Donnerstag, 29. September 2016

Die fröhliche schwarzbunte Kuh



"Lange Zeit wusste ich überhaupt nichts von den ungeschriebenen Regeln, die das Zusammenleben der Menschen hat. Meine sonnenblumige Meinung war immer:" Ich bin nett und will nur dein Bestes, also bist du auch so. Alle Menschen sind so, das kann gar nicht anders sein!" Sollte ich ein Bild von diesem "Ur-Ich" malen, wäre es wohl die fröhliche schwarzbunte Kuh mit dem Blümchen im Maul." 
           Quelle: http://pyrgus.blogspot.de/2016/09/letztendlich.html
 
"Ich bin nicht die Sozialstation!"
"Das ist mir bewusst. Du bist Kaufmann, ich aber bin sozial orientiert."
"Willst du mir damit sagen, dass ich ein Kapitalistenschwein bin?"
"Ich will damit sagen, dass du Kaufmann bist und mit mir keinen Blumentopf gewinnen kannst. Weil ich andere Prinzipien vertrete.
"
"Drohst du mir jetzt etwa?"
„Ich dachte, wir unterhalten uns.“


Sonntag, 25. September 2016

Proof of Life

Ich glaube, ich habe mich noch nie so wortlos gefühlt wie in den letzten Wochen. Das ist so ein ganz merkwürdiges Gefühl - im Kopf geht so vieles durcheinander, so viele Gedanken und Worte, es gäbe so viel zu sagen und zugleich lässt es sich doch nicht fassen, nicht greifen, nicht ordnen.
Und dann, wenn der Kreisel im Kopf zur Ruhe findet, dann drehe ich die Musik auf und alles das, was ich möglicherweise noch sagen wollte, verblasst und verliert sich im Nichts.

Für Eure Kommentare, Eure Worte bin ich Euch unglaublich dankbar, und ich dachte, es wird auch mal Zeit, Euch wenigsten das mal zu sagen. Und Euch für Eure Treue zu danken!!

Wir sind noch keinen wirklichen Schritt vorangekommen, und während mir bewusst ist, dass Dinge, die sich über Jahre hinweg entwickelt haben, nicht innerhalb eines halben Jahres wegdefiniert und aufgelöst werden können, bin ich (zu) müde geworden, es immer und immer wieder zu erklären.
Zu kämpfen für Dinge, die man letztlich doch nicht in der Hand hat.
Einzustehen für Menschen, die einfach nichts "mitnehmen".

Ein starker Mensch wird zunächst immer für sich selbst eintreten können. Für sich selbst kämpfen können.
Mein Credo war und ist es, dem schwachen Menschen auf die Beine zu helfen, ihm einen Raum und eine Stimme zu geben - und die Möglichkeit, seinen Weg zu finden und zu gehen.
Es hilft auch nichts, den Umstand zu bejammern und zu beklagen, dass die breite Gesellschaft nicht dafür gemacht ist, den Schwachen aufzufangen. Die breite Gesellschaft sind sehr viele, aber es sind nicht alle. Dann gilt es, die Nadel im Heuhaufen zu finden.

Wer war ich? Wer bin ich?
Sehr viel mehr als sonst habe ich in den vergangenen 3 Monaten Fragen über Fragen in meinem Kopf und im Dialog mit anderen gewälzt.
Natürlich war ich noch vor 15 Jahren ein anderer Mensch. In meiner Grundstimmung ein ausgeglichener Mensch. Gerne fröhlich. Gerne unbekümmert. Zumeist unbedarft auch.
Ich denke, dass meine Grundstimmung heute nicht unbedingt eine andere ist. Aber ich reagiere wie jeder andere Mensch auf Einflüsse, auf das, was mich umgibt bzw. auf das, mit dem ich mich umgebe.
Dass ich nicht erwarten kann, dass Menschen meine Einstellung zum Leben und zum Miteinander teilen, ist mir völlig bewusst. Insofern überrascht es mich auch nicht, wenn ich Respekt, Toleranz und Verständnis anderen gegenüber vermisse - aber es erwischt mich immer wieder eiskalt.
Und dann frage ich mich: "Will ich wirklich dazugehören?"
Vor vier Tagen wurde ich gefragt, wie es mir geht, und weil es mir nicht möglich war, das alles in eine whatsapp zu verpacken, verschickte ich eine Sprachnachricht. Anfangs sprach ich sehr ruhig und müde, glaube ich, und endete ungewollt sehr emotional.
Ich weiß, dass ich die Gesellschaft nicht ändern kann. Das ist weder mein Ziel, noch meine Aufgabe - mal abgesehen davon, dass meine Wertvorstellungen ja auch nicht die richtigen sein müssen. Ich sie anderen also auch nicht aufzwingen kann oder darf.
Was ich aber kann und was ich auch darf: Mich selber fragen, bis wohin ich mitgehen möchte.
Und darüber selbst zu entscheiden, ob hier lang oder dort lang.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Meistens. Ein Gewohnheitstier, dem größere Veränderungen Angst machen. Angst vor dem Unbekannten. Angst vor dem Ungewissen.
Als mir vor über 14 Jahren ein Jobangebot unterbreitet wurde, interessierten mich weder Zahlen noch Fakten und ich hatte gehörigen Respekt vor dem Neuen. Dennoch war die Überlegensphase sehr kurz: Ich wollte raus aus dem bisherigen Leben. Ich wollte was Neues sehen, lernen, erfahren. Raus aus einem Trott. Mein damaliger Ehemann meinte "Mach das nicht, da fährst du dreimal so lange und verdienst aber keinen Cent mehr." Und der andere Mann damals meinte: "Warum nicht? Willst du es? Dann mach es doch."
Und ich sprang.
Bis heute weiß ich, dass es das Beste war, das ich je getan hatte und das mir je angetragen worden war.
Bis heute ist mir klar geworden:
Jeder sollte jemanden haben, der bedingungslos an einen glaubt.
Damit man springt. Damit man wagt. So oft hat das Leben gezeigt, dass sich für jede Tür, die sich schließt, eine neue öffnet.

Seit 2 Tagen kenne ich eine weitere Diagnose meines Sohnes. Ich habe mich darüber belesen und bin von beiden dazu "eingeladen", dazu mit der behandelnden Ärztin zu sprechen.
Momentan bin ich bestärkt in dem, was ich all die Monate, all die ganze Zeit über dachte und fühlte: dass er Rückhalt braucht, Verständnis - und Zeit. Dass ich für ihn da bin, mich selbst aber nicht aufgeben darf. Dass ich ab und zu auch an mich denken darf und ihn trotzdem nicht vernachlässige. Dass er nicht an die Hand genommen werden muss. Dass ihm vor allem eins fehlt: Anerkennung. Akzeptanz.
So oft dachte ich in den letzten Wochen an die Worte meiner Therapeutin vor 7 Jahren: "Der Mensch neigt immer dazu, auf das zu schauen, was er nicht hat und was er nicht kann. Anstatt sich auf das zu konzentrieren, was gut ist, was er kann und was positiv ist."

Die vergangenen Wochen haben mir auch gezeigt: Ich muss auch mehr mit mir arbeiten, für mich arbeiten. Traumatherapie, hat der Osteopath vor etwa zehn Tagen angeraten, dem in seiner Praxis zu viele Patienten begegnen, die unnötig mit Wunden und Narben in ihrem Leben kämpfen und trotzdem nicht vorankommen. Dass man lösungsorientiert agieren muss. "Ich glaube, ich kann Ihnen wohl doch nicht helfen", sagte er, der anfangs so euphorisch an mein Schmerzproblem herangegangen war.

Ich weiß nicht, ob es vermessen ist oder gar falsch, wenn ich schon glaube, dass ich lösungsorientiert arbeite. Mit mir, mit meinem Sohn. Was war, kann ich nicht mehr ändern, so sehr mich das auch quält - und möglicherweise könnten wir aber heute mehr tun. Nur möglicherweise anderes als bisher. Die Energie in die richtigen Richtungen kanalisieren. Das gilt es noch herauszufinden.
Weil mir eins klar geworden ist: Wirklich frei fühlen kann ich mich erst, wenn es meinem Sohn wieder gut geht.
Freitagabend haben wir zu dritt beim Italiener gesessen, Sohnemann, ich und noch jemand. Und ich sehe sie noch vor mir, wie sie die Serviette sorgsam faltete, darauf starrte und sagte: "Man kann alles im Leben überstehen, egal wie schwer es ist. Nur eins nicht: wenn man sein eigenes Kind verliert."
Ich habe sie angestarrt, weil das eigentlich immer meine Worte waren, meine Gedanken, die sie nicht kannte.

"We move forward" - mit diesem Titel hatte ich mich im Juni zunächst verabschiedet.
Wenn Ihr mich also heute fragt, kann ich nur sagen, dass wir noch nicht wesentlich weitergekommen sind. Weil man in manchen Dingen mit dem Brecheisen auch nicht weiterkommen kann.
Aber ich kann zumindest sagen: Alles ist in Bewegung geraten. Mehr denn je.

Montag, 27. Juni 2016

Ist wahrscheinlich nicht ganz unerwartet...




In meiner Singlezeit habe ich mir immer einen Partner gewünscht, einen mit Herz und Hirn, mit Gefühl und Verstand. Und dann habe ich mich immer gewundert, dass den sensiblen Menschen unter ihnen die Haut meistenteils zu dünn war für das reale Leben. Ach was gewundert - ich habe es oft verflucht.

...irgendwann ist mir klar geworden: Meine eigene Haut ist ja selbst nicht viel dicker, im Gegenteil.

Ich schließ hier mal für eine Weile die Tür ab. Kann sein, das Schloss staubt ein, kann sein, ich bin bald wieder hier. Doch für den Moment brauch ich meine Energie für Wege in meinem realen Leben, von denen ich ausprobiere, austeste, auch für mich selbst, und um Dinge zu bewältigen, die ich mir so auch nicht vorgestellt hatte. Für mich und meine Familie.

Dann und wann werde ich weiter hier mitlesen, auch kommentieren, wenn mir der Sinn danach steht oder das aktuelle Thema zu mir passt.

...es wäre schön, wenn Ihr mich nicht vergesst. Und wenn doch - dann ist es eben auch das reale Leben.

