersten Mal mit einem Schrei diese Welt begrüßt und man hat Dir gesagt, dass alles gut und der Kleine rundum gesund ist. Das wünsche ich Dir und Deiner kleinen Familie von ganzem Herzen. Ich wünsche Dir und Euch ein buntes, fröhliches Leben, vor allem ein einfacheres, ein entspannteres Leben - und ganz vor allem ein gutes Miteinander.

Wenns nix mehr zu mosern gäbe

Irgendwie kann man kein soziales Medium betreten, ohne von Klagen, Jammern, Aufregen etc. überrollt zu werden.
Inzwischen überfliege ich viele Statements nur noch, lese Kommentare seltener, weil ich mich immer öfter frage: Was würde der Mensch eigentlich tun, wenn er nix mehr zu meckern hätte?
Wie ist das bei so einem Menschen? Steht er morgens auf und fragt sich: "Mal gucken, worüber ich mich heute aufregen kann?"
Was sagt der Drang zum Meckern über den anderen aus - und was mein Gleichmut über mich selbst?
War die Meckerei schon immer so ausgeprägt oder nehme ich sie jetzt nur bewusster wahr?
Hin und wieder denke ich in letzter Zeit amüsiert an den Spaziergang mit dem Mann, dem dies und jenes ins Auge stach und ich wunderte mich: "Mir ist mal aufgefallen, je älter du wirst, desto nörgliger wirst du. Alles stört dich oder nervt dich."
"Ja ich weiß", knurrte er.
"Komisch, bei mir ist das genau andersrum. Je älter ich werde, desto gelassener werde ich", zuckte ich die Schultern.
"Ja ich weiß", schnarrte er mich an, "und das nervt mich auch!"

Ich persönlich denke.. Der Mensch sollte viel dankbarer sein für das, was er hat. Ich persönlich finde es schade, wenn der Fokus auf das gerichtet ist, was er nicht hat, statt auf das, was er alles Gutes in seinem Leben hat.
Und ich persönlich - das muss ich gestehen - habe in diesem Jahr die Zeitumstellung so gar nicht bemerkt. Also biologisch. Ich bin ja aber auch kein Kleinkind und auch kein Hund. Die, die sich in den sozialen Netzwerken mal eben wieder heißkochen, aber auch nicht - und auch nicht im Besitz eines solchen ;)

Donnerstag, 22. März 2018

Ja ist denn heut schon wieder Montag?

...frage ich mich, während ich mich zugleich vergewissere, dass wir heute Donnerstag, den 22. März schreiben.
Irgendwie fühlt sichs an wie Montag - weil für den typisch wäre, dass es von allen denkbaren Seiten Saures gibt für mich. Egal ob in Blogkommentaren (werde künftig wohl verstärkt darüber nachdenken, bevor ich etwas schreibe - oder ob ich überhaupt was sage ;)), egal ob privat ("Wir haben zu dritt versucht, das Bett wieder zusammenzuflicken. Na ja eigentlich zu zweit, denn [Sohn II] ist krank und dem gehts auch sichtlich schlecht." - "Pah, zu dritt, das habe ich damals ganz alleine geschafft!" Ich habe gewagt, darauf hinzuweisen, dass man ja trotzdem nicht so tun muss, als seien wir alle Deppen und nur einer da, der alles kann. Gut - ich war vielleicht etwas.. undiplomatisch. Etwas unwirsch. Immerhin hatte ich vier Stunden Fahrt hinter mir, eine kleine Aufräum- und Wäschewasch- und Einkaufsaktion, Essen zubereiten und Muffins backen - und dann eben das Bett, das blöde, störrische alte Ding) oder ob dienstlich: "Es kann doch nicht sein, dass man dich telefonisch nie erreichen kann, auch wenn du meinetwegen frei hattest! Man muss ja auch mal Wichtiges klären können, sonst kann ich dich entlassen, dann brauche ich dich nicht mehr!" Hach ja. Wie habe ich doch solche Töne glatt vermisst. "Ja dann machen wir das doch so", habe ich lakonisch geantwortet (da täte immerhin der Mann sich freuen, wenn sich diese Entscheidung etwas torpedieren ließe).
"Guten Morgen, kleiner Stinker", begrüßt mich der Mann am Telefon, ich lache nur amüsiert.
"Guten Morgen, Helmalein", scharwenzelt der Chef um mich herum. Ich lass ihn scharwenzeln - so kommt er mir heute nicht davon. Gibt mit Sicherheit Chefs, die noch cholerischer sind und vor allem noch tiefer zielsicher unterhalb der Gürtellinie treffen. Dennoch habe ich keine Lust drauf, mir bei jeder Gelegenheit sagen zu lassen, dass man mich entlassen wolle. Erinnert mich fast an meine Ehe. Da hat mein Ex immer gedroht "Ich lass mich scheiden, mit so ner Frau wie dir halte ich das nicht aus!" Er ist bis zum letzten Tag nur nicht auf die Idee gekommen, dass nicht er, sondern ich gehe.

Nu ja. Heemgehn, Käffchen, aus.

Dienstag, 20. März 2018

Was wir lieben, macht uns glücklich


Zwar habe ich diese Aussage in einem anderen Blog in einem ganz anderen Zusammenhang gelesen, gleichwohl bildet er für mich den Auftakt zu einem Post, der mir schon seit Tagen in meinem Kopf herumschwirrt, den ich aber irgendwie nicht zu Papier zu bringen vermochte.

Draußen schneit es zarte Flocken trotz kalendarischem Frühlingsbeginn - aber in mir selbst ist schon länger Frühling. Das momentane Lieblingssommerkleid habe ich auf einem Bügel an den Schrank gehangen, ich sehe es jeden Morgen, jeden Abend und nehme somit jeden Tag dieses Gefühl mit und aus dem Bett. Ich freue mich darauf, es überzustreifen, in die Sandalen zu schlüpfen und hinaus in die Welt zu gehen. Den Tag zu begrüßen und ihn zu fragen, was er heute Schönes für mich bereithält. Vielleicht.
Und denke ich an meine Mädelsclique (böse Zungen könnten ja behaupten, das wäre - in Anlehnung an meine Lieblingsschriftstellerin - die Bauch-Beine-Po-Gruppe, weil wir alle ja irgendwie so bisschen mit uns hadern - Frauen halt, was solls; jedoch ich empfinde uns nach wie vor als Sex-and-the-City-Gespann, weil die Rollenverteilung kaum klarer sein könnte *harhar*) und den unlängst im Chat gewälzten Problematiken... Dann frage ich mich schon: Geht es mir auch gut, weil ich eben momentan keine Singlelin mehr bin? Geht es mir auch gut, weil nachts jemand neben mir liegt (meistens jedenfalls), der mir das Gefühl vermittelt, mich geborgen zu fühlen, mich angekommen zu fühlen (meistens jedenfalls, solange wir versuchen, unsere Reizthemen auszublenden, auch wenn man hin und wieder vom Runterschlucken Gefahr liefe, einen Elefantenhals zu bekommen)? Geht es mir auch gut, weil ich die Wahl hätte - gehen oder bleiben? Während ein Single diese Wahl nicht hat - allein ist allein? Geht es mir gut, weil ich mir - zumindest aktuell - nicht die Frage stellen muss, ob ich im Greisenalter noch die Miete aufbringen kann oder nicht? Ob ich dann in ein Zimmer ohne Bad und die Toilette ne halbe Treppe tiefer mieten muss, weil die Mieten bis dahin exorbitant explodiert sind?
Ehrlich gesagt.. Ich habe über diese Themen in all den Jahren - ob als Single oder innerhalb einer Beziehung - nicht wirklich nachgedacht. (Natürlich nicht. Das wäre ja ganz gegen meine Natur!)
Ich lehne mich zurück, schaue gedankenverloren auf die schneebedeckten Bäume vor dem Fenster und weiß, dass ich nichts aus all den Jahren, in denen ich allein war, vergessen habe. Nicht die durchwachten, sehnsuchtsvollen Nächte, weil ich mir vordergründig nicht Sex, aber in jedem Fall jemanden gewünscht hatte, der bei mir liegt, der mich berührt, der mich anschaut und anlächelt und ich weiß: Alles ist gut. Nicht die Tage, in denen mich irgendein Bakterium hinweggerafft hatte und ich selbst mit größter Willenskraft nicht in der Lage war, etwas anzuziehen, in den Supermarkt zu schlurfen und etwas zu essen zu kaufen. Solange die Kinder im Haus waren, konnte man ihnen Geld in die Hand drücken und sagen "Hier ist ein Einkaufszettel". Wenn sie aber im Urlaub oder beim Vater waren, dann bedeutete das für mich: kein Brot, kein Obst, kein gar nix im Haus - überleben mit Trinkwasser aus dem Hahn in der Küche. Nicht die Geburtstage, die ich ganz allein verbrachte, weil entweder grad keiner da war oder aber der Freundin just an diesem Tag eine Audienz bei der Fickbeziehung gewährt wurde ("Ich seh ihn doch sonst erst wieder in drei oder vier Wochen, ich hoffe, du verstehst mich.") und dieses "Wir ziehen um die Häuser, ich lass dich doch nicht alleine" so spontan gekippt wurde wie die Sektflasche, die ich anschließend allein zu Hause köpfte, bevor ich zu heulen begann. Nicht das Weihnachten ganz alleine zu Hause, wo ich mir die Flasche Rotwein mit ins Bett nahm (damals trank ich noch Rotwein, heute mag ich nur noch Weißen) und so lange auf das Leben anstieß, bis es nicht mehr wehtat. Nicht die Momente am Geldautomaten, wo ich 20 Euro abzuheben gedachte und das System meldete: "Sie haben noch einen Betrag von 14,75 Euro zur Verfügung" und daheim sitzen zwei Kinder und das Wochenende steht bevor. Während der Ex-Mann mir immer weiter böse Briefe mit immer neuen finanziellen Forderungen schicken ließ, bei denen meine Anwältin nur noch müde lächelnd abwinkte "Kann er vergessen" - aber mit dem Druck im Kopf lebste eben trotzdem erst einmal. Insbesondere dann, wenn Briefe schreiben abgewechselt wurde von Verbal-/Ausbrüchen vor der KiTa, vor der Haustür oder Treffpunkten, an denen ich die Jungs abholte - und er mich auslachte "Deine Anwältin kann mir tausend Briefe schreiben lassen von wegen 50 m Sicherheitsabstand, das ist mir doch egal."
Ich habe nicht vergessen, wie oft ich mir in dieser Zeit gewünscht hatte, nicht alles würde immer nur an meinen Schultern hängen. Nicht jede Entscheidung würde immer nur in meiner Verantwortung liegen. Würde ich meinen schweren Kopf auch mal auf den Bauch des anderen legen, die Augen schließen und für einen Moment alle Sorgen vergessen dürfen.

