Donnerstag, 2. November 2017

Sometimes we forget to liv ... cause it hurts to liv



Als ich Freitag Nacht nach Hause zurückkehrte, erschienen mir die anschließenden fünf freien Tage als ein unermesslicher Reichtum, ein Reichtum an unendlich vielen Möglichkeiten, was man an diesen freien Tagen alles tun könnte..
Malen. Musik hören. Schreiben. In der Sonne spazieren. In Cafes eine Tasse Kaffee trinken. Menschen zusehen. Erzählen.
Die Wahrheit ist, dass ich nichts von all dem gemacht habe. Weil ich nichts von all dem tun konnte.
Jeden Samstag besuche ich inzwischen die kleinen, freundlichen Thai-Frauen, die kaum mehr als "Wenn weh tut, sagen" sagen können und mir eher mit Händen und Füßen erklären, was ihre kleinen, zarten, aber unfassbar kraftvollen Finger ertasten.
"Ihr Problem die Sehne!"
Sie bestätigt damit etwas, das ich schon sehr lange im Gefühl habe - ob der Schmerz"bahn" in meinem Körper.
Jeden Samstag verließ ich diese kleinen freundlichen Thai-Frauen - und zumeist fühlte ich mich besser. Beweglicher. Gelöster.
Bis zum letzten Samstag.
Schon die Behandlung selbst empfand ich dieses Mal als sehr, sehr schmerzhaft - und ich fühlte auf den Punkt genau, wo eine weitere Blockade festhing und sich partout auch nicht lösen ließ.
In der darauffolgenden Nacht quälte mich der Schmerz derart, dass ich in meiner Verzweiflung entgegen meiner Gewohnheit Schmerztabletten nahm, mich in das aufgewärmte Bett legte - und heimlich weinte wie ein Kind. Zusammengerollt wie ein Kind, mutlos auch, denn auch wenn der Kopf weiß, dass man zumindest nicht daran kaputtgehen kann, so fragt man sich, wie man (über)leben kann, wenn es so sehr weh tun kann zu leben..
Bis heute ist das Schmerzlevel wieder auf ein halbwegs erträgliches Maß gerutscht, hat der Mann heute auch die Blockade mit einem beherzten Griff gelöst, schüttelt besorgt den Kopf ob der Menge an Schmerzmitteln, die ich derzeit nun doch mit etwas Verwunderung darüber wähle, dass sie zum allerersten Mal seit dreizehn Jahren tatsächlich eine Linderung bewirken.

Am Wochenende, das ich eigentlich mit malen, Kaffee trinken in der Sonne und überhaupt einfach nur Genießen verbringen wollte, lese ich vieles über diese Form von Schmerz, mögliche Ursachen, mögliche Behandlungsmethoden, Verhaltensweisen, die einem den Alltag leichter machen sollen - und lese, dass diese Form von Schmerz meist für immer bleibt...
Dann lasse ich das iPad sinken und starre vor mich hin. Es werden schmerzlose Phasen beschrieben, die ich aber nicht habe. Die ich nie hatte in all den dreizehn Jahren.
Und so soll es jetzt bleiben.. Tatsächlich?
Früher war mein erklärtes Ziel, einhundertundvier Jahre alt zu werden.
Jedoch wenn es so weh tut zu leben... dann weiß ich nicht, ob ich das wirklich immer noch möchte. Wie lange ich das aushalten möchte, so zu leben.
Mein Leben hindert mich nicht, optimistisch zu sein.
Aber es hindert mich auch nicht, realistisch zu sein.

Kommentare:

gretel hat gesagt…

Mir tut das so leid. Nicht so extrem wie bei dir, aber in Ansätzen kenne ich das von meinem Mann. Auch das mit den Schmerzmitteln, den Phasen der Überdosierung, dann wieder entwöhnen und der unterschiedlichen Wirkung...
Ich glaube, ich könnte nicht aufhören, immer wieder nach Lösungen zu suchen - vielleicht kommt doch mal der eine Tipp, der eine Arzt...
Ein gutes Wochenende wünsche ich dir und lieben Gruß

Anna hat gesagt…

Und manchmal (eigentlich ziemlich oft) würde ich mir wünschen, dass das Leben ein Film wäre. Dann käme jetzt eine gute Fee, die dich einfach in den Arm nimmt und wenn sie geht, nimmt sie die Schmerzen einfach mit.

Hilft dir auch nicht weiter, diese Gedankenspinnerei... ich weiß... :/