Ich wünsch Euch was, ganz wirklich.
Es ist ja letztlich fast egal, wohin der Weg führt. Er führt ja allermeistens doch nach vorne. Jedenfalls ich glaube daran.

Samstag, 18. Juni 2016

When Life Sucks



Es ist Samstag. Ich bügle, der Mann macht Ordnung im Badezimmer.
Der Mann sagt: "Du hast meine Sportsachen ja doch gewaschen!"
Ich sage: "Natürlich. Ich hab ja auch nix anderes behauptet. Die haben gestunken."
Der Mann sagt: "Waaaasss? Die riechen höchstens nach Kraft, Energie und Anstrengung."
Ich so: "Sag ich doch: Die haben gestunken."
In der Konsequenz bewerfen wir uns begeistert mit den Badeentchen und ich bin so dankbar für diese Momente, die das Kind in uns herauslassen und uns ablenken von allem anderen.



Meine Freundin schrieb: "Nimm Anteil, aber teile nicht alles!! Ich drück dich!!"
Goldi schrieb: "Aber dennoch achte bitte auf Dich :*"

Nachrichten aus der eigenen Familie und aus einer Familie, die ich ziemlich gut kenne, die den Boden unter mir wegbrechen ließen. Den ich dieser Tage wieder Stück für Stück zusammensetze.
Und unendlich dankbar bin für den Mann an meiner Seite, der nicht viel fragt und nicht viel sagt - und mich dennoch versteht.
Unendlich dankbar bin für Menschen nah bei mir.

When Life Sucks... it's good to having Friends!

Mittwoch, 15. Juni 2016

Mein persönlicher Facebook-Fail des Tages



Ansonsten bin ich immer wieder verwirrt über die diversen Freundschaftsvermittlungen, die mir Facebook selber vorschlägt.
Ich hab die Leute nie gesehen!
Ich kenne die überhaupt nicht!
Ich kenne nicht mal ihren Namen!
Sehe ich echt so verzweifelt aus?
Früher wurde man wegen Kupplerei aufm Scheiterhaufen verbrannt! Oder wenigstens eingesperrt. Nee also nee. :)

"When You Run Away, You Can Go Anywhere"






Dienstag, 14. Juni 2016

Tief verankert

Ich wusste, ich hatte heute Morgen einen Termin. Ich hatte mir das Datum gemerkt, jedoch nicht die Uhrzeit. Und mir diese blöderweise auch nicht notiert.
Ich empfinde es immer wieder als irre, dass in unserem Bewusstsein Dinge gespeichert sind, die so viele Jahre zurückliegen und wir haben dennoch den exakten Wortlaut im Kopf. Aber ein Datum von jetzt auf nachher zum Beispiel entfällt in mein persönliches Bermudadreieck...

Während der Wartezeit habe ich gelesen. Nachrichten, Blogs.
Ich habe gelesen vom Wunsch, Erinnerungen löschen zu können. Erinnerungen an Erfahrungen im Leben, die so viele Jahre zurück liegen - und trotzdem präsent bleiben.
Ob die Aussage, dass die Wissenschaft daran arbeite, gewisse Bereiche im Hirn, die für die Erinnerungen zuständig sind, so zu bearbeiten, dass man gewisse Erinnerungen löschen könne, eher zynisch gemeint war oder der Tatsache entspricht, kann ich jetzt nicht sagen.

Es erinnerte mich an jene Sitzung in der Schmerzklinik, in der die Ärztin zu mir sagte: "Es ist noch niemals in der Medizin gelungen, das Schmerzgedächtnis zu löschen. Man arbeitet daran, aber gelungen ist das noch niemals."
"Aber wozu bin ich dann hergekommen? Ich bin doch hergekommen, damit ich den Schmerz endlich loswerde."
"Das ist nicht das Ziel."
"Was ist dann das Ziel?"
"Dass Sie lernen, damit zu leben."
Ich wollte aufstehen und gehen. Ich wollte nicht akzeptieren und nicht hinnehmen. Ich wollte kämpfen und beweisen, dass ich es könnte.

Ich bin nicht aufgestanden und nicht gegangen.
Aber ich habe gekämpft - und verloren. Weil es mir nicht gelungen ist.
Nach wie vor lebe ich mit Schmerz in meinem linken Körper, aber ich habe mich in all den elf Jahren daran gewöhnt.
Er ist da und ich habe es akzeptiert.
Oder habe ich kapituliert?
Hätte ich mir gewünscht, einen Punkt in meinem Hirn zu finden, den man so bearbeiten kann, dass der Schmerz sich auflöste? Nicht mehr da wäre? Weil ich nicht mehr weiß, wie das ist, schmerzfrei zu leben, und mich aber erinnere, dass das wesentlich unbelasteter war?
Gibt es einen Punkt in meinem Hirn, der sich (und mich) an etwas erinnert, das längst vergangen ist?
Kann man diesen Punkt finden, selektieren, dezimieren?
Was macht das dann mit mir? Bin ich dann noch ich oder doch jemand anderes, weil man vielleicht... zuviel dezimierte?
Meine Mum hat geweint am Telefon, als man mir Medikamente verabreichte, unter denen ich echte Wortfindungsstörungen entwickelte und ein Gespräch völlig unmöglich wurde.
Das war im Sommer 2005 und der Moment, in dem ich beschloss, meinen Verstand zu retten.
Möchte ich meinen Kopf, mein Hirn "manipulieren" lassen, nur damit es nicht mehr schmerzt?
Damit der Körper nicht mehr schmerzt?
Damit die Seele nicht mehr schmerzt?
Haben mich im Gegenzug die Erinnerungen manipuliert?
Meinen Körper?
Meine Seele?
Welchen Preis wäre ich bereit zu zahlen, um wieder so sorglos und unbeschwert zu sein?
Ich weiß, dass jegliche Medikamente zentral wirken, also im Hirn. Dass jedes Medikament ein bestimmtes Areal im Hirn anspricht, damit ich mich besser fühle.
Ich nehme trotzdem keine, weil sie eh nicht helfen, und weil ich aber auch nie ein Zombie werden wollte.
Ich wollte ich selber bleiben - und heute frage ich mich: Wer bin ich denn überhaupt?

Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht so genau. Ich lache, ich lebe und ich liebe immer noch so gern wie früher - aber es ist trotzdem anders.
Die meisten Menschen ertrage ich nicht für eine längere Zeit - ich will mich dann zurückziehen, ich will allein sein oder wenigstens in Ruhe gelassen werden.
Die meisten Menschen erschrecken mich noch immer mit dem, was sie sagen, was sie tun - oder eben auch nicht.
An manchen Menschen verzweifle ich noch immer, was sie tun, wonach ihnen ist - ohne sich zu fragen, wie es dem anderen dabei geht. Ohne sich eine Vorstellung davon zu machen, was ihr Tun in einem anderen bewirkt.
Bin ich ein Misanthrop geworden deshalb?
Nein.
Ich glaube nicht.
Ich kann meine Erinnerungen nicht löschen, und ich habe mich gefragt, ob ich das auch wollte.
Ich denke nicht.
Ich bewerte nicht, ob das Erlebte mich zu einem guten oder weniger guten Menschen gemacht hat.
Ich erinnere mich an Filme, in denen das Hirn manipuliert wurde - aber die Natur lässt sich nicht betrügen. Ich befürchte, dass ein vager Verdacht, ein diffuses Gefühl dessen, was mal war, mich viel mehr um den Verstand bringen würde als die reale Erinnerung. So wie einem ein Name auf der Zunge liegt, doch man kommt nicht drauf.
Wäre ich dann noch wirklich ich - oder in Wahrheit genau der Zombie, der ich nie werden wollte?
Ja, man hätte dann die Chance für neue Erinnerungen. Aber wer sagt uns, dass es gute würden? Bessere als die "alten"? Wir wüssten doch dann nicht, wovor wir uns schützen müssten.

Ich lebe mit dem Erlebten und mit den Erinnerungen.
Ich lebe damit, dass es nie aufhört, wehzutun, aber dass man lernt, damit zu leben.
Und ganz ehrlich? Das Leben früher war nicht immer ein besseres. Ich habe sehr viel verloren - aber ich habe bis heute auch sehr, sehr viel Schönes bekommen. Fast alles würde ich immer wieder so machen.

...und der Termin heute... Der Doktor will ein Blutgefäß-Sono und einen Schädel-Scan.
"Ihre Reflexe sind überlebhaft, aber wenn das Zittern der Hand vom Stress wäre, warum dann einseitig?"
Könnte ich ihm das beantworten, hätte ich ihm nicht die Gelegenheit geschenkt, mich wegen der 15minütigen Verspätung anzumaulen.
Aber ich bin entspannt. Nicht gespielt entspannt, ich bin tatsächlich momentan die Ruhe selbst.
Wahrscheinlich ist das das einzige, in dem ich absolut authentisch bin.

Montag, 13. Juni 2016

"Kein Werben für das Sterben"

Dieser Satz war mit weißer Farbe sorgfältig auf die Straße gemalt.
Ich las ihn, als ich mir Sohnemanns Stube ansah, seinen Bettenbau und auch das Innenleben seines Spinds begutachtete und mir dies und das erzählen ließ.

Sohnemann ist vereidigt worden letzten Samstag - und wir waren dabei. Sohn I, Herr Blau und ich.
Geschätzte fünfzehn Fotos hatte ich "im Kasten", als Herr Blau mich fragte:
"Bist du sicher, dass das dein Junge ist?"
"Na klar! Guck doch mal - der Rundrücken, den hat nur einer, das ist meiner. Und die Finger! Und das Profil! Und die Ohren! Na klar ist das mein Sohn, ich kenne doch mein Kind!"
Erst als die Eltern und Angehörigen auf den Platz durften, um ihre Kinder zu fotografieren ("Habt ihr euch nicht wie die Affen im Zoo gefühlt?" - "Na klar und wie!"), realisierte ich: "Huch! Jetzt habe ich fuffzehn Fotos von nem Fremden!"

Sohnemann war dankbar, dass wir da waren. Dass er in Herrn Blau einen interessierten und auch kundigen Gesprächspartner fand, dem er alles zeigen und mit dem er fachsimpeln konnte. Erst zum Abschied sagte er: "Habt ihr mitbekommen, dass es eine Bombendrohung gab? Drei Verdächtige sind festgenommen worden."
Nein, das hatten wir nicht. Ich hatte auch erst im Zuge der Veranstaltung realisiert, dass es sich hier nicht um den reinen Akt der Vereidigung handelte, sondern um einen Tag der offenen Tür, mit dem die Bundeswehr Interessierte für sich zu gewinnen versuchte. Später las ich in den Nachrichten und auch auf Facebook, wie kritisch dieser Werbeversuch aufgenommen wurde.