Schaue ich heute auf all die Jahre zurück - ob Single oder innerhalb einer Beziehung: Hat der Status tatsächlich etwas daran verändert? Daran, für mein Leben und das meiner Söhne Verantwortung zu tragen und sie auch gern zu übernehmen, weil ich ja diese Kinder auf diese Welt gebracht habe und sie auch von Herzen liebe? Daran, Entscheidungen zu treffen, beruflich, privat? Macht es tatsächlich einen Unterschied, ob meine Entscheidungen vom Mann mitgetragen werden (wollen) oder nicht?
Wir leben zusammen und wir teilen uns die Kosten - aber wäre ein (Über)-Leben nicht auch allein für mich möglich, wenn ich meinen Lebensmittelpunkt von M wieder woanders hin verlegte?
Bin ich mit dem Mann zusammen, weil uns wirtschaftliche Gründe zusammenhalten? Ganz klar: Nein. Jetzt könnte man sagen: "Ja noch nicht, noch arbeitest du und verdienst - aber was ist dann, wenn du mal nicht mehr arbeitest? Schon mal in deinen Rentenbescheid geschaut?" Ja, habe ich - und der Betrag entspricht im Moment meinem Netto-Verdienst vor 12 Jahren. Was kommt, weiß ich nicht, wie es wird, weiß ich auch nicht - und ob das alles irgendwie reicht, weiß ich ebenso wenig.
Aber wären das für mich Gründe, in einer Beziehung zu bleiben, die mich nicht mehr erfüllen kann? In der das Miteinander von elementaren Auseinandersetzungen bestimmt wird, weil beide sich im Recht fühlen? In der man sich so weit zurücknehmen muss, dass man gar nicht mehr man selber ist, auf all die Dinge verzichtet, sich arrangiert, die einen selbst aber ausmachen, mit denen man die eigene Seele füttert? In den letzten Zügen meiner Ehe habe ich es so bezeichnet: "Ich habe mich all die Jahre so kleinhalten und so kleinmachen lassen, zusammengefaltet in einen bunten blumigen Karton mit der Aufschrift C., in dem aber nicht mehr C. (mein echter Name) drin ist". Die Trennung von meinem Ex-Mann habe ich nicht für einen anderen Mann entschieden, ganz gleich, ob es den gab oder nicht. Ich habe diese Entscheidung für mich ganz allein getroffen - unabhängig davon, was werden würde. Weil mir eines klargeworden war: "Lieber lebe ich allein, aber glücklich, als mit einem Mann, mit dem ich nicht glücklich sein kann." Und auch nur deshalb konnte ich all die Jahre nicht nur sehr gut mit dieser Entscheidung leben, sondern habe rückblickend nur eines zutiefst bedauert: dass ich nicht schon viel eher gegangen war.
Ich verstehe durchaus, was die beiden Singlefrauen in unserer Mädelsclique meinen, wenn sie sagen "Überlegt euch gut, was ihr tut. Seid glücklich und dankbar, dass ihr jemanden habt, denn ich selber weiß gar nicht mehr, wie sich das anfühlt, jemanden neben mir zu haben."
Ich denke, dass ich mir eine solche Entscheidung auch nie leicht gemacht habe, ob in einer Ehe mit Kindern oder innerhalb einer Beziehung ohne gemeinsame Kinder. In diesen Momenten habe ich niemals darüber nachgedacht, ob ich "mir das leisten kann zu gehen". Für mich zählte nur eins: Kann ich so weitermachen, kann mich das glücklich machen, ist es das, was ich in zehn, zwanzig Jahren immer noch sehen und fühlen möchte?" Und vor allem: Liebe ich, was ich tue? Macht mich immer noch glücklich, was ich liebe?
Und mir stellt sich oft auch die Frage der (überzogenen) Ansprüche: Habe ich die? Welchen Anspruch habe ich denn überhaupt eigentlich an mich, an das Leben, an das Leben mit einem anderen Menschen? Bin ich nur jemand innerhalb einer Beziehung - oder kann ich mein Leben genauso genießen, wenn ich allein lebe?
Gerade weil ich auch schon allein gelebt habe, weiß ich heute: Mein Leben als Single ist ein anderes (natürlich) - aber mein Leben ist deshalb noch lange nicht zuende. Ich habe eine ziemlich konkrete Vorstellung, wie dieses Leben aussehen würde. Wie mein Lebensraum aussehen würde. Wie die Abende und die Wochenenden aussehen würden.
Letztens waren der Mann und ich abends Sushi essen. Ein kleiner, unscheinbarer Laden - aber ein wirklich vorzügliches Essen! Bis auf die kleinen Geflügelspießchen.
"Ich hoffe, das war auch wirklich Hühnchen", sagte ich zum Mann.
"Was soll das sonst sein? Hahn?"
"Neeein! Die Winkääkaatze von näbenaaan! Nun winkt sie nicht määährrr!"
Er begann zu kichern und ich registrierte erst dann, dass die Bedienung hinter mir stand und eigentlich fragen wollte, ob alles zu unserer Zufriedenheit gewesen wäre :)
Später versumpften wir noch in einer Bar und als er mich am Arm zur U-Bahn führte, meinte er noch: "Du kriegst übrigens keinen Weißwein mehr!"
Das sind Momentaufnahmen, die ich so liebe; miteinander lachen, Spaß haben, sich unbeschwert fühlen. Sich loslösen von Alltag, Dissonanzen - und damit dieses Lebensgefühl aufsaugen: Alles ist gut, alles wird gut - solange man es sich nicht selbst sinnlos schwerer macht. Das sind die Momentaufnahmen, die mich stark machen für den Alltag. Und ich fragte mich: Würde ich mich auch so gefühlt haben, wenn ich solche Momentaufnahmen nicht mit dem Mann, sondern mit einer Freundin erlebt hätte? Würde nicht trotzdem etwas Entscheidendes gefehlt haben?
Ich bin mir nicht sicher, das muss ich gestehen. Aber in einem bin ich mir sicher: Ich werde keine Beziehung um jeden Preis führen - und wie hoch dieser Preis ist, das kann nur ich selbst entscheiden.
Wenn das, was ich liebe, mich nicht mehr glücklich fühlen lässt, dann ist - für mich - der Preis zu hoch.

Mittwoch, 14. März 2018

Kann ich nicht! Kannst du wohl!

