Mittwoch, 10. Januar 2018

Öffne deine Augen



"Ein Klartraum, auch luzider Traum [...] ist ein Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt." (Wikipedia)

So weit ich mich zurückerinnern kann, träume ich. Tags und Nachts. Tags kann ich die Augen schließen und mich ganz woanders hindenken, hinfühlen. Manchmal so sehr, dass ich glaubte, wenn ich jetzt die Augen öffnete, wäre ich genau dort. Ich müsste nur die Hände ausstrecken und berühren.
Ich weiß, das sind Tagträume, und ich bin froh darum, dass ich sie immer noch habe.
Manchmal sind es einfach meine kleinen Inseln im Alltag, wenn ich das Gefühl habe, dass mir alles zuviel wird..
Die Nachtträume.. Manchmal weiß ich sie schon nicht mehr, kaum dass ich die Augen geöffnet habe. Manchmal sind sie so eindringlich, dass ich mir selber im Traum zuflüstere "Du träumst nur, es ist nur ein Traum. Öffne deine Augen, mach deine Augen auf, dann ist alles vorbei" und dann öffne ich meine Augen und fühle den Herzschlag beinah bis in die Haarspitzen.. Dann starre ich in die Nacht und versuche mich zu orientieren: "Ich bin hier, ich bin sicher, es ist alles gut." Lenke die Gedanken beinah krampfhaft auf irgendetwas anderes oder stehe auf und hole mir ein Glas Wasser, um nur ja nicht diesen einen Traum fortzusetzen, nicht weiterzuträumen. Was dennoch manches Mal geschieht.

Und ich erinnere mich an jenen Traum, den ich bis heute nicht vergessen kann - auch wenn er inzwischen glücklicherweise etwas verblasst ist. Mein erster und einziger Traum, in dem mir nicht bewusst war, dass ich träume. Der mir umso bedrohlicher erschien, eben weil er derart real wirkte, dass ich glaubte, das Geschehen sei auch real. Dass ich glaubte, mir passiert das alles gerade wirklich.

In den letzten Rauhnächten träumte ich sehr viel, sehr intensiv - und ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viel der Kopf wieder heraufzuholen vermag, wenn Körper und Seele etwas zur Ruhe gefunden haben. Vielleicht habe ich es nie wirklich versucht, aber es ist mir nicht gelungen, meine Träume positiv zu stimmen. So wie ich sie gerne gesehen hätte.
Alles war unglaublich wirr und scheinbar zusammenhanglos, beängstigend und bedrückend - anders als diese Tage - und ich vermochte mir aber auch einfach nicht zu sagen "Öffne deine Augen!"
Umso mehr habe ich die Spaziergänge am Meer genossen. Frei fühlen. Frei sein. Da sein.

Wonach ich heute suchte, weiß ich gar nicht mehr. Aber irgendwann kam ich zu diesem Song und diesem Video. Und so spontan, wie ich meinen Sohn und seinen Vater haargenau darin sah, so spontan sprangen mir die Tränen in die Augen. So wäre es gekommen, wenn.
Ich bin aber nicht gestorben. Ich bin da und ich bleibe da. So wie er heute bei mir ist und nicht mehr woanders. Das ist es, was zählt. Auch dann, wenn es manches Mal das Träumen war, ist und sein wird, das uns rettet. Man muss träumen können. Um dann die Augen zu öffnen und weiterzumachen.

Kommentare:

Anna hat gesagt…

Dein Post macht mich nachdenklich. Seit kurzem beschäftige ich mich intensiver damit, warum Visualisierungsübungen bei mir einfach nichts bringen. Vermutlich, weil ich die Bilder einfach nicht sehe. Nicht sehen kann. Ich kann mich wegträumen und irgendwo hindenken, aber ich sehe nichts (also kann ich zum Einschlafen auch keine Schäfchen zählen) und es ist eine reine Kopfgeburt. Was der Intensität und Farbigkeit meiner Nachtträume übrigens nichts anhaben kann.^^ Gestern wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass und wie ich diese "Blindheit" kompensiere. Berührungen, Gerüche, Bilder/Fotos, sehr lebhafte Phantasie. Und irgendwie bin ich gerade froh, dass durch meinen Kopf nur verschiedenste Gedanken wuseln und nicht noch die entsprechenden Bilder dazu... das würde mir ja die Beine weghauen. ;D Deinen letzten Satz unterschreibe ich allerdings voll und ganz. Man muss träumen (sich wegphantasieren) können. Um dann die Augen zu öffnen und weiterzumachen.

Herr MiM hat gesagt…

Ich wünschte, ich würde überhaupt mal wieder Träumen. Oder zumindest mich daran erinnern, dass ich geträumt habe.

Nelly aus Sachsen hat gesagt…

Ich träumte vor Jahren, ich würde mit dem Auto eine Klippe runter stürzen. Kurz vor dem Aufschlag bin ich aufgewacht. Ich erinnere mich bis heute an den Traum :-(

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Schäfchen zählen klappt bei mir auch nicht, Anna. Ich würde gedanklich dauernd abschweifen, durcheinander kommen und spätestens beim zehnten Neuversuch aggressiv in die Luft strampeln. Geduld ist nicht unbedingt mein zweiter Vorname ;) :D

Sie meinen jetzt die Nachtträume, Herr MiM? Manchmal wünschte ich schon, ich hätte keine.

Nelly, das ist gruselig. Für mich doppelt, weil ich auch im Wachzustand Angst vor Höhe und dem entsprechenden Fall habe.