Ich habe meine Meinung nicht geändert, was Auslandseinsätze betrifft. Ich will nach wie vor nicht, dass mein Kind in einen Krieg zieht und geopfert wird für das Machtgebaren irgendwelcher Typen, die daheim gesichert in ihren weichen Sesseln sitzen, während so sinnlos für ihre Gier nach mehr und immer mehr Macht und Reichtum "da draußen" gestorben wird. Dass unsere Kinder den Preis für andere zahlen.
Aber mir ist durchaus bewusst, dass es nicht die Bundeswehr ist, die den Krieg veranstaltet.
Mir ist durchaus bewusst, dass die Bundeswehr nicht nur in die Kriege zieht, sondern auch im eigenen Land ordentlich mit zupackt, wenn zum Beispiel Katastrophen über uns hereinbrechen, so wie jüngst, als Schlamm und Geröll lawinenartig in die Ortschaften gestürzt sind.
Als ich noch klein war, glaubte ich, dass das Leben voller Sonne und auch friedlich wäre. Dass es keinen Krieg mehr gab, in dem Söhne, Väter, Großväter auf dem Feld blieben und nie wieder heimkehrten. Dass das alles lange her und vorbei war. Nicht vergessen - aber vorbei, für immer.
Später in der Schule kritzelten wir die Schulbänke voll "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!"
Wir lagen im Gras, den Halm oder die Blume im Mund und die einzige Sorge, die ich hatte, war die, ob mich kein ekliger Käfer bestieg.
Wir waren so unglaublich sorglos!
Erst mit dem Krieg in Jugoslawien realisierte ich: "So weit weg ist das alles nicht. Das war doch ein Land wie wir es sind."
Gibt es eigentlich auch nur einen einzigen Staat ohne eine intakte Armee?
Wie realistisch ist ein Staat ohne Armee?
Wie realistisch ist ein Staat ohne Verteidigung in einem Ernstfall?
Wie angreifbar ist ein Staat ohne Verteidigung?
Diese Fragen stellte ich mir gestern Abend, nachdem ich das Posting einer Politikerin las:


Im ersten Moment dachte ich, ich hätte mich verlesen.
Glaubt sie allen Ernstes, dass die Frauen und Männer, die sich freiwillig zum Bund gemeldet haben, auch freiwillig in einen sinnlosen Krieg ziehen wollen?? Als gäbe es nichts anderes, für das man sich einsetzen wolle?
Glaubt sie allen Ernstes, es ist die Bundeswehr, die die Kriege macht und die verantwortlich ist für all den Schwachsinn, der in der Welt geschieht?
Ist es nicht eher so, dass gerade in den oberen weichen Sesseln darüber entschieden wird, was passiert und woran man sich beteiligt?

Dann wieder fiel mir der Satz von der Schulbank ein "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!"
Wie wäre es denn, wenn die Bundesregierung befiehlt "Ab morgen seid ihr da und dort" und alle Soldaten wären sich einig: "Nicht mit uns!" ?
Die Bundeswehr entlassen ginge ja nicht - ein Land braucht doch ein Verteidigungsorgan, oder?
Und als ich am Samstag den Platz betrachtete, auf dem ein verschwindend geringer Teil des Platzes eingenommen wurde von denen, die sich rekrutieren ließen, da dachte ich an die früheren Jahre, als der Vater, der Mann vereidigt wurden. So viele, dass der Platz kaum reichte. Weil sie mussten. Weil sie gar keine Wahl hatten.
Heute sehen wir die, die eine Wahl hatten. Wir sehen die, die wollten.
Die etwas beitragen wollen zur Stütze, die etwas beitragen wollen zur Verteidigung, wenn es sich zu verteidigen gilt.
Die aber nicht in einen Krieg ziehen wollen.

Zu Schröders Zeiten, das gebe ich zu, war ich wesentlich weniger politikinteressiert als ich es heute bin. Aber eins ist mir hängengeblieben: Schröder hat unsere Söhne, unsere Männer nicht in den Krieg geschickt. Der hat sich durchgesetzt, egal, was der Ami sagte.

Mein Sohn will nicht beim Bund bleiben, der will es noch mal bei der Polizei versuchen - in ein paar Monaten. Ob er etwas dadurch gewinnt oder verliert, vermag ich nicht zu beantworten.
Vor wenigen Wochen haben wir eine vierstündige Reportage über die Polizei, über die Menschen dahinter gesehen. Von beiden Seiten wird auf sie gespuckt, mit Flaschen geworfen, mit Steinen, mit was-weiß-ich.
Ich bin eine Mama, die genauso wie jede Mutter, wie jeder Vater Angst um das eigene Kind hat.
Die sich die Blümchenwiese-Mentalität von einst zurückwünschte.
Und die im Gegenzug genau weiß, wie unrealistisch das war und ist.

Ja Frau Wagenknecht, vielleicht wäre es besser, weniger Parolen zu posten als das zu tun, wofür sie eigentlich bezahlt werden: eine ordentliche Politik mit und für den Menschen. Aber wem sage ich das!

Dienstag, 7. Juni 2016

Es gibt da so Tage...



...da frage ich mich: Wenn ich es schaffe, einen Tag lang im Bett zu bleiben, die Decke über den Kopf gezogen lassen, die Vorhänge zugezogen lassen - ob dann dieser Tag also sozusagen gar nicht passiert und ich somit kein Jahr älter würde?

Es gibt da so Tage, so ab einer gewissen Zahl... da wäre das... irgendwie... ganz okay. Eigentlich  :)

Freitag, 3. Juni 2016

Sommer-Styling-Tipps für die Frau ab 40 - Made by Vibesbild





Ich muss immer und immer wieder lachen, vor allem über Punkt 6 und 8 - herrlisch!!!!
Danke NaNa - für diesen wunderbaren Einklang in das ersehnte Wochenende!

P.S. Ich hab das erste Mal was "rebloggt", wusste aber nicht wirklich, wie das hier bei blogger geht. Ich hoffe, das ist so in Ordnung für Dich :)

Donnerstag, 2. Juni 2016

Zitterpartie

Mit den Krankenkassen ist das ja immer so eine Sache: Solange man nur einzahlt und möglichst nicht krank wird, also was zurückhaben will, ist die Welt völlig in Ordnung. (Das trifft sicherlich auf noch ganz viele andere Bereiche zu, ist jetzt aber nicht mein Thema.)
Erstes Erkennungsmerkmal eines Privatpatienten ist ja, glaube ich, die stark verkürzte Wartezeit auf irgendwelche Termine.

Ob das nun in der Realität tatsächlich daran liegt - ich bin mir da mittlerweile gar nicht mehr soooo sicher. Als ich noch in L wohnte, konnte ich mich zum Beispiel über lange Wartezeiten nicht beschweren - und ich bin Kassenpatient. Im Gegensatz musste Herr Blau selbst als Privatpatient - jedenfalls für seine Verhältnisse - ungewohnt lange auf die einen oder anderen Termine warten.
Lustig wurde es dann, als seine Kasse eine App einführte, wonach man die Rechnungen mit dem Handy einscannen und hochladen konnte. (Natürlich geht eine Privatkasse davon aus, dass ein privat Versicherter auch über entsprechendes Equipment verfügt! Klaro.) Begründung: Man wolle den Papieraufwand einschränken. Eine sehr löbliche Sache, wie ich finde. Würden sie nicht auf jede einzelne hochgeladene Rechnung mit mehrseitigen (!) Briefen antworten. Ein Witz. Ein Lacher. Lächerlich. Umso mehr dann, wenn man dann telefonisch Fragen zu diesen Briefen stellt  - und als Reaktion wieder mehrseitige Briefe bekommt. Wozu hat man dann einen Onlinezugang zur Kasse oder eine hinterlegte E-Mail-Adresse? Gibts nämlich bei meiner - und ich bin... Genau!

Seit ich hier in M wohne, gehe ich bevorzugt zum Hausarzt (oder bleibe einfach mal zu Hause *ha ha*); die.. äh.. Dienste eines Facharztes musste ich bislang noch nicht in Anspruch nehmen. (In der Gynäkologie war ich nur ein einziges Mal, ich war danach so erschüttert und.. wie soll ich sagen.. leicht traumatisiert, dass ich mir sagte: "Für den Termin einmal im Jahr kannste auch weiterhin in L gehen!")
Als ich vor vier Wochen meine erste Hepatitis-Impfung in Empfang nahm, wurde ich das erste Mal vor einer Impfung sogar untersucht, ob die Lymphdrüsen auch nicht geschwollen sind und so'n Zeugs. Da dachte ich noch: "Hat er heut Zeit oder braucht er Geld?"
Also hielt ich dem Doktor meine rechte Hand hin und sagte: "Gucken Sie sich die mal an, die zittert schon seit Ewigkeiten. Und wenn ich heute wieder nach Hause komme und sage, dass ich Sie wieder nicht drauf angesprochen habe, bekomm ich Ärger von meinem Mann."
Er hat gelacht und sich das Zittern angeschaut.
"Nur rechts?"
"Nur rechts."
"Seit wann?"
"Äh... Genau genommen seit August 2006, kleines Andenken an den Unfall. Hatte mich am Kopf verletzt und es hieß, das könne daher kommen."
"War das immer schon so oder ist das schlimmer geworden."
"S hat bisschen zugenommen. So wie ich."
Doch - ich kann ziemlich witzig sein, vor allem dann, wenn ich unsicher bin oder das Gefühl habe, es wird eng für mich. Galgenhumor ist eine meiner wenigen Stärken.
"So ein Tremor kann natürlich verschiedenste Ursachen haben, meistens liegts am Stress."
HA - hätte ich ja am liebsten ausgerufen und mir begeistert auf den Schenkel geklatscht! Genau DAS ist nämlich auch meine Vermutung, deshalb auch hatte ich die Hand nie jemandem vorgezeigt - und Herr Blau hat mich angefaucht: "Du weißt natürlich wieder alles!" und ich habe gesagt: "Nicht alles, aber ich kenne MICH."
Also hatte ich doch recht?