Chef: "Wir müssen mal unsere Referenzen auf Englisch übersetzen."
Ich: "Hm. Ja. Aber ich kann das nicht. Technisches Englisch trau ich mir nicht mehr zu."
Chef: "Hast du doch aber früher auch gemacht."
Ich: "Chef, das ist zehn Jahre her! Und wenn ich dran denke, dass die im technischen Englisch immer so ihre eigenen Begriffe haben.. Das kann man nicht einfach so übersetzen."
Chef: "Zum Beispiel?"
Ich: "Na zum Beispiel... HDD!"
Chef: "Na aber das ist doch schon Englisch. Horizontal Directional.."
Ich: "Ja ja schon gut, sollte ja nur ein Beispiel sein. OK, war ein blödes. Also sowas wie.. wie.. Behördenengineering! Obwohl.. ne.. (er fängt an zu lachen).. gut, das kriege ich auch noch selber hin! Na dann sowas wie aus der HOAI, Projektmanagement zum Beispiel.. aaaarrrrhhhh neeee! auch ein scheiß Beispiel (er lacht lauter, ich stimme ein).. na gut, Chef, du hast gewonnen, wir können das auch selber machen!"

So ist das eben, wenn Denglisch zum allgemeinen Sprachgebrauch geworden ist.

Dienstag, 13. März 2018

Rot - Gelb - Grün










Mein Lieblingsplatz ist momentan der hinter dem Fensterglas, insbesondere, wenn die Sonne scheint und die Vibration der Musik über den Holzfußboden bis hin zu mir kriecht. So könnte ich derzeit Stunden verbringen, müsste ich nicht am Schreibtisch sitzen.
Ich schaue auf aufgerissene Wolkenbänder, auf den Schwarm Vögel, wie sie im vergangenen Herbst erst in den Süden flogen und nun genauso wieder zurückkehren.
Schaue den roten und schwarzen Eichhörnchen zu, wie sie das Futter holen, das eigentlich für die Vögel bestimmt gewesen war, als die Eiseskälte noch so um sich griff.
Schaue den ersten Insekten zu, wie sie bereits nach den Blumen suchen, die wir für gewöhnlich jedes Jahr vor dem Fenster haben.
Ich schaue, lächle versonnen und versuche.. an nichts zu denken. All das der letzten Monate von mir zu streifen wie ein zu eng gewordenes Kleid. Versuche, nicht an die Momente zu denken, die mich in die Knie zwangen, sondern vielmehr an all die hoffnungsvollen Momente, die es hier und da immer noch gegeben hat - und gibt.

Gerade lösen sich Knoten, löst sich zugleich die Anspannung in mir. Die unerwartete neue, andere Chance für Sohn I - und das Gefühl, dass sich hier alles richtig für ihn anfühlt. Die zarte Hoffnung auf etwas wirklich Gutes. Die zugleich aber auch noch zittrige Befangenheit ob der Erfahrungen der letzten vergangenen Jahre. Der unerwartet gute Verlauf der Ausbildung von Sohn II, die trotz aller anfänglichen Anstrengung und Anspannung in ihre richtige Bahn gekommen scheint. Mühen und angespannte Nächte bereiten lediglich hier und da Probleme mit dem neuen alten Fahrzeug, das er erst im Oktober kaufte und wo wir aktuell zum zweiten Mal die Gebrauchtwagengarantie in Anspruch nehmen müssen. Ich wünsche mir, dass es auch dieses Mal so entspannt und zuverlässig abläuft wie beim ersten Mal. "Bei so einem Wald- und Wiesenhändler würde ich niemals kaufen", hatte der Mann noch im Oktober gesagt. Aber wer weiß - manchmal trügt eben doch der äußere Eindruck.
Der Mann und ich... Wir schweigen unsere Probleme nicht tot, thematisieren sie aber derzeit auch nicht. Grundsätzlich bin ich ohnehin davon überzeugt, dass es für alles eine Lösung gibt, sofern man nicht nur an eigenen Vorstellungen festhalten und diese auch genauso umsetzen möchte, ganz gleich, wie es dem anderen dabei ginge. Wie gut es uns auch jetzt schon mit allem im Grunde geht, wird für mein Empfinden ohnehin viel zu oft und zu sehr aus den Augen gelassen.
Ich lehne mich zurück, schließe für einen Moment die Augen und denke an all den Behördenkram der letzten Monate, die privat und beruflich geführten Auseinandersetzungen, die schlaflosen Nächte und meine Bereitschaft, noch einmal meine Sachen zu packen und ganz woanders hinzugehen, noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Noch gestern habe ich vor Freude hier getanzt, als Sohn I anrief und sagte "Der Vertrag ist unterschrieben". Und jetzt sitze ich hier und fühle... wie all die Anspannung von mir herabrieselt und zugleich eine wohlige Müdigkeit in mir aufsteigt.
Geschafft. Ein weiteres Ziel erreicht. Erst jetzt fühle ich diese Müdigkeit und mag sie auch zulassen. Und ich glaube, ich darf das.
Das Rot der Ampel vor einigen Wochen hat sich auf Gelb gestellt  - und nun mag ich zuschauen und warten auf das Grün.. Hier an meinem perfekten Platz.

Mittwoch, 7. März 2018

Die Nacht gehört mir


In der Nacht ist alles still und ruhig - und ich genieße es sehr, zu Hause zu sein, in die Musik vertieft.
Längst müsste ich mich schlafen gelegt haben, doch noch fühle ich nicht genug Müdigkeit in mir.
Gerade frage ich mich, ob ich mir vielleicht noch einen Kaffee zubereiten wollte, so mit viel Milch und ohne Zucker, wie ich ihn am liebsten habe. Zuzusehen, wie das Weiß der Milch sich gemächlich im schwarzen Kaffee ausbreitet, die Tasse mit beiden Händen zu umfassen, mich nichts mehr zu fragen, an nichts mehr zu denken, dafür Schluck für Schluck genießen..
"Ich kann nie loslassen, ich kann mich nicht so fallenlassen wie du", sagen Menschen um mich herum. Menschen, die immer planen, immer organisieren, immer aktiv sind, immer perfektionieren wollen - weil sie glauben, dass sie das müssten. "Ich hätte so gerne deine Gelassenheit, deinen Optimismus", höre ich öfter hier und da. Aber ich kann da nicht wirklich etwas raten oder sagen; wir Menschen sind mitunter so verschieden, laufen unsere Uhren so ganz anders. Ich glaube aber, dass man es lernen kann, jeder auf seine Weise, jeder für sich. Wenn er es will und wirklich damit anfängt und aufhört, ständig Ausreden dafür zu finden, warum etwas gerade nicht geht.

Montag, 5. März 2018

...would you lie with me an just forget the world?

Ich bin die, die nie großartig plant, zurechtlegt oder schon drei Wochen im Voraus weiß, was sie wann wie machen will. Was sie machen wird. Was sie heute anziehen wird. 
Vieles lasse ich auf mich zukommen, in vielem improvisiere ich - und in den allermeisten Dingen verlasse ich mich auf den Moment und auf mein Bauchgefühl.
Mit Details halte ich mich kaum auf, das dauert mir viel zu lange; ich besitze zwar eine Menge Ruhe und Gelassenheit in mir, jedoch Ausdauer besitze ich nur in den allerwenigsten Situationen.
Unlängst musste ich lachen, als ich las, dass Junigeborene wie ich immer irgendwie ein wenig Inspiration brauchen. Dass man sie kaum auf einer Bowlingbahn antreffen wird, lieber in Ausstellungen und Vernissagen. (Ich habe von Kunst aber sowas von gar keine Ahnung, mir gefällt, was mir eben gefällt.) Dass man mit mir nie ein Haus bauen wird, weil es mir zu langweilig ist, das von A bis Z durchzuziehen - viel eher hebe ich lieber eine Baugrube nach der anderen aus. Ist ja auch viel aufregender, man könnte schließlich einen Schatz finden oder wenigstens ein paar antike Tonscherben.
Am Sonntag zog ich mich ein wenig in mich selbst zurück und in die Musik, legte mir den Skizzenblock auf die Knie und nahm die Stifte in die Hand. Nach der ersten Skizze verlor ich ein wenig die Geduld, weil ich viel zu lange nicht mehr gemalt hatte und so ein wenig aus der Übung gekommen war. Nach der dritten Skizze legte ich das Malzeug endgültig zurück in das Fach, weil mir die Idee und die Energie ausgegangen waren.
Jedes Jahr hingegen werde ich schon Ende Januar latent hibbelig, wenn ich die Eisblumen am Fenster sehe. Werde ich im Februar unruhig ob der geschlossenen Schneedecke und kaufe mir Anfang März trotzig einen Strauß Tulpen und ein Sommerkleid. Liege in der Märzsonne hinter dem Fensterglas auf dem Holzfußboden, schließe die Augen und träume mich ganz weit fort.
Für einen Moment die Welt und alles um mich herum vergessen, nur auf den Klang tief in mir zu lauschen, auf das zarte Ping und mich zu erinnern, wahrzunehmen.. Zu sagen, was man sagen möchte. Zu zeigen, was man fühlen kann. Auszukosten, was man Schönes in seinem Leben hat. Auszublenden, was sich in diesem Leben nicht gut angefühlt hat, wenigstens für diesen einen Moment..
In diesem Jahr ist das.. irgendwie anders.
Natürlich träume ich schon seit Wochen sehnsüchtig vom Frühjahr, von sattgrünen Bäumen, lausche ich frühmorgens auf das Vogelgezwitscher, lege dem schlafenden Mann meine Hand auf seinen Bauch und schließe wieder die Augen, genieße die Ruhe, die Stille, die Behaglichkeit und stelle mir vor, wie es wäre, wenn man nach dem Frühstück hinausgehen und in das Meer springen könnte..
Dennoch.. ist es in diesem Jahr irgendwie anders.. Immer noch ist tief in mir alles ruhig.. Ein Gefühl wie.. auf einer Schaukel zu sitzen, mich sacht hin und her zu bewegen, gedankenverloren, jedoch nicht verloren, ohne ein Wort, jedoch nicht wortlos, nicht in Eile, jedoch bereit, jederzeit von der Schaukel zu springen, wenn der Moment gekommen ist.. Ob ich gelernt habe zu warten?
Es ist ja nur gar nicht mal so, dass ich tatsächlich auf etwas warten würde. Es fühlt sich eher an wie die Gewissheit, dass etwas kommen wird. Eine wunderbare Zuversicht, die an nichts Bestimmtes geknüpft ist. Und sie ist dennoch da. Ähnlich der Gewissheit, dass es mit jedem Tag ein wenig mehr Frühling wird..