"ABER wir müssen das neurologisch klären", sagte er, "eigentlich wäre es beidseits, wenn es am Stress liegt."
Ach na ja, was heißt schon eigentlich? Ihr glaubt ja kaum, was man in 10 Jahren Schmerzgeschichte alles so zu hören bekommt, was EIGENTLICH alles sein müsste, könnte, sollte.

Und weil die Neurologie im selben Haus sitzt, dachte ich, ich geh wegen nem Termin gleich mal vorbei. Dort schlug man mir den 8. Juni vor - und entschuldigte sich, dass das dann eben erst in 5 Wochen wäre! DAS ist mir in rund 20 Jahren Kassenpatient noch nie passiert!
Wir haben uns dann auf den 13. geeinigt, glücklicherweise ist das kein Freitag, sondern ein Montag.
Wobei... Montage sind ja irgendwie auch nicht mehr die allerbesten Tage ;)

Ich denke, selbst wenn ich über gewisse Einkünfte verfügen würde, bliebe ich Kassenpatient: Ich habe keinen Stress mit irgendwelchen Rechnungen und werde auch freundlich, höflich und relativ zeitnah bedient. Und bei all dem, das ich in den letzten 10 Jahren schon der Schmerzen wegen aus- und rumprobiert habe, gab es nie Stress mit der Kasse, wurde alles anstandslos bezahlt. Herz, wat will ick mehr?


Mittwoch, 1. Juni 2016

Nicht meine Woche, irgendwie

...und dabei ist die noch relativ jung.. Trotzdem alt genug, um mir das Wochenende herbeizusehnen. Tür zumachen, niemanden reinlassen, Telefone aus.

Aber ich bin auch selber schuld. Erfahrungsresistent vermutlich, denn eigentlich sollte ich zumindest die einen oder anderen Dinge begriffen haben. Zum Beispiel die, dass, wenn man sich einen Tag frei nimmt, dass man dann auch verdammt noch mal frei macht und NICHT arbeitet...
Denn so fing der

Montag
an: Bei etwas über 200 Überstunden und der vergangenen, irgendwie dreifach (aus Gründen) anstrengenden Woche und der Kenntnis über die Abwesenheit des Chefs stellte ich den entsprechenden Gleitzeitantrag.
"Aber du lässt dein Handy an? Dass man dich mal kurz anrufen kann, wenn was ist?"
Und ich dumme Nuss knicke wie immer ein und sage "Ja okay." Wieso mache ich immer wieder denselben Scheiß? Nur weil ich zu Hause bleiben wollte, nix vorhatte, aber einfach mal ausspannen und meine Ruhe haben wollte? Weil man nicht immer nur arbeiten soll? Und weil ich schon das Wochenende verschlief und Herr Blau sich auch langsam fragt, ob ich nur noch zum Schlafen heimkomme, weil ich schon wieder auf Reisen bin, kaum dass die Home Office-Tage rum sind?
Ab sofort - das habe ich mir geschworen - sind an freien Tagen sowohl Festnetz und auch das Handy aus - und über mein dienstliches Mailpostfach werde ich einen gekonnten Haken schlagen, der mindestens die Kunstnote 6,0 verdient.
In diesen vermiesten Vormittag passte die Nachricht von Herrn Blau: "Mist! Fahrkarte vergessen, ist noch in der Tasche vom Biergarten, und ausgerechnet heute kontrollieren die!"
Fast wurde er noch der Polizei vorgeführt, weil er lediglich seinen Dienstausweis mit sich trug und er als personifizierter Freak eine Kopie für den Fahrgastbetrieb aus Datenschutzgründen verweigerte. "Ihnen muss doch reichen, dass Sie hier meinen Namen mit meinem Foto sehen - Sie sehen doch, dass ich das bin!"
Schlussendlich reichte das auch - und alle Aufregung hatte ich am frühen Nachmittag bereits wieder vergessen, als er mich an-whatsappte: "Hast du nun eigentlich heute frei?"
"Ja, schon", antwortete ich.
"Magst du mich dann abholen? Dann können wir auf dem Heimweg das bestellte Sushi holen."
Ich fand mich ziemlich organisiert, dass ich vorher noch die Arbeit abschloss, die Hausarbeit erledigte, den Einkauf, den Besuch in der Apotheke (die zweite Impfung steht demnächst an, dann sollte ich für Indien gewappnet sein) - und den Kauf eines Anschlusstickets über meine neue App. Die Apotheke liegt zwar am Weg, aber von ihr aus betrete ich von einer anderen Seite den U-Bahn-Bereich, verwechselte demzufolge die Richtungen (wer lesen kann, ist ja auch klar im Vorteil!) und bemerkte erst an der zweiten Station, dass ich in die falsche Richtung fuhr. Kichernd schickte ich Herrn Blau eine Nachricht "Wenns mal wieder länger dauert..." und stieg diesmal in die richtige U-Bahn. Erst nach dem Umsteigen am Großen Tor antwortete er: "Wieso U-Bahn? Ich dachte, du kommst mit dem Auto?"
"Davon hast du nix gesagt! Und mit dem Auto durch den Berufsverkehr ist ja nun wirklich keine Freude hier!"
"Hm. Na hast du dann auch meine Fahrkarte mitgebracht. Du weißt, ich hab heut keine?"
Ups.
Da war ja noch was.
Leider nein!
Also hat er sich ein Ticket gekauft, obwohl er ja eigentlich eine Jahreskarte besitzt (stirbt man jetzt ja aber auch nicht von) und dirigierte das Sushi um ("Sie müssen uns das nun doch bringen, klappt nicht mit der Abholung." - "Wir liefern aber nicht in Ihren Stadtteil." Man einigte sich dann auf die Übermittlung der Bestellung an die lieferbereite Filiale im anderen Stadtteil und meinte: "Dann verkaufen wir Ihre Bestellung hier im Laden." Puh.)
"Tut mir echt leid", gab ich mich zerknirscht, "war wohl nicht mein Tag."

Der Dienstag 
war dann aber irgendwie auch nicht besser - gefühlt tausend Dinge wollen und sollen erledigt werden, so dass man weder zum lange notwendigen Zahnarztbesuch (außerhalb der Dienstzeit, freilich) noch zu seinen eigentlichen Aufgaben kommt, für die ich dann gleich am

Mittwoch 
morgen einen Anschiss kassierte. "Du wolltest doch eigentlich...!"
Nun hatte mein Tag ja ohnehin schon 5.00 Uhr begonnen. Und das nur, weil Herr Blau um 5.30 Uhr zum Flieger musste und ich - zwar schlaftrunken, aber immerhin in Gemeinschaft - mit ihm ein guten-Morgen-Käffchen trank. "Kannst dich dann ja noch mal hinlegen", meinte er zum Abschied.
Feine Sache, wenn man weiß, dass man noch mal zwei Stunden Schlaf hätte.
Eigentlich!
Denn - BÄÄMMM - um exakt 5.45 Uhr wirkte das Koffein - und so las ich stattdessen Blogposts, Nachrichten bei Facebook (ja, ich habe mich wiederbelebt ;)) und schaltete um 6.40 Uhr die Morgennachrichten ein. Es stimmt übrigens, dass dieser Kick nur kurzzeitig anhält und man hernach noch müder ist als zuvor, aber dann war es leider auch schon 8.00 Uhr - Zeit, den Rechner anzuknipsen und das Diensthandy anzustellen.
Anruf Chef gestern Abend 20.11 Uhr?
"Ja, aber da hatte das Prinzesschen ihr Handy schon aus!" wurde ich alsdann unfreundlich angeschnarrt und fast war ich versucht, den Chef daran zu erinnern, dass ich Angestellte bin, keine Leibeigene. Rund um die Uhr muss ich nicht erreichbar sein - oder sehe ich das falsch?
"Wozu hast du eigentlich ein Diensthandy?"
"Du kannst es gerne wiederhaben, wenn es bedeutet, dass ich immer erreichbar sein muss", habe ich dann (zugegeben) zurückgegrollt und mir dann noch den Anschiss für eine andere, nicht mal mich betreffende Sache abgeholt.
"Ganz ehrlich? Wenn ich das alles höre, bin ich froh, dass ich das Telefon gestern schon aus hatte und mir das am Abend nicht mehr anhören musste!"
Tja.
Tag gelaufen.
Erst nach dem dritten aufeinanderfolgenden Kaffee hatte ich den Drang, ein paar Frust- und Wuttränen zu heulen, mit dem Koffein erfolgreich runtergeschluckt.

Jetzt bin ich zwar nicht mehr wütend und auch nicht mehr traurig, aber jetzt bin ich müde und wäre dann bereit fürs Wochenende. Mehr als bereit.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Ride On!




Ich bin müde.
Scheiße, bin ich müde, ich Weichei.
In mir stecken noch die zweitausend Kilometer vom Wochenende - und so, wie man den Stress erst an sich bemerkt, wenn er nachgelassen hat, so ist es wohl auch mit der Erschöpfung.

"Wie hieß das Getränk noch mal, das dich so wachgehalten hat?" hatte ich Sohn II gefragt. "War das Monster oder Red Bull?"
"Monster wars. Aaaaber! Wir haben in der Fahrschule gelernt, dass du das nicht trinken sollst, weils dich erst puscht und dann nach dreißig Minuten noch müder macht als du vorher warst. Und überhaupt, es hat nur beim ersten Mal gewirkt. Beim zweiten Mal hab ich irgendwie keine Wirkung mehr festgestellt."
OK, das wär blöd. Echt blöd.
Also bin ich wie immer zur eiskalten Cola umgestiegen.
Ich weiß, das ist leichtsinnig. Man soll nicht fahren, wenn man müde ist. Punkt.
Deshalb hatte ich mir den Montag auch noch frei genommen - aber auch wenn ich nix Entsprechendes getrunken oder sonstwie zu mir genommen hatte - ich konnte weder ausschlafen noch mich tagsüber irgendwie mal zur Ruhe legen.
Die Müdigkeit kam dann schlagartig gestern am späten Nachmittag. Perfektes Timing, sagte sich wohl Herr Blau, denn der letzte gemeinsame Abend bis zum Wochenende hatte sich damit dann auch erledigt.

Nun checke ich die letzten Mails, packe gähnend ein paar Sommersachen ein - Petrus zum Trotz, aber es soll ja jetzt wieder schön werden, und suche mir grad ein paar Songs aus, die mich während der Fahrt unterhalten sollen. Zur Not auch diesen hier im Dauerrepeat - diesmal reist ja niemand mit, auf den ich Rücksicht nehmen muss. Aber ich finde ihn echt geil, den Song, und er belebt mich.
Bin schon gespannt auf die kleine Monsterhütte - auch wenn ich sagen muss, dass das über die letzten Monate hin echt besser geworden ist. Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass die große Ordnungsaktion exakt erst einen Tag vor meiner Anreise gestartet wird. Mir egal - solange ich nicht zwischen allem möglichen KrimsKrams schlafen muss. Den Rest sollen sie unter sich ausmachen.
Irgendwer sagte mir auch mal, dass es in 90 % der junge-Leute-Single-Haushalte so aussähe wie bei den Söhnen, ich mich also entspannen solle. Na dann mache ich das doch glatt :)

Dienstag, 24. Mai 2016

...die Zeit, die wir haben





Lieber Herr Blau, wir kennen uns jetzt so viele Jahre. Jahre, in denen wir uns aus den Augen verloren, uns nicht zueinander bekennen wollten oder konnten. Jahre, in denen wir uns fanden und doch nicht zueinander finden wollten.

Heute hören wir den anderen sagen, was wir gerade dachten. Dann schauen wir einander an und lächeln und sagen: Das gibts doch eigentlich nicht.

Heute sagt der andere etwas, das wir nicht verstehen und nicht hinnehmen wollen, wir verstehen nicht immer einander - doch heute finden wir immer wieder den Weg aufeinander zu.

Manchmal nachts, wenn du neben mir schläfst, lege ich meinen Kopf an deinen Rücken und lausche dem Schlag deines Herzens. Begreife einmal mehr die Endlichkeits des Seins - und die Unendlichkeit des Liebens.

Ich sehe dein Lächeln, deine Schmunzelecken, die ich so liebe, und dann denke ich: Ich möchte verdammt noch mal alles tun, dass du immer einen Grund findest, so zu lächeln.

Dieser Tage bin ich in einem anderen Blog versunken. Dem Blog einer Frau, die sich so sehr die Liebe wünscht. Die so oft verzweifelt nachts in die Kissen geweint hat - und es gerade wieder tut.
Die noch nicht dort angekommen ist, wo sie sich glücklich fühlt. Geliebt. Gewollt.
Ich lese ihre Zeilen, Wort für Wort sauge ich in mir auf und erkenne mich überall wieder.
An jene Nächte.
An jene Tage.
An jenen Schmerz.
An das Aushalten müssen.
An all die Fragen ohne Antworten.
An die Wortlosigkeit.
An die Leere im Bauch.
An die Verzweiflung und die immer wiederkehrende Frage: "Was verdammt ist so falsch an mir?"

Heute weiß man vielleicht von einer Krankheit, die in vielleicht fünf Jahren einen anderen Menschen aus einem machen mag. Und das Gefühl haben, es liefe einem die Zeit davon.
Vielleicht ist das so.
Aber was wissen wir denn schon, was morgen ist? Wo wir heute noch dachten, alles wäre gut?
Wir wissen doch alle nichts.. Gar nichts..

Die Hoffnung ist es, die einem immer bleibt. Das ist meine Überzeugung.

Montag, 23. Mai 2016

...die immer lacht!



Lieber großer Bruder, liebe L.,

wir danken Euch sehr, dass wir an Eurem großen Tag dabei sein konnten und durften, dass wir Euch begleiteten dabei, wie aus dem souveränen Mann einer mit dicken Tränen in den Augen wurde, dem die Worte fehlten - und dass Ihr uns allen zeigtet, dass man auch nach Jahren noch wundervoll ineinander verliebt sein kann. (Ist ja nicht so, dass wir das nicht selber wüssten - aber Ihr wisst schon, wie ich das meine :))

Ich danke Euch dafür, dass ich einmal mehr daran erinnert wurde, dass ich so gar nicht singen und tanzen kann - und dennoch eine unvergleichliche Freude bei all dem empfinde, während ich beides trotzdem tu. Dass ich Titel singe und betanze, so wie diesen hier, die ich für gewöhnlich gar nicht höre - und jetzt im Nachhinein trotzdem eine grenzenlose Gänsehaut entwickle, weil der Song mich an Euren wunderbaren Tag erinnert und daran, wie herzlich viel wir gelacht, getrunken, getanzt und geschwatzt haben. 

Wir wünschen Euch hier noch mal von ganzem Herzen eine wunderbare Ehezeit - denn was lange gedauert hat, wurde endlich gut! Alles Glück der Welt und ganz viel Liebe!



Aus gegebenem Anlass *kreisch*:
Das auf dem Foto oben rechts in der ersten Reihe ist NICHT Herr Blau, sondern Sohnemann I :)
Herr Blau ist auf dem Foto ganz links in der ersten Reihe (ich bin eingekreist von Herrn Blau und meinem anderen Bruder) und auf dem ersten in der zweiten Reihe. Dass ich sein Gesicht "übermalt" habe, war übrigens sein Wunsch :)

Freitag, 20. Mai 2016

"Es könnt' alles so einfach sein - ist es aber nicht!"

...sangen ja schon die Fantastischen Vier - und das war so'n Spruch, der mir heute durch den Kopf ging, als ich mich - nicht zuletzt eben durch den gesehenen Film "Frauenherzen" - erinnerte, dass ich da ja auch noch auf dem Amt einen Reisepass zu liegen hatte, der noch immer auf seine Abholung wartete. Nachdem das mit der Indienreise im Februar nicht mehr geklappt hatte und die nunmehr fix geplante und gebuchte Reise noch auf sich warten lässt, hatte ich ja auch keine Eile mehr damit.

Heute nun habe ich mir ab Mittag frei genommen (manchmal zahlt es sich eben doch aus, mehr als genug Überstunden auf dem Arbeitszeitkonto zu haben), um ein paar Besorgungen zu erledigen - und eben diesen Reisepass mit abzuholen. Ich Naivling dachte ja allen Ernstes, ich hätte ne gute Zeit abgepasst - gewöhnlicher Wochentag so kurz nach dem Mittag, wird sicherlich nicht sooooo wild, aber was mich dann heute dort erwartete, verschlug dann selbst mir den Atem. Das allerdings nicht zuletzt auch der schlechten, abgestandenen Luft wegen. Dass ich mir zwischendurch einen heißen Kaffee vom Serviermädchen geben ließ, habe ich relativ schnell bereut. Kaffee treibt! Und wer einmal auf so einem Klo eines Verwaltungsamtes gewesen war, der weiß: NIE NIE NIE WIEDER - solange es nicht wirklich und unbedingt sein muss!
Aber ich war trotz all der Wartezeit super entspannt - nicht zuletzt auch wegen einem Spiel, das ich mir gerade erst aufs Handy geladen hatte: Mahjong. Spiele ich phasenweise so gern, dass ich Abende und halbe Nächte lang nicht davon wegzubringen bin. Blöd war nur, dass ich vergessen hatte, die Brille einzupacken. Es ist ja einfach alles sooo klein auf so nem kleineren Display - aber mich mit iPad irgendwo hinzusetzen, fände ich auch scheiße. Wenigstens aber hatte ich schon mal die Sonnenbrille dabei - an einem hoffnungslos verregneten Tag! Ja ich weiß, manchmal bin ich sowas von verpeilt, dass ich froh sein kann, wenn ich abends noch weiß, wie ich eigentlich heiße :)

Jedenfalls, als tatsächlich nach gut drei Stunden der Zähler auf die Nummer 296 klackte, nämlich meine, da sprang ich frohgemut auf und stürmte mit wehenden Haaren zur erlösenden Tür Nummer Drei. Nur um hinter dieser Tür gesagt zu bekommen: "Haben Sie jetzt echt drei Stunden gewartet?"
"Na freilich. Pass abholen ist ja leider nix, das man online erledigen kann", grinste ich breit und deutete auf das entsprechende Hinweisplakat.
"Das stimmt zwar, aber den Pass bekommen Sie nicht bei mir. Da müssen Sie zur Passausgabestelle."
"Ach so? Ist die wenigstens hier im Haus?"
"Ja, das schon - aber die haben jetzt geschlossen!"
WAAAAAAHHHH!
Da sitzt man sich drei Stunden lang den Allerwertesten breit, spielt in aller Seelenruhe eine Runde Mahjong nach der anderen, telefoniert sich nen Ast, um die Zeit rumzukriegen - und nebenan fallen inzwischen die Rollos.
Das nennt man dann wohl ganz blöde gelaufen.
"OK, nicht zu ändern", sagte ich, "aber dann will ich hier wenigstens noch mal aufs Klo."
Bis nach Hause hätte ich es nämlich nicht mehr unfallfrei geschafft, soviel war mal klar.
Und dort vor der WC-Tür begegnete mir eine fein gekleidete, adrette Frau, die mit mir und ihrer Freundin im Wartebereich geduldig ausgeharrt hatte - und die wedelte stolz mit ihrem frischen Pass vor meiner Nase.
"Na? Auch endlich geschafft?" schrie die mich fröhlich an.
"Ich BIN geschafft, ja, leider erfolglos."
"Echt? Erfolglos?"
"Joar. Habe nicht gewusst, dass ich meinen Pass woanders abholen muss und als ich das erfuhr, hatte der Schalter leider schon geschlossen. Na ja, dachte ich mir, gehste hier wenigstens noch mal fix aufs Klo."
"Recht hamse!" schrie die wieder fröhlich, "scheißen Se denen das Klo ruhig richtig zu!"
Ups.
So ne feine Frau war sie dann wohl doch nicht - aber irgendwie hatte sie trotzdem recht, fand ich.
Ich konnte nur nicht!  Es ging einfach nix! Aber nu ja - 's Läbbe is hart, sagt ja immer schon die Hessen-Waage. So hart wie meine Muskulatur, die sich verschreckt zusammengezogen hatte beim Anblick, der sich mir hinter der Tür bot - und nix mehr hergab. Bin ich halt wieder gegangen. Ergebnislos. Sowohl als auch.
Wäre ja sonst alles auch viel zu einfach gewesen! Isses aber eben nich.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Irgendwas ist ja immer!