Im Himmel trägt man hohe Schuhe - "Miss You Already"


...ein wahnsinnig berührender Film mit einer Drew Barrymore, die ich in dieser Rolle okay finde, und mit einer Toni Collette, die ich in ihrer Rolle irrsinnig gut und um ein zigfaches besser finde.
Ein Film, den ich aktuell vielleicht.. nicht "gebraucht" hätte. Aber wer braucht das schon.. Und irgendwie.. gehörts ja doch auch zum Leben dazu.
Wohl dem, der eine solche Freundschaft haben darf.

Sonntag, 4. März 2018

Szenen einer Partnerschaft oder: Fatimas Hand

"Ich versteh das nicht. Drei Titel hab ich geladen, zwei davon hab ich aufs iPhone geschoben bekommen - wieso klappt das mit dem dritten nicht?" frage ich den Mann, der gerade dabei ist, auf seinem Mac eine Windows-Oberfläche mit einzubasteln (alte Windows-Spiele ließen grüßen).
"Woher soll ich das wissen?"
"Na wer ist denn hier vom Fach?"
"Na hör mal, du haust mir hier was um die Ohren, ich weiß nicht mal, was du eigentlich von mir willst. Oder weißt du vielleicht, warum das Windows hier nicht geht?"
"Weils ein Mac ist!"
Ich bekomme nur einen bitterbösen Blick zur Antwort.
Auf einmal steht er neben mir: "Da ist er doch, in deinem iPhone Ordner."
"Ja aber ausgeblendet. Ich kann den weder starten noch sonstwas."
"Da läuft doch noch ne Uhr, der ist noch gar nicht fertig. Wahrscheinlich ist noch ein anderes Fenster offen, wo der dich was fragt?"
Ich schaue angestrengt zur Terrasse: "Äh nee, alle Fenster zu! Hättsch ooch gemerkt - bei DER Kälte draußen!"
"Du kannst mich mal!" sagt er mit diesem bitterbösen Blick. Überlege, mir doch vielleicht noch so eine Kette mit Fatimas Hand zu kaufen. Besser ist das vielleicht?

Heute gab es Indisch, zubereitet mit viel Liebe vom Mann.
"Oooarrr!" rufe ich beim Öffnen der Küchentür überrascht in den Rücken des Mannes ob der vielen Dämpfe und Gerüche in der kleinen Küche, während er mit einem Satz und Ausruf zur Seite springt.
"Mensch! Hör doch mal auf, mich so zu erschrecken!"
"Wieso erschrecken? Erschrecken tun sich nur Menschen, die was Heimliches machen. Chattest du vielleicht grad nebenbei? Mit der mit den Riesenbrüsten?"
Während ich mich amüsiere, überlege ich rasch, in welchen Einkaufswagen ich eigentlich vor Wochen Fatimas Kette gelegt hatte.

"Ist mit Kurkuma, musst du aufpassen, dass du nix verkleckerst."
"Äh.. Ist Kurkuma nicht das indische Würzmittel, das auch gut gegen Schmerzen ist?"
"Ja. Und das, was aus den Sachen nicht rausgeht."
"Aber... äh... war Kurkuma denn das Gelbe? War das nicht was anderes?"
Er antwortet nicht.
Ich höre nur ein tiefes Ein- und Ausatmen. Und ein zwischen den Zähnen herausgepresstes: "Iss einfach!".
Die Entscheidung zum Kauf der Kette ist gefallen.

Freitag, 2. März 2018

"Jetzt kann ich es ja sagen: Ich vermisse Dich."

Als Du gestern Morgen dieses Bild postetes und etwas dazu schriebst, wurde mir ganz klamm und ich fragte Dich. "Nicht er, oder?"
"Doch", hast Du mir geantwortet und ich musste mir ob der spontanen Tränen die Lesebrille absetzen, weil die mir beschlug.
Ich kenne nur Dich, ihn habe ich nicht kennengelernt. Oder soll ich sagen: Doch, ich habe ihn kennengelernt, mit jedem Deiner einstigen Worte.
Von all Deinem Erlebten war er für mich der Eindrucksvollste. IHR wart für mich das Eindrucksvollste - und ich denke, das war so, weil es so sehr eigenes Erlebtes berührte.
Ich lese die Zeilen, die Du schriebst, nachdem Du von seinem überraschenden Tod erfahren hast.
"Jetzt kann ich es ja sagen: Ich vermisse Dich."
Diese Worte gehen mir sehr, sehr unter die Haut.
So sehr, wie ich auch diesen Verlust mit Dir fühle.
Ich glaube aufrichtig an Bindungen, die immer bleiben. Immer. Ganz gleich, wohin wir gegangen sind.
..und vielleicht auch hast Du deshalb zuletzt so intensiv geträumt.

Donnerstag, 1. März 2018

Ja oder Nein?


Mit der Reportage "Lebenslinien" (schaue ich echt gerne) und dem hier porträtierten Sänger der Band Bananafishbones wurde der Mann daran erinnert, dass er von diesen ja auch noch etliche Musik in seinem Fundus eingestaubt hatte, und er fühlte sich inspiriert, nicht nur ein weiteres Album zu ordern, sondern auch nach deren nächsten Konzerten zu schauen.
"Würdest du mich begleiten?" fragte er und ich war - offen gestanden - unschlüssig. Ich kenne deren Musik kaum, mir gefiel damals lediglich "Falling".
Also stand der gestrige Abend ganz im Zeichen des Albums, das der Mann frisch geladen hatte.
Szenerie: Kerzen auf dem Tisch, draußen ist es stockdunkel, ein wenig Schnee frieselt, der eine liegt links, der andere rechts der Sofalandschaft - und irgendwann schlafen beide über der Musik ein.
Hm.
Was soll mir das jetzt sagen?
Gehen oder nicht? :)

Mittwoch, 28. Februar 2018

Es wird mir zu laut, erneut.


Eigentlich war mir nach einem Post, mit dem ich mich selber ein bisschen durch den Kakao ziehe. Das kann ich schließlich ganz gut (im Gegenzug schätze ich es aber wiederum nicht, wenn man Witze auf meine Kosten macht; jedenfalls nicht, wenn mans übertreibt ;)).
Ich wollte mich selbst ein wenig "hochnehmen" dafür, dass seit mittlerweile 8 Wochen die Fußsohlen und mittlerweile der Rücken streiken, wobei ich mir beim letzteren noch nicht ganz sicher bin, obs wirklich Rücken oder doch eher wieder die Nieren sind. Nierchen süßsauer gibts offensichtlich nicht nur als Mittagessen, die gibts auch bei Helma Ziggenheimer im Rücken, wenn sie dem anspruchsvollen Pärchen offensichtlich wieder zuviel Käffchen und zu wenig Wasser geboten hat.
Ich wollte mich selbst ein wenig "hochnehmen" dafür, dass ich erst über die dreißig Grad im Büro herzog und jetzt hier mit den gerade mal 18,1 Grad (ja, das ging noch runter) auch nicht wirklich glücklich bin: 3 Paar Stricksocken, 2 Strickpullover, 1 Shirt, 1 Nierenschutz seit Sonntag eben wegen der irren Schmerzen und bequeme, warme Leggings. Unerotisch, unbestritten, aber warm. Man könnte ja auch einfach ein bisschen an der Heizung kurbeln, immerhin steht die grad mal knapp über 2. Aber nachdem der Mann mir erst letztens latent vorwurfsvoll berichtete, dass die Betriebskosten sich verdoppelt hätten, seit ich auch hier wohne (Sag bloß!), wage ich mich das gar nicht mehr. Ich bin ja sooo pflegeleicht! Oder einfach nur unfassbar dämlich. Wie auch immer.