Manchmal, wenn wir unterwegs sind, dann murrt Herr Blau. Sagt so Sachen wie: "Wooarr ey, der zieht dich ja fast aus mit Blicken" oder "Hat der jetzt genug geguckt?"
Wenn ich dann frage, von wem er eigentlich spricht, fragt er mich: "Na merkst du denn gar nicht, wie die dich anstarren?"
Um ehrlich zu sein: Nein.
Ich merke so etwas tatsächlich nicht.
Vermutlich muss mir jemand erst die Kaffeetasse umreißen oder mir in den Einkaufswagen fallen, um auf sich aufmerksam zu machen, aber selbst dann würde ich als erstes denken: "Die arme Sau, der ist ja genauso schusslig wie ich!"
Oder ich denke: "Oh Gott, ich hab irgendwas im Haar hängen" oder "Habe ich was zwischen den Zähnen??" oder sowas in der Art.

Es ist ja so dieses Ding mit der Eigenwahrnehmung. Solange es um andere Menschen geht, sind meine Antennen tatsächlich ausgesprochen fein und sensibel, registriere ich kleinste Schwingungen, egal, ob positiv oder negativ - und liege zumeist auch richtig. Sobald es aber um mich geht, mutiere ich zur Frau mit der rekordverdächtig längsten Leitung der Welt. Das war schon immer so - und das ist mir letztlich auch nicht nur einmal auf die Füße gefallen.

Gestern Abend habe ich gleich drei Dinge auf einmal erledigt: Paket wegbringen, eine Jeans zum Schneider bringen und Milch einkaufen. Milch ist lebensnotwendig, denn gibt es keine Milch, gibt es für mich keinen Kaffee - und ohne Kraftstoff schließlich kein Motorbetrieb!
Nun war es ja gestern recht warm - also entschied ich mich für einen bodenlangen Rock (war übrigens Premiere für das Teil) aus sehr feinem Stoff, ein ärmelloses Shirt, Jeansjacke drauf - fertig. Ich fand das bequem und schön, aber jetzt auch nicht wirklich spektakulär. Dennoch registrierte ich gestern, wie mir die Blicke folgten. Nicht nur von Männern.
Ich registrierte es beim Schneider, beim Vorbeigehen am Coffee-Shop, beim Döner-Mann, der mein Paket entgegennahm - und schlussendlich im Supermarkt.
Doch, das ist schon ein schönes Gefühl, auch wenn es mich zunächst immer erst mal verunsichert.

Zurück im Haus, genauer gesagt, im Lift, in dem sich ein übergroßer Spiegel befindet (warum eigentlich gibt es in so vielen Aufzügen einen Spiegel?) brach ich dann in herzhaftes Lachen aus:
Der sehr feine Rock ist wirklich sehr fein. So fein, dass er sich dank elektrischer Aufladung an meine komplette Hinterfront geschmiegt hatte - wie eine zweite Haut!
Das war ja sowas von klar!


Mittwoch, 18. Mai 2016

Singledingeling

Gestern Abend lief da so ein Film im TV, über den ich eher zufällig beim Herumzappen fiel.
Vier Frauen in einer Großstadt, vier Frauen, vier Schicksale - alles aber deutlich angehaucht von der sommerlichen Leichtigkeit und einer entsprechenden Erzählweise. Ich blieb zwar hängen, aber...

Ich meine, wie realistisch ist das, dass eine alleinerziehende junge Frau ihren Job schmeißt, bloß weil ihr Chef ein Arsch ist? Hand aufs Herz: Wie oft haben wir alle doch schon mal heimlich davon geträumt, uns vor dem Chef aufzubauen, all den Frust und die Schmach der vergangenen Jahre ins Gesicht zu schleudern und einen Abgang hinzulegen, der wie geschaffen wäre für den nächsten Kinokracher? Und wie oft haben in der Realität unsere Backenzähne ihre Eckpfeiler verloren, weil wir so bemüht waren mit Aufeinanderbeißen, damit bloß kein falsches Wort über die Lippen rutscht? Weil eins mal Fakt ist: Der Job bzw. das Einkommen daraus sichert uns das Auskommen. Vor allem dann, wenn wir alleinerziehend sind und die Väter über leere Geldbörsen jammern, während sie sich das dritte neue Auto kaufen - oder gleich wiederholt und nachdrücklich die Drohung in den Raum werfen: "Kommst du mir mit Alimenten, hab ich nichts mehr zu verlieren. Aber dann überlebst du das nicht." (Eigenerfahrung) Da schmeißt man keinen Job hin ohne Alternative.
Es ist (leider!) auch unrealistisch, dass der ebenso junge wie smarte Nachbar vom Balkon nebenan Gefallen an eben dieser Alleinerziehenden findet. Heutzutage muss doch alles federleicht und rosarot bleiben, schon beim geringsten Hauch von Verbindlichkeit verfällt die Männlichkeit nur allzu gern in das große MiMiMi der ach so großen Beziehungsunfähigkeit. Eigener und auch bei anderen betrachteter Erfahrungswerte zufolge nach rund 8 Jahren Online-Single-Börsen. Und nein - aus mir ist keine Männerhasserin geworden - im Gegenteil, und außerdem lebe ich seit 1,5 Jahren mit einem solchen Exemplar zusammen - und das auch noch freiwillig.

Und wie realistisch ist es, dass eine Ehefrau und Mutter das gemeinsame Haus verkauft auf den bloßen Verdacht hin, dass der Mann fremdgeht? Bloß weil er keinen Bock auf Sex mehr hat, erst nach drei Tagen feststellt, dass sie beim Friesemeister war und anruft, dass es am Abend später würde (blöder Job, ja, nee, keine Mittagspause, bin gaar nicht rausgekommen - und dann sieht sie ihn mit einer Frau auf der Straße). Klar - da hätte auch ich den naheliegendsten Verdacht im Kopf - aber ich hätte doch nicht niemals im Stillen gehadert und heimlich den Verkauf des Hauses eingeleitet?
Ich meine, verkaufen kann man doch immer noch - erst mal aber hätte ich ganz gepflegt den Mann auseinandergenommen. Nudelholz ist ja heute sowas von out - aber sich selbst im stillen Kämmerlein zerfleischen? Näää! Das hier aufgezeigte allgemeine Problem, nämlich das der mangelnden Kommunikation, sollte hier wohl nur auf spielerische Weise erzählt werden - immerhin war ja Sommer in der Stadt und auch ganz offensichtlich, dass Mama & Papa sich immer noch lieben. Wenn das nämlich vorbei ist, dann hilft auch kein Reden mehr. Außer fürs Schlusswort.

Ein bisschen verschluckt habe ich mich, dass die dritte Frau - die einzige in diesem Film übrigens mit etwas mehr auf den Hüften - vor einem Lokal jemandem begegnet, auf den sie erst umsonst beim ersten Date wartet, der aber zur Entschuldigung am Tag darauf einen selbstgebackenen Kuchen mitbringt und ihr zu verstehen gibt, wie attraktiv und liebenswert er sie findet. Nähere Bekanntschaft sehr gern! Verschluckt habe ich mich deshalb, weil... Der Typ war blind! Was sollte mir diese Szenerie sagen? Dass nur ein Nichtsehender eine dicke Frau schön und begehrenswert finden kann? Weil er nämlich dann gar keine andere Wahl hat, als sich auf ihre inneren Werte zu konzentrieren? Oder soll es eher diesen Fingerzeig darstellen, dass wir uns eben zu oft von Äußerlichkeiten leiten lassen, anstatt uns Zeit für den Menschen dahinter zu nehmen? Zeit, ihn näher kennenzulernen? Zeit, ihn mit anderen Augen zu betrachten und uns damit Zeit für das Wesentliche zu nehmen? Hm. Kann auch sein, ich hab das an dieser Stelle mal wieder zu ernst genommen.
Insgesamt wars mir trotzdem bisschen zuviel Zuckerguss mit ner Prise Rizinus - so für meinen Geschmack. So im Nachhinein.

Am meisten ins Grübeln kam ich bei der vierten Protagonistin. Die mit ihrem kleinen Lädchen, vor dem eines Tages ein smarter Typ mit Gitarre sitzt - und den sie mal eben einfach so mit nach Hause nimmt, nur um ihn nach.. äh.. getaner Arbeit erst aus dem Bett und dann aus ihrem Leben zu schmeißen. Und der Typ gibt nicht auf! Der steht wieder vorm Laden - und will reden! REDEN! Hä? Seit wann will ein Mann, der uns nicht mal kennt (nein, eine Nacht rumvögeln zähle ich nicht zum Kennenlernen, immerhin wird da viel zu wenig von sich gezeigt, egal, wie nackt man ist), reden und auch noch verstehen??
Wooaarr!
Das ist mir in keiner Szenerie meines Single-Lebens passiert. Auch in keiner, die ich von anderen kenne.
Na ja gut fast. Da war mal einer, den kannte ich vierzehn Tage inklusive eines gemeinsamen Wochenendes. Danach war mir klar: Das ist leider kein Mann für mich. Interessant für mich war dabei, dass es hier tatsächlich nicht daran lag, dass er - Stichwort Äußerlichkeiten! - zum Beispiel schlappe 6 Zentimeter kleiner war als ich (ich dachte ja immer, dass ich genau damit nicht würde umgehen können) - sondern dies tatsächlich in seinem Wesen begründet lag. Verschiedene seiner Äußerungen, die ich irgendwie wiedererkannte. Von denen ich wusste: Das würde ein unterdrücktes Leben ohne Freiraum. Nee danke - da war ich ja gerade erst raus. Als ich dann noch bemerkte, wie er vor dem Spiegel stand und das Spiel seiner Oberarmmuskeln betrachtete, da war der Würfel endgültig gefallen. Sorry Jungs, aber das geht echt gar nicht. Dieser junge Mann aber hat damals wirklich gekämpft, das muss ich ihm lassen. Ähnlich dem Typen von gestern Abend aus dem Film. Der kannte mich kaum und kämpfte trotzdem. Aber ist das nun trotz allem Realität?
Ich bin schon lange aus den Singlebörsen raus - aber wenn ich an die hauptsächlichen Erfahrungen denke und an die, die Freundinnen oder Bekannte mit Männern machten, dann tue ich mich sehr schwer damit, dies Realität zu nennen. Dann ist so eine Filmsequenz doch eher Zuckerwattezuckergusswolke. Und ich finde das schade! Es gibt immer wieder Momente, in denen ich an mir oder anderen feststelle, wie kaputt wir Menschen sind, wie kaputt wir uns gemacht haben - und wie viel wir uns selber damit nehmen.