Heute Morgen las ich Nachrichten. Berichte. Kommentare. Gedanken. Anmerkungen.
Ich dachte daran, wie ich letzte Nacht nicht schlafen konnte, aufgrund der Temperaturen die Finger aber inzwischen klamm und eiskalt geworden waren und ich mich demzufolge noch in eine Sofadecke wickelte und ein Lammfell noch darüber ausbreitete - und den Mann insgeheim nur ein ganz klitzekleines Bisschen verfluchte.
Heute Morgen dachte ich dann aber... "Du hast ein Zuhause. Ein richtiges Zuhause mit Heizung, Warmwasser und einem Kühlschrank, der nicht an Unterfütterung sterben wird. Du führst ein Leben, das für unfassbar viele andere Menschen ein purer Luxus ist, weil du jederzeit essen, trinken, baden, Auto fahren oder auch ins Kino gehen kannst. Weil du dich nicht fragen musst, wo du nachts unterkommst, ob du vielleicht im Freien schlafen musst und ob du dann morgen früh überhaupt noch erwachst. Weil du dich nirgendwo anstellen musst, wo andere Menschen ihre Lebenszeit und ihre Freizeit dafür aufwenden, um Hilfsbedürftigen Essen und Kleidung und vielleicht ein Dach für die Nacht zu geben. Weil du nicht miterleben musst, wie die Ärmsten unter uns, die sowieso schon nichts mehr haben, auch noch ihre allerletzte Würde aufgeben und aufeinander losgehen. Sich um das Essen zanken wie in den ersten Nachkriegsjahren, von denen mir meine Großmutter früher so eindrucksvoll erzählt hatte. Weil du eben genau diese Erfahrungen nicht selber machen musstest, sondern nur aus Geschichtsbüchern und den Erzählungen der Großeltern kennst."
"Warum öffnen wir nicht unsere Heizungskeller und lassen die Obdachlosen dort schlafen?" fragte heute jemand und irgendwas in mir krampfte sich zusammen. Unbestritten ist ein warmer Heizungskeller immer noch besser als eine Nacht draußen bei den aktuellen -10 bis -15 Grad unter irgendwelchen Zeitungen, Pappe und Decken. Aber wohin ist ein Land wie unseres, das zu den reichsten Ländern zählt, das sich Sozialstaat nennt (ich kotz gleich), gekommen, wenn es ernsthaft darüber nachdenkt, Menschen in Heizungskellern schlafen zu lassen und sich auch noch gut damit fühlt? Wenn es darüber diskutiert, wie berechtigt oder unberechtigt Entscheidungen einer Tafel sind? Wenn billigend in Kauf genommen wird, dass selbst die Menschen in Armut in zwei Klassen aufgeteilt werden - und man dies dann auch noch kritisiert, obschon man selbst jahrelang nichts dagegen getan hat?
Der Wahnsinn um Aleppo - gerade erst sind die Nachrichten darüber verebbt, angeblich sollte dort wieder Frieden eingekehrt sein. Jetzt Ghouta - und die Bilder, die ich heute sah, das Flehen der Ärzte ohne Grenzen, endlich aufzuhören, die medizinische Versorgungsmöglichkeit sei am Kollabieren... Bilder von Frauen, Kindern, toten Kindern, von denen ich weiß, dass ich sie nie wieder aus meinem Kopf bekommen werde. Man kann aber die Augen nicht verschließen, man kann sich der Realität nicht verschließen - und dennoch überkommt mich einmal mehr das Gefühl... dass es zuviel wird, zu laut, zu brachial, das Geschrei hier im Land, Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen - aber keine Lösungen..
Tausend Gedanken schwirren in meinem Kopf, wühlen in meinem Magen.
Nachts schlafe ich kaum und dann ist es die Musik, genau diese Art von Musik, die etwas Ruhe in meine Seele zurückbringt, ein Gleichgewicht, das ich unbedingt brauche.
Einmal mehr denke ich darüber nach, meine Zelte noch einmal komplett abzubrechen, woanders hinzugehen, dahin, wo ich aktiv etwas tun kann. Und sei es erstmal nur beruflich. Nicht ehrenamtlich, sondern wirklich voll und ganz. Mich einbringen mit dem ganzen Herzblut für den, auch wenn ich mehr und mehr an ihm zweifle: dem Menschen.

Montag, 26. Februar 2018

La Buerana Tropicana

Letzte Woche gondelte ich nach L. Das ist nichts Ungewöhnliches, schließlich mache ich das relativ regelmäßig. Ebenso ungewöhnlich ist nicht, dass es dort im Moment nicht wirklich einen Platz für mich gibt.
Meinen einstigen festen Platz überließ ich nach meinem Umzug von L nach M dem Azubi und inzwischen haben wir, weil eine von den Mädels uns außerdem in rund vier Wochen für die Dauer von Mutterschutz und Erziehungsjahr verlassen wird, seit Januar eine personelle Verstärkung. Was bedeutet: Das Office ist "voll", kein Platz für Leute für mich, die nur selten vor Ort sind und sowieso lieber von zu Hause aus arbeiten ("Sieh mal zu, dass du wieder nach L zurückkommst, dein Platz ist hier und wir brauchen dich hier!" - "Chef, fünf Tage die Woche ertrage ich dich gar nicht mehr.")

Eingedenk der zuvor sorgfältig studierten Wettervorhersagen brauchte ich mir dieses Mal auch gar nicht so viel einzupacken. Nicht mal ich als Frau. Zwei coole Strickpullover, einen Rock, eine Hose, Stiefel - thats it. Angesichts von Tageshöchsttemperaturen um minus 6 Grad (ich muss das Minus ausschreiben, sonst überliest das noch einer und wundert sich vielleicht ;)) braucht auch eine Frau nicht großartig zu überlegen, was sie anziehen soll: Hauptsache warm.
Mir wird ja gerne unterstellt: "Du brauchst doch gar nichts mehr zum Anziehen zu kaufen, du sitzt doch höchstens im Schlafanzug oder der Jogginghose am Schreibtisch."
Nun.
In den Sommermonaten könnte das vielleicht sogar durchaus mal vorkommen. Obwohl... Da eigentlich auch nicht, weil, da schlafe ich bevorzugt unbekleidet.
Und in den Wintermonaten - als wie jetzt - verkneife ich mir das angesichts von Zimmertemperaturen von maximal 19,2 Grad (ja, ich habe extra abgelesen, Herr Blau, falls Du das liest. Und sag nicht: "Du kannst ja höher drehen!" Verglichen mit einem ICE besitzt unsere Heizung die Mentalität allerhöchstens einer Bäderbahn!).
Aber ich muss sagen: Nach nunmehr 3,5 Jahren Home Office habe mich an diese Umgebungstemperatur gewöhnt. Zwar nicht für die Ewigkeit, aber ich weiß ja, dass irgendwann auch mal wieder Frühling und Sommer wird, auch wenn man sich das aktuell gar nicht vorstellen kann. Außerdem habe ich einen positiven Nebeneffekt festgestellt: Wenn der Körper permanent damit beschäftigt ist, mich bei Laune zu halten (also die Körpertemperatur konstant zu halten), dann kann das auch gut und gerne mal ein oder zwei Kilos kosten. Jedenfalls bei mir.