Insgesamt hat der Film aber gereicht, ihn mit ins Bett und in die Träume zu nehmen. Was DA abging, das finden Sie in keinem Traumdeutungsbuch! Brauchte ich aber auch nicht - war alles eindeutig genug :)
Interessanterweise befühlte Herr Blau heut morgen erst meine Arme, dann mein Gesicht und fragte, ob alles OK mit mir sei. Äh.. Ja? Wie es halt so okay ist, wenn man ausm Tiefschlaf gerissen wird und so fragte ich gähnend nach: "Wasn los?"
"Na nix, aber du lagst noch genauso da wie du dich gestern Abend hingelegt hast."
Hatte er geglaubt, ich hätte mich des Nächtens ins ewige Nirvana hinübergeschlafen?
Da konnte er ganz unbesorgt sein, ich war müde, aber lebendig :) Nur schade, dass die Träume aus waren!

Heute Mittag las ich übrigens, dass das gestern offenbar kein Film, sondern Teil einer Serie gewesen sein soll, nur mit teilweise anderen Darstellern. "Frauenherzen" - was überhaupt fürn Schwachsinnstitel. Aber wenn da noch mal was kommt, schaue ich weiter. Warum nicht doch ein bisschen zuckersüße Illusion im Alltag? So ab und zu? Das ist wie Kaffee ohne Zucker. Kann man so machen - muss man aber nicht. Immerhin trinke ich meinen Kaffee fast immer ohne Zucker, aber manchmal eben auch mit. Ist wohl so tagesformabhängig. Habe ja auch erst vor ner Weile gelesen, dass der Drang nach Süßem eigentlich nur die Sehnsucht nach Liebe widerspiegeln soll. Na dann!

Montag, 16. Mai 2016

Gleiches Recht für alle!

Letztens habe ich mir einen Badeanzug gekauft. Herr Blau war übrigens beim Shopping dabei. Etwas, das ich übrigens so schnell nicht wiederholen möchte. Also das Shopping schon - nur nicht gemeinsam. Alles verläuft ausgesprochen friedlicher, wenn jeder für sich bleibt: Er ist einfach zu ungeduldig und zu schnell genervt, dass samstags auch alle anderen Leute bummeln wollen.
Und dabei bin ich nicht mal das, was man einen Powershopper nennt! Aber wenn man auf der Suche nach was ganz Bestimmtem ist, es in der Stadt drei oder vier Filialen gibt - dann will ich die verdammt noch mal auch besuchen! Immerhin bekam ich in allen Filialen eine Rabattkarte zugesteckt - leider werden die wohl ergebnislos verfallen, denn den Artikel habe ich mir schlussendlich im Onlineshop erstehen müssen. Und einfach nur was einkaufen, bloß damit man Rabattkarten einsetzen kann? Pffff. Nö. Ich habe ja sonst alles, stöhnt jedenfalls Herr Blau, wenn er den Kleiderschrank öffnet. Interessant, dass ich trotzdem oft nicht weiß, was ich anziehen soll?

Jedenfalls habe ich den Badeanzug heute das erste Mal ausgeführt. Dass dieser über einen recht tiefen Ausschnitt verfügt, wusste Herr Blau - und als ich ihn dennoch kaufte, murrte er: "Okay, dann schneide ich in meine Badeshorts ein Loch und lasse ihn raushängen. Gleiches Recht für alle!"
In meinem Kopf startete spontan ein derart köstliches Kopfkino, dass mich die GEZ glatt zur Gebührenzahlung aufgefordert hätte!
"Ich nähe den Ausschnitt ein Stück zu", besänftigte ich ihn - freilich habe ich diese heroische Tat natürlich.. äh.. vergessen! Mal abgesehen davon, dass das Teil dann auch zu so nem Oma-Ding verkommen wäre - also nee, das wird niemals nicht zugenäht, auch nicht mal einen Zentimeter.
Als wir also heute in der Umkleide einer Sole-Therme in Bad Irgendwas standen und der Blick von Herrn Blau auf den Ausschnitt fiel, da ließ er ohne ein Wort seine Shorts ein Stück rutschen, weit genug, um - na Sie wissen schon!
"Zieh sie lieber wieder hoch", kicherte ich, "sonst schaffen wir das nie hier raus!"

Hach, das war Spaß heute! Also weniger der Badesachen wegen - sondern einfach nur das ausgelassene Toben im Wasser. Oder besser gesagt: im dortigen Strömungskanal.
Jagen, schwimmen, tauchen, im Duett schwimmen - da kann man schon mal wieder Kind sein! Ich glaube auch, dass wir dort eindeutig mehr Spaß hatten als die meisten anderen, die mit Ruhe und Besinnlichkeit ihre Bahnen zogen oder mit ihren Hilfsmitteln durch den Strömungskanal tippelten.
Was dann nach gut zwei Stunden eben auch zur Folge hatten, dass wir heimfuhren, uns auf das Sofa legten - und einschliefen.
Sagte ich schon, dass ich freie Tage liebe? Ich hätte gerne noch einen davon!

Die Pinguin Party

(c) Penguin Foundation, Spotlight & AAT Kings, gefunden auf stern.de

Als wir vor einigen Wochen die Einladung zur Hochzeit meines Bruders erhielten, fiel mir spontan der Witz über den Pinguin ein:

"Ein Pinguin zum Fotografen: Ich hätte gerne ein paar Passbilder!
Fotograf: schwarz-weiß oder in Farbe?
Pinguin: paar aufs Maul?" 

Das Hochzeitspaar ist nun zwar kein Fan von Pinguinen - aber sie mögen keine Farben außer Schwarz und Weiß. Dementsprechend sind auf ihrer Hochzeit auch keine anderen Farben erwünscht außer diesen beiden - und es ist auch den Frauen gestattet, in Weiß zu erscheinen.
Herr Blau und ich haben heute also eine private Kostümparty veranstaltet - mit dem Ergebnis, dass wir uns nicht recht entscheiden können. Zwar war bei ihm von vornherein klar: schwarzer Anzug, weißes Hemd  - aber allein von der Schnittführung her gibts ja inzwischen auch bei einem weißen Hemd so viele Auswahlmöglichkeiten.
Sehr amüsiert habe ich mich allerdings bei seinen Krawatten, die ich - meine ich jedenfalls - bislang noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Und ich hoffe, das bleibt auch so! Ich wüsste jedenfalls nicht, wann mir je eine dunkelblaue Krawatte mit Tier- oder Blumenmotiven oder auch pinkfarbenen Punkten gefallen hätte.
Nun hatte ich selber ja auch was kleines Schwarzes auf dem Programm.
Nur... Ich dachte ja, wir werden gemeinsam auf eine Hochzeit gehen - nicht auf eine Beerdigung?
Also habe auch ich ein paar Varianten in weiß vorgeführt und alle möglichen vorbereitet.
Alle möglichen schwarz-weißen Varianten.
Dass Herrn Blau alle Varianten ausgesprochen gut gefielen, konnte er mir kaum besser zeigen als in einer einzigen Variante... ;)

Ich bin jedenfalls gespannt auf diese Party! Lets rock!
Am meisten gespannt bin ich auf die Fotos! Ich kann sie ja dann mal mitbringen :)



Sonntag, 15. Mai 2016

Ein ganzes halbes Jahr - jetzt gibts das ja auch als Film!



Es gibt nicht viele Bücher, von denen ich sage, dass ich sie liebe.
Das Buch zu diesem Film bekam ich im letzten Jahr geschenkt - und es gehört zu einem dieser wenigen Bücher. Wohl nicht zuletzt, weil mich Emilia Clarke so sehr an mich erinnert... an ein früheres Ich...

Dass es jetzt auch den Film dazu gibt, wusste ich nicht - hätte sich Herr Blau ja auch als Überraschung aufheben können. Hat er aber nicht - und nun freue ich mich sehr auf diesen Kinobesuch in einem uralten Plüschkino mit breiten, weichen Sesseln und vermutlich einem Big Pack Taschentücher dabei.
Ein Frauenbuch, ein Frauenfilm - dass er sich das trotzdem mir zuliebe antun wird, rechne ich ihm allerhöchst an!

Ich hoffe sehr, dass dieser Film hält, was das Buch versprach - ich werde berichten!

Dienstag, 10. Mai 2016

Zahlen und Fakten


Wow.
400.000 Klicks.
Vier-hun-dert-tausend.
Für den einen ist das nix.
Für mich aber ist das ein Anlass, mir flugs einen frischen Kaffee zuzubereiten und der Welt da draußen zuzuprosten mit einem herzlichen, ehrlichen DANKE an all die Leser, die mich dann und wann oder gar treu von der ersten Stunde an (hallo Hessen :)) begleiten.
Und hier mal noch eine Antwort an Anonym: Natürlich verstehe ich Dich und finde Deine Einstellung auch ehrlich in Ordnung! Es ist ja wie es ist! Immer nur Tiefgang (oder wie Du es sagtest: Herzenssachen) sind auf Dauer anstrengend, das hat mich auch ein paar Liebhaber gekostet *ha ha*.
Andererseits bin ich eben so, mal so, mal so, mal tiefer, mal mehr an der Oberfläche. Immer nur das eine kann ich eben doch nicht und immer nur den Clown machen wäre dann auch nicht ich ;)

Jedenfalls bin ich wirklich beeindruckt, dankbar und irgendwie sogar gerührt. Und vermutlich wird die 400.000 klacken, während ich gerade dabei bin, rund vierhundertdreißig Kilometer zu überwinden, was sich diesmal nicht ganz so einfach gestalten wird, denn Herr Blau begleitet mich. Also ich meine, ich habe ihn ja schon wirklich gern, ich schwörs, aber verreisen SIE als Kaffee-und-vor-allem-Musik-Junkie mal mit einem Tinnitus-Patienten!