Nun kam ich also letzte Woche im Office an und wählte aus Ermangelung eines Platzes den im Nebenzimmer, weil dort eine von dreien erkrankt war. Die haben dort nicht nur eine riesige Palme stehen - die haben auch eine Zimmertemperatur von sage und schreibe 30 Grad. Ja wirklich, 30 Grad. Ich konnts gar nicht glauben. Aber wenn du ein Zimmer betrittst und hast das Gefühl, zugleich gegen eine Wand zu prallen; wenn du außerdem das permanente Bedürfnis nach Wasser trinken hast; wenn dir dein Lieblingsdeo irgendwann aussteigt und du heimlich duschen gehst (wozu installiert man eigentlich eine Dusche im Badezimmer, wenn die keiner nutzen darf??), wenn dir trotz allem irgendwann die Zunge am Gaumen anklebt und du das Gefühl hast, keine Luft mehr zu kriegen, dann.. muss auch mal die Frage erlaubt sein dürfen, ob man nicht mal ein wenig die Heizung runterregulieren könnte (Fußbodenheizung! Latenzzeit: 24 Stunden!) oder wenigstens mal das Fenster öffnen dürfte.
Zwei Paar Augen schauen dich etwas pikiert an: Wie jetzt? Du willst allen Ernstes bei Minusgraden das Fenster öffnen?
"Mädels... Ich kriege keine Luft mehr", greinte ich ein wenig, "aber was noch viel schlimmer ist: Mir zerläuft die Schokolade, weil ich sie so schnell gar nicht genießen kann!"
Außerdem bereute ich zutiefst, die Strickpullovervariante gewählt zu haben. Ausziehen ging aber leider auch nicht - hatte nur ein knappes Top drunter. Und ich sitze ja nicht NUR in diesem Büro. Beim Chef zwei Zimmer weiter friert man gerne auch mal im Strick - so wie hier zu Hause.
Kollegin II des Zimmers - wohlgemerkt: ihr Strick war noch dicker als meiner - wandte ein: "Findest du das zu warm? Was du nun wieder hast! Für mich könnte ruhig noch mehr."
Die andere schlug einen Kompromiss vor: "Über Mittag, wenn wir alle essen sind, machen wir mal das Fenster auf." Und bevor ich mich hätte freuen können: "Aber danach drehen wir die Heizung hoch!"
Unglaublich. 30 Grad im Büro, das ist doch nicht gesund. Erst recht nicht im Februar.
Wie soll man da arbeiten? Sich konzentrieren?
"Morgen komm ich im Bikini", beschloss ich. "Und meinen Kaffee lasse ich ab jetzt nur noch kalt werden, dann habe ich wenigstens sowas wie Eiskaffee."

Inzwischen sitze ich nun also wieder hier in meinem heimischen, latent unterkühlten Zimmerchen, einsam und allein an meinem Schreibtisch, genieße aber zugleich die himmlische Ruhe und vor allem, dass ich wieder atmen kann!
Glatt fühle ich mich erinnert an den Indien-Urlaub 2016: Wie bin ich da nach den 3 Wochen in Indien aus dem Flughafen München raus in die Eiseskälte gestürmt, nur um endlich mal wieder frische, klare, herrliche Luft atmen zu können! Und wie sehr habe ich DAS genossen! Ich! Ich, die nichts mehr liebt als Sommer, Sonne, Wärme, Licht und Farben! 30 Grad im Büro aber haben einfach nichts mehr mit Wärme zu tun, auch nichts mit tropischer Wärme. Da hilft auch deren überdimensionale Palme in der Ecke nix.

Montag, 19. Februar 2018

Vegetable Detectives oder: Dem Übeltäter auf der Spur

Meine kratzige Stimme aus Hessen hat früher öfter mal wohlwollend über mich gespottet, wenn ich im Dialog in irgendwelchen Zusammenhängen erwähnte, dass ich gerne ein gemütliches, ordentliches Zuhause habe (Er bezeichnete das gerne mal als waschechten Putzfimmel, hingegen denke ich ja: Wer einen echten Putzfimmel hat, der bekäme bei mir vermutlich eher Schnappatmung.) und dass sich auch mein Essverhalten in den letzten Jahren deutlich veränderte.
Manchmal denke ich mich in das Jahr 2002 zurück, in dem ich erstmals entdeckte, was ein Milchkaffee ist und dass mit einer Latte durchaus Kaffee gemeint sein kann.
Das Jahr, in dem ich die Stadt entdeckte, an deren Rand ich bereits seit 14 Jahren wohnte, wundervolle Ecken, Studentenkneipen, Nachtbars - und eben wirklich gutes Essen. Anderes Essen.
Fingerfood. Tapas. Bruschetta. Antipasti. Kapernbeeren. Italienisches Essen, französisches Essen - bis heute meine unangefochtenen Favoriten, auch wenn ich hier noch ganz viel Entdeckungsbedarf habe.
Ein Jahr später jedenfalls wohnte ich dann allein mit meinen Söhnen - und ganz langsam begann ich auszuprobieren: Wie schmeckt dies und jenes, wenn man es selbst und frisch zubereitet? Wie schmeckt gesundes Essen?
"Du Müsli!" spottete die Hessenkratze ein ums andere Mal - und ich lachte nur darüber.
Ich muss aber auch zugeben, dass ich diese Ideen und Inspirationen erst wirklich umzusetzen begann, nachdem ich mich halbwegs aus den finanziellen Sorgen herausgewühlt hatte. Also relativ spät während meiner Singlezeit. Da ist also noch ganz viel Luft nach oben zur Perfektion. Wobei... Nach Perfektion strebe ich gar nicht, nie, denn Perfektion finde ich gähnend langweilig.

Mit dem Kennenlernen von Herrn Blau entwickelte ich dann erst so richtig die Liebe zum Essen zubereiten, ich entdeckte, wie viel Spaß es machte, auszuprobieren, zu überraschen - und dass er manchmal nur tapfer nickte "Hm, ja, doch, ist gut." Ich hab nichts gegen ehrliche Aussagen, aber ich bin doch schon froh, dass bei mir noch nicht wie bei einem meiner Ex-Freunde der Ehemann wortlos aufstand und das Essen im Klosett versenkte.

Vor drei Wochen waren wir abends zu Gast bei Freunden des Mannes. Zum ersten Mal wagte ich mich an einen Flammkuchen heran, mit selbst angerührtem Hefeteig und so. Mit Hefe habe ich übrigens noch niemals experimentiert, aber ich hatte doch recht gehörigen Respekt davor.
Egal. Nur den Mutigen gehört die Welt, sagte ich mir und griff beherzt ins Regal und zur Hefe.
Es hatte auch alles super funktioniert - bis zu dem Moment, wo es hieß: "Verkneten Sie den Teig gut und rollen Sie ihn aus." Nun. Das, was mir aus der Schüssel mit einem Plopp! entgegensackte und sich leicht fließend auf dem bemehlten Brett ausbreitete, ließ sich ja nun nicht wirklich kneten und erst recht nicht ausrollen. Das war der Moment, wo mir erstmals kleine Schweißtröpfchen auf die Stirn gerieten: "Was, wenn ich DIESEN Versuch komplett versemmle und wir dann nix anderes haben als den Salat der Gastgeber?"
Was soll ich sagen: Der Flammkuchen gelang, wir hatten ein leckeres Abendmahl, ein Glas Wein dazu - und dazu eben jenen Salat, der mich faszinierte: Babyspinat, geraspelte Möhren und Äpfel, große knackige Heidelbeeren und gehackte Nüsse dazu. Ich erlaubte mir, zweimal davon zu nehmen, war ja auch genug da. Und die Gastgeber freut es schließlich, wenn aufgegessen wird. Loben kann man ja viel...
In der folgenden Nacht erwachte ich, geschüttelt von Magenkrämpfen, verbrachte ich eine geschlagene halbe, dreiviertel Stunde im Badezimmer, bis ich mir völlig sicher sein konnte: Da kommt jetzt nix mehr, egal aus welcher Öffnung.
Der Sonntag und der Montag waren gelaufen, ich fühlte mich wie im Würgegriff einer mittelschweren Grippe und erfuhr so nebenbei von einer Freundin, dass ihr und ihrem Kind es gerade ähnlich zu gehen schien. Jetzt fragt mich nicht, wo man sich anstecken kann, wenn man im Home Office arbeitet - aber irgendwo schien ichs doch mit aufgeschnappt zu haben.
Kaum erfolgreich genesen, beschlossen der Mann und ich beim nächsten Einkauf: Den Salat basteln wir uns nach - der war lecker!
Samstags eingekauft, montags zubereitet und genüßlich verspeist, mit Nachschlag, weil der Mann bereits satt war - und in der folgenden Nacht dasselbe Szenario: Magenkrämpfe, Badezimmer, ganze zwei Tage völlig außer Gefecht gesetzt und noch mal zwei, drei weitere Tage bis zur völligen Genesung.
"Mir gehts auch noch nicht so gut und der Kleinen auch grad nicht", vermeldete die Freundin und ich dachte noch so bei mir: "Was ist hier los im Staate, das is aber vielleicht mal hartnäckig, der Scheiß!"
Beinah quer durchs ganze Land häuften sich inzwischen die Meldungen von Freunden, Bekannten und aus der Familie: alles krank. Magen-Darm-Befindlichkeiten oder grobe Erkältung.
Also beschlossen wir: Wir müssen uns wappnen. Mit frischem Obst und Gemüse und - ich kanns langsam weder hören, geschweige denn schmecken: Ingwer. Ja verdammt, das ist schon gut. Aber ich tät schon auch ganz gerne mal wieder etwas genießen, das eben NICHT nach Ingwer brennt.
Also gab es vergangenen Samstag ein Smoothie unserer Wahl: Babyspinat, rote Bete, Äpfel, Mango - und der unvermeidliche Ingwer.
Ihr ahnt es, oder?
Genau. Es sah ja auch ein bisschen.. gewöhnungsbedürftig aus, das Ganze. "Wie Kacke in der Schüssel", grinste der Mann noch, als er servierte. Ich habe mir dennoch ein zweites Mal genommen.
Hätte ichs mal besser gelassen!
Wenn man nachts um drei Uhr schätzungsweise fünfundvierzig Minuten nicht aus dem Badezimmer wieder herauskommt, dann hat man dort nach den ersten Anfällen genug Zeit und Muße zu rekapitulieren: EY WAS GEHT HIER EIGENTLICH AB???
Also mit zittrigen Händen zum Telefon gegriffen und mal ein wenig gegoogelt und an folgender Aussage unter www.christine-knauf.de hängengeblieben: "Wussten Sie schon, dass Oxalsäure zu Befindlichkeitsstörungen oder schweren Erkrankungen führen kann?" Ähm. Ne. Ich wusste nicht mal, dass es Oxalsäure überhaupt gibt. Enthalten unter anderem in frischem Spinat und in roter Bete. A-ha!
"Diese Substanz ist für viele Personen völlig ungefährlich, bei entsprechender Disposition kann sie aber zu vielfältigen Beschwerden und Nierenerkrankungen führen." und "Die Aufnahme größerer Mengen kann auch zu heftigen Magen-Darm-Beschwerden führen."
Das war ja so klar.
Wie sagte einst doch der Kinderdoc? "Ich denke immer, alles bei Ihren Jungs ist das und das und kann ich so und so behandeln - und dann kommt alles IMMER ganz anders."
Nun. Sie werdens wohl von mir haben.
Da willste einmal gesund leben...
"Rauch lieber mal eine, du Müsli, und du wirst sehen, du bist so fit wie ich", hat die Hessenkratze immer geschmunzelt. Denke ich an meinen Vater und dessen fünffachen Bypass vor elf Jahren, dann glaube ich ihm eher nicht. Aber auffallend ist schon, dass die Hessenkratze immer gesund ist - und ich nicht!
Was übrigens die beste Therapie ist im aktuellen Fall? Na das wusste ich dann auch ohne www.
Den Anfall aushalten und in Zukunft die Zutaten meiden oder wenigstens vorher kochen.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Blöder Valentin

Es gab mal eine Zeit, da fand ich den Valentinstag schön. Einander zu zeigen, dass man sich liebt. So wie an Geburtstagen, an Weihnachten und hoffentlich dem ganzen sonstigen Jahr über auch.
Einen besonderen Tag extra auch für die Liebe zu haben, daran fand ich irgendwie nix Schlimmes. Vor allem deshalb nicht, weil die Liebe für mich immer noch zu den wenigen elementaren Dingen im Leben gehört.
Hübsche Wäsche anziehen, Kinokarten besorgen, eine gemeinsame Badewanne mit allem Drum & Dran, eine Rose ins Büro schicken lassen (und nicht wissen, dass der Mann genau ab dem 14. für drei Tage nicht dort sein wird - das arme Ding! Also die Rose! Drei Tage im Pappkarton, ohne Licht und das Wasser inzwischen... na ja.) - na ja, so Dinge halt. Nicht jedes Jahr dasselbe, e bissl Überraschungseffekt sollte schon noch sein. Aber...
Aber irgendwann wurde es mir irgendwie  zuviel: Kaum ein Medium, das einem nicht schon mindestens zwei Wochen zuvor auf inzwischen sehr penetrante Weise verdeutlichen wollte "Kauf mich! Denk dran - es ist der 14.!" Ich weiß nicht, aber irgendwie verlor es seinen Reiz für mich. Wenn ich etwas soll, dann mag ich es nicht mehr. Und je mehr ich etwas soll, desto weniger mag ich es. Etwas von sich selbst heraus zu wollen und dann den anderen überraschen, das finde ich dann doch sehr viel schöner.

Die letzten Monate waren ziemlich anstrengend für mich, beruflich und privat. Angespannt bis unter die Haarwurzeln, und dass das Jahr 2017 zuende ging, hat mich denn dann doch auch wirklich erleichtert. Schön für die, denen es anders ging - meins war trotzdem keins, das ich so bald wieder haben muss. Ich kann auch nicht sagen, dass der Januar besser wurde. Dennoch stellte ich fest: Der Januar war nicht gar so düster wie sonst. Normalerweise vermisse ich bereits im Januar den Sommer, vermisse die Wärme, die Sommerkleidchen, die Sandalen, die Sonne auf der Haut und den feinen Sand zwischen den Zehen, den Geruch von salzigem Wasser in der Nase und den Geschmack dessen auf meiner Zunge... Winter ist meine Sache nicht, kann ja auch nicht, ich bin ja ein Frühlingskind und werde wohl auch immer eins bleiben, nicht nur, weil ich in dieser Zeit auf diese Welt gekommen bin.
Gleichwohl - es ist Mitte Februar geworden und ich fühle mich immer noch so geduldig und ruhig: Alles hat seine Zeit, ich kann warten.
Vielleicht bin ich ja auch einfach nur zu müde, um angespannt zu sein, um mich aufzuregen, mich zu echauffieren, auf den Tisch zu hauen - was weiß ich. Fakt ist: In mir ist alles gerade ruhig. Sehr ruhig.
Und ich fühle mich.. anlehnungsbedürftig. Ziemlich sehr anlehnungsbedürftig sogar. Ich will zu Hause sein, in meinem Wohlfühlnest, ich will daran herumbauen und herumbasteln, ich will Wände anmalen und Möbel umstellen, ich will mich freuen können, wenn der Mann nach Hause kommt, ich brauche keine Blumen von ihm, aber ich möchte sehen, dass er... mich sieht.

Eine Geliebte, eine Frau in einer dauerhaften Beziehung und eine Ehefrau chatten regelmäßig miteinander.
Während eines 'Gesprächs' beschließen sie, ihre Männer zu überraschen und ihr Liebesleben aufzupeppen.
Sie kaufen alle drei eine schwarze Augenmaske, eine schwarze Ledercorsage zum Schnüren, schwarze Netzstrümpfe und schwarze Lackoverknee-Stiefel bei Beate Uhse ein und verabreden sich für den nächsten Termin.
Drei Wochen später ist es soweit. Sie chatten und berichten sich ihre Erfahrungen.

Zuerst die Geliebte:
Ich habe mir das Outfit angezogen, darüber nur einen Trenchcoat getragen, die Maske in der Manteltasche, dann bin ich in das Büro meines Geliebten, habe die Maske aufgesetzt und den Mantel zu Boden gleiten lassen. Er hat mich wortlos und ebenso hemmungslos auf dem Schreibtisch vernascht, wir hatten atemberaubend guten Sex und danach hat er mir seine Kreditkarte für eine Shopping-Tour überlassen!

Dann die Frau in der Langzeitbeziehung:
Mein Lebensgefährte kam abends nach Hause, er war total begeistert, wir haben uns wundervoll geliebt in dieser Nacht und bevor wir im Morgengrauen Arm in Arm eingeschlafen sind, hat er mir gesagt, wie sehr er mich liebt und mir dann einen Heiratsantrag gemacht !

Darauf die Ehefrau:
Nimm den Antrag bloß nicht an! Ich habe die Wohnung auf Hochglanz geputzt, die Kinder zu meiner Mutter verfrachtet, das Outfit angelegt und auf ihn gewartet. Er kam heim, holte ein Bier aus dem Kühlschrank, schaltete den Fernseher an und brüllte dabei über die Schulter in die Küche :
"Hey Batman, was gibt's zu Essen !?"


Nun ja. Wir sind zwar nicht verheiratet, aber offensichtlich über die Langzeitbeziehung auch schon weit hinaus.

Blöder Valentin.


Donnerstag, 8. Februar 2018

28



28 Jahre.
Ich kann noch gar nicht glauben, dass Du 28 Jahre geworden bist, wenn Du heute Morgen Deine Augen öffnest und ganz verschlafen schaust, ob vielleicht das Frühstück schon fertig sein könnte.
Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich Deine Mama bin, wenn ich in den Spiegel schau. Denn eigentlich... fühl ich mich kaum älter als Du es jetzt bist - und wenn ich an Dich denke, dann sehe ich Dich vor mir, wie Du als kleiner Junge warst, mit hellen Haaren, einem verschmitzten Blick und dieser unfassbaren Neugier. Alles wolltest Du wissen, alles wolltest Du erkunden und auf alles wolltest Du immer eine Antwort haben. Keine, die so dahergeredet wurde. Du wusstest genau, ob man Dir zuhörte oder nicht. Und diese unglaublich feinen, sensiblen Wahrnehmungen hast Du Dir bis heute bewahrt, vielleicht sogar noch einmal mehr verfeinert.
Doch heute versteckst Du Dein Wesen hinter einem zurückgezogenen Ich, das viel allein ist, viel zu viel allein für mein Empfinden. Eine Kostbarkeit, ein Diamant irgendwo zwischen all den Kieselsteinen, verborgen und irgendwie doch.. nicht zu übersehen..
Manchmal denke ich.. ich habe Dich lange, sehr lange mit mir herumgetragen und wenn ich mir heute wünschte, Dich in andere Hände legen zu wollen, dann nicht, weil Du mir zuviel geworden wärst. Das kannst Du gar nicht, das kannst Du nie niemals - aber ich weiß auch, dass es noch sehr viel mehr in Deinem Leben braucht als Du in diesem Moment bei Dir hast. Ich weiß, dass Du mich liebst, und ebenso weiß ich, dass Du zu Deinem Glück noch etwas anderes brauchst.
Das wünsche ich Dir so sehr, das wünsche ich Dir von ganzem Herzen - nicht nur heute, jetzt und hier, wo Du, Dein Bruder und ich gemeinsam feiern, dass Du da bist, dass Du bei uns bist, dass wir Dich haben.
Heute wirkst Du von außen manchmal unbeteiligt, manchmal ruppig, manchmal sehr in Dich gekehrt, und wenn man dies beklagt, dann denke ich immer.. dass es so leicht ist, viel zu leicht, eine Nuss zu knacken, die eh schon halb geöffnet ist. Und dann denke ich wieder, dass es eigentlich.. so einfach ist, Dich für sich einzunehmen. Solange man es ehrlich mit Dir meint. Solange man Dich ernst nimmt. Solange man DICH sieht. Und wenn man auf Dich zugeht - denn um das zu tun, bist Du selbst viel zu schüchtern.

Manchmal wünschte ich, Du würdest wenigstens weniger rauchen, wenn Du es schon nicht ganz sein lassen kannst.
Manchmal wünschte ich, Du würdest viel mehr auf Dich achtgeben, indem Du frühstückst oder wenigstens über den Tag etwas zu Dir nimmst, wenn Du Tage zu Hause verbringst. Nicht mit nackten Füßen auf die Terrasse gehst zum Rauchen, während die Minusgrade klirrend über die Haut kriechen und die Härchen aufrichten lassen. Dass Du es nicht nur versprichst, sondern auch tust.
Manchmal schmunzel ich nur, wenn ich hier bei Euch ankomme, meine Tasche abstelle, Dir durch das kurze Haar wusele und Dir einen Kuss auf das Haar gebe und Du Dich beklagst: "Jetzt geht DAS wieder los!"
Manchmal tut mir weh, wenn Du Dich inmitten einer Gruppe von Menschen mehr allein fühlst als an Tagen, die Du wirklich allein verbringst.
Manchmal tut mir weh, wenn Du über Deine Wünsche und Träume sprichst und zugleich hinzufügst: "Na ja aber wer weiß, ob das je mal was wird."
Manchmal tut mir weh, wie wenig Du an Dich glaubst und wie viel Zuversicht Du trotz alledem besitzt.
Du gibst nicht auf, das hast Du niemals - aber mir wird beklommen in der Seele, wenn Du sagst "Du kennst mich, eigentlich bin ich Optimist. Aber manchmal fällt es sogar mir schwer, optimistisch zu bleiben."
Dann sprechen wir manchmal ewig lang miteinander oder schauen Deine Lieblingsserie, deren Dialoge Du bereits im Vorfeld fehlerfrei wiedergeben kannst und worüber wir dann lachen - oder hören uns stundenlang durch die Musik, laden die Songs, die Du in Deinen Ohren haben möchtest, wenn Du stundenlang durch die Straßen oder hinunter zum und um den See läufst, egal, ob tags oder abends, sommers oder winters.
Du kommst zur Ruhe, wenn Du laufen kannst, Du findest Ruhe, wenn Du Deine Musik dabei hast - und darin bist Du mir so ähnlich: in der Liebe zur Musik, in dem Glauben daran, dass vielleicht doch eines Tages alles gut wird und in der unerschütterlichen Kraft, immer wieder neu aufzustehen, weiterzugehen, an das Gute zu glauben und irgendwie darauf zu vertrauen. Du malst so gerne wie ich, auch wenn Du es seit Ewigkeiten leider nicht mehr getan hast. Bücher sind Dir zu aufwendig, aber Sportzeitschriften liest Du so intensiv, dass Du hernach beinah alles auswendig kennst.
Dein Wissen über Fußball überrascht selbst eingefleischte Fans wie Deinen Opa.
Wenn Du nur mehr an Dich selbst glauben könntest... Mehr denn je möchte ich alles dafür geben, DIR selbst zu vertrauen. Auf das zu vertrauen, das in Dir liegt. Du Mensch mit dem Herz aus Gold, wie Dein Bruder immer von Dir sagt. Denn dann kannst Du alles erreichen, alles, was Du möchtest. Lass Dich niemals beirren, lass Dich niemals zerreden, lass Dich niemals zerbrechen. Vertraue Dir, denn Du hast ein wahnsinnig gutes Gespür für Menschen und Situationen. Ich weiß, dass Du Deinen Weg finden wirst. Alles in Deinem Leben hat etwas länger gedauert, um zu werden. Aber es ist geworden. Lass Dir nie niemals einreden, dass etwas nicht geht. Wende Dich den Menschen zu, die an Dich glauben und die Dir sagen "Was willst du tun, was willst du erreichen? Was kann ich dazu tun?"
Weil jeder Mensch jemanden braucht, der bedingungslos an einen glaubt..

Ich liebe an Dir, dass Du Dich nie beklagst, niemals jammerst und Dich auch nicht verbiegst. Wenn Du Unrecht spürst, lässt Du Dich nicht darauf ein - und Unrecht ist das, was Dich richtig wütend machen kann. Dann vergisst Du alles - aber niemals Deine Loyalität. Wer Dich zum Freund hat, der hat Dich sein ganzes Leben lang, egal, was andere sagen. Ob das immer so gut ist, weiß ich allerdings nicht so genau ;) Wer Dich hingegen enttäuscht, das vergisst Du niemals. Du kannst verzeihen, aber nicht vergessen.
Du besitzt ein fotografisches Gedächtnis, aber Dinge, die Dich nicht interessieren, entfallen Dir hingegen sofort. Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie oft wir alles mögliche gesucht haben: Schlüssel, Portemonnaie, selbst die EC-Karte etc. Erst gestern Abend wieder und ich verstand Deine Seelenruhe nicht, mit der Du Dich entspannt aufs Bett warfst "Ach ich suche jetzt nicht."
"Du musst doch wenigstens nachgucken, wo dein Schlüssel ist?? Du hast schon mal einen verloren."
"Ich bin ja reingekommen, also muss er mindestens in der Wohnung sein."
So sehr ich Entspanntheit liebe - manchmal machste mich auch irre damit ;)
Vielleicht hätte ich Dir doch zum Geburtstag das T-Shirt kaufen sollen, auf dem steht "Ich bin nichts für schwache Nerven"?
Dann lachst Du - und ich liebe Dein wundervolles Lachen, das meine Seele zum Klingen bringt und das so wunderbar herzlich sein kann mit diesen tiefen Grübchen rechts und links.
Ich wünsche Dir ein Jahr, in dem wir wieder sehr viel öfter dieses Lachen sehen können.
Ich wünsche Dir DEIN Jahr.
Greif nach Deinen Sternen!

Alles Liebe zum Geburtstag.
Von Herzen, Deine Mama

Mittwoch, 31. Januar 2018

Erkenntnisse

So langsam dämmert mir, warum für ein Back oder auch Front Office am liebsten Studierte gesucht werden. Man kann ihnen genau die aufwendigen, diffizilen Aufgaben übertragen, an denen man mitunter bis in die späten Abendstunden sitzt und sich das Haar rauft und zu denen die Projektverantwortlichen keine Lust haben (jawohl, keine LUST!), gepflegt und pünktlich nach Hause gehen und sich den Bauch streicheln, der zeitgleich voller Bier läuft.
Und das alles zu einem wesentlich günstigeren Preis!

Ich kann mich ja in so einiges reindenken, aber verdammt, Technik habe ich nicht studiert! Da hilft auch eine Gehaltserhöhung nix!

Wenigstens habe ich heute wieder etwas über Excel gelernt. Auch gut. Immerhin.