Vor kurzem las ich übrigens einen Post über ein Bloggertreffen, wonach die Frage gestellt wurde, wie man sich denn erkannt hätte, ob mit Namensschildchen oder so.
Das wiederum erinnerte mich an mein allererstes Klassentreffen nach - ich glaube - zwanzig Jahren. Natürlich macht man sich da im Vorfeld so seine Gedanken: "Erkennen wir uns wieder? Werden wir großartig rätseln, wer wer ist oder sieht man das sofort?"
Und - Hand auf mein Herz - natürlich habe ich mir das so vorgestellt: dass mich keine Sau erkennt. Dass jeder rätselt: "Wer war denn DAS noch gleich?" Auftritt einer großen Unbekannten sozusagen, ha ha!
Also wenigstens von meinen Grundschullehrerinnen hatte ich mir das erhofft!
Und wie war die Realität?
Ich betrete den Raum, gebe der Lehrerin die Hand und sage: "Ich bin übrigens die Helma."
"Joa, hab ich doch gleich gesehen", war die lakonische, arschtrockene Antwort.
Nun ja.
Dann musste ich mich auch nicht verstellen.
Dann konnte ich mich auch gleich so geben wie ich immer war: hinsetzen, Kaffee aufn Tisch und erst mal Kuchen essen!

Samstag, 7. Mai 2016

Die Sonnenanbeterin


...ist eigentlich ne Heuschreckenart, weiß ich. Nachgelesen habe ich aber erst jüngst, dass das Weibchen das Männchen während (!) oder direkt nach der Paarung frisst.
Huch.
Da bekommt die Wortwendung "Ich hab dich zum Fressen gern" ja gleich ne ganz neue Bedeutung! :)
Manchmal fressen die die Männchen auch schon vor der Paarung, doch das finde ich persönlich ziemlich kontraproduktiv. Aber na ja, wir Menschen machen ja auch genug Blödsinn.

Die letzten beiden Tage - ist das nicht irre? Letzte Woche noch hats geschneit - und jetzt laufen wir hemdsärmlig oder gleich ohne Ärmel durch die Straßen, die nackten Füße in Sandalen - und es ist fast immer noch zuviel an Kleidchen.
In all den Freisitzen der Stadt gibt es kaum freie Plätze, am Fluss tummeln sich all die anderen Sonnenanbeter und selbst draußen auf dem Land, ein ganzes Stück weit raus aus der Stadt, mitten im Wald, war es nicht halb so kühl wie befürchtet.
Woaarrr!
What a Wetterchen!

Da macht sogar das Besichtigen von Wohnungen Spaß, von denen wir dank des modrigen Geruchs, der uns bereits mit dem Öffnen der Haustür entgegenschlug bereits wussten: Das wird wohl nix.
Altbau ist eben Altbau - und ich wollte ja immer Altbau. Muss ich also wohl mit gewissen Konsequenzen leben. Wenn aber der Eigentümer den Keller aber nicht mal erst zeigen will, nu ja, das gibt dann schon zu denken. Entweder kommen wir für ihn schon gar nicht erst in Frage (trotz der 1 a ausgefüllten Selbstauskunft) - oder er befürchtete, dass wir vom etwaigen Mietvertrag zurücktreten, bloß WEIL wir den Keller gesehen haben.
Erst im Nachhinein ging mir auf, dass wir dem Eigentümer vermutlich auch nicht geheuer waren. Denn dass Herr Blau weiße Sneaker-Söckchen trug und auch ich nach dem Abstreifen der Sandalen weiße Füßlinge überzog, weil ich nicht barfuß in einer fremden Wohnung herumspringen wollte - das war wirklich reiner Zufall, konnte aber auch als "Wir testen mal, wie sauber die sind" ausgelegt werden?
Die Wohnung ansonsten hatte mich schon fast komplett für sich eingenommen, als ich entdeckte, dass der Balkon an der Küche in den Hinterhof führte, wo beinah zum Greifen nah ein riesiger Kastanienbaum stand. Jauchz!! Ich lieeebe Kastanienbäume! Ich bin ja sooo leicht glücklich zu machen!
Doch den handfesten Gegenargumenten musste ich mich schlussendlich doch geschlagen geben: Wir müssten die Waschmaschine des Vormieters übernehmen, weil die extra in die maßgefertigte Küche passt. Und was machen wir mit unserem gerade mal einjährigen Waschtrockner? Ist doch auch irgendwie blöd... Keine Tiefgarage für das historische Gefährt des Mannes. Kein Fahrradkeller für das Fahrrad des Mannes, das immerhin ein paar Tausend Euro gekostet hat. "Das stelle ich nicht in den Hof und auch nicht in einen nassen Keller", sagte er zu mir und ich grinste: "Ja siehste, was kaufst du auch immer das teure Zeuch, sag ich doch, dass teuer nicht immer gut ist."
"Das hier ist ein ruhiges Haus", sagte der Eigentümer, "und wir suchen entsprechend ruhige Mieter."
Da schauten wir uns an.
Ich weiß nicht, woran Herr Blau dachte.
Jedenfalls ich dachte an meine gelegentlichen Musik-Sessions.
Aus die Maus wäre es damit - denn der Eigentümer würde eine Etage über uns wohnen.
Ich glaube, damit war dann auch mein K.O.-Kriterium erreicht :)

Die Suche geht also in eine neue Runde.
Irgendwie bin ich aber derzeit - wohl aufgrund des wunderbaren Sonnenwetters - spürbar gelassener als sonst. Vermutlich war ich früher doch mal so eine Mehrbeinige mit dreieckigem Kopp, die ihren Liebhaber fraß. Also, lieber Herr Blau, überlege dir demnächst gut, ob du mich noch mal nachts weckst und mir unterstellst, ICH würde schnarchen!

Freitag, 6. Mai 2016

Die Gattung der Gemeinen Tinnitosa Mimosa

Mal eins vorweg: NEIN, ich mache mich hier NICHT lustig über Tinnitus-Patienten! Ich weiß das durchaus einzuschätzen, diese Belastung, auch wenn ich selbst nicht unter Tinnitus leide.
Aber was soll ich sagen... Ich leide trotzdem!
Nämlich unterm Patienten!
Es gibt sie ja, diese Co-Abhängigkeit oder - wie formuliere ich das mal in meinem ganz persönlichen Fall - diese Co-Betroffenheit.

Seit der Mann unter anerkanntem Tinnitus leidet (sowohl körperlich als auch mental), leide auch ich!
Warum? Er sagt, er habe immer schon sehr gute Ohren gehabt. Jetzt aber hört er ALLES. Überdeutlich ALLES. Selbst den allerleisesten Pups - den würde er nicht riechen, aber hören! Selbst drei Zimmer weiter! Und wir haben doch nur zwei, aktuell jedenfalls noch.
Und ich muss jetzt aufpassen, und zwar auf die Dezibel, mit denen ich lache und spreche.
Ich muss jetzt auch aufpassen auf die Dezibel, mit denen ich in der Küche zu Werke gehe - und selbst darauf, wie hart meine zarten Finger auf die Tastatur trommeln.
Manchmal sage ich was in ganz normalem Umgangston zum Mann - und er verzieht das Gesicht: "Nicht so laut, bitte!"


Whaat??
Laut? Ich? Ich - der so oft gesagt wurde, ich sei die sanfteste Stimme, seit es Susi von Herzblatt gab? Ich - der man so oft sagt, sie möge doch lauter sprechen, man verstünde sie gar nicht?
Ich - der selbst der Mann so oft sagt "Redest du nicht mehr mit mir?", weil er meine zart gewisperte Antwort gar nicht gehört hatte? Obwohl dreimal wiederholt?

Nun ja.
Es ist nicht einfach, das kann ich Euch sagen!
Die lebhafte Seite jedenfalls wird hier fast erfolgreich unterdrückt - und entsprechend nur noch im Office in L ausgelebt. Vermutlich hört man mich da über alle drei Etagen lachen, laut, lebhaft, herzlich. Weil, ich muss das ja echt ausnutzen!
Anfangs schützte der Mann sich mit Ohrenstöpseln, nicht nur zu Hause, nein, auch in seinem Büro und überhaupt. Selbst nachts schlief er damit, weil er darauf besteht, dass ich schnarche!
Manchmal fand ich ihn morgens auf dem Sofa statt im Bett neben mir, weil er meinte: "Du hast echt sooo geschnarcht!"
Anfangs habe ich mich darüber lustig gemacht, später, weil er partout nicht davon abzubringen war, dass ICH schnarche, bestand ich auf einem Beweis. Eine Tonbandaufnahme sozusagen.
Hat er auch gemacht.
Was soll ich sagen...
Ich habe mir sein Handy mit der Aufnahme fast in den Gehörgang gequetscht, weil ich nix gehört habe. Ich schwörs! Die Katzenbesitzer oder -liebhaber unter Euch werden wissen, wie das Schnurren einer Katze klingt, wenn sie sich wohlfühlt. So in etwa schnurre ich manchmal nachts, wenn ich aus dem Tiefschlaf komme und übergehe in den leichten Schlaf, der es mir ermöglichen würde, bei Gefahr im Verzug aus dem Bett zu springen. Oder der es mir ermöglicht, auch mal nachts aufzuwachen und nicht gleich wieder einschlafen zu können.
An einer solchen Stelle habe ich mich wirklich mal köstlichst amüsiert, als der Mann neben mir lag, auf dem Rücken, beide Arme von sich gestreckt, im Hals ein deutliches musikalisches Intermezzo - und dann wacht der auf, stupst mich an und sagt: "Orrr du schnarchst schon wieder, hör auf!"

Sein Tinnitus ist übrigens nicht das allseits bekannte Pfeifen im Ohr, sondern ein Brummen. Ein sogenannter Tiefton-Tinnitus. Möglicherweise heilbar sogar.
Ich kann wirklich gönnen, ehrlich, das schwöre ich, aber in dem Falle wünsche ich UNS BEIDEN, dass DAS gelingt!

Donnerstag, 5. Mai 2016

Kategorie Fundstücke: Die Entschuldigung!


Gerade beim PC-Aufräumen gefunden und herrlich breit geschmunzelt.

Manchmal vermisse ich sie doch wieder, diese Zeiten!

Aber immer vermisse ich Dich, mein Schmunzelhase!

Go your own way - solange Du immer wieder nach Hause kommst!

Mittwoch, 4. Mai 2016

Die Gefühle der Moderne



Vor einigen Tagen hat sich eine weitere Bloggerin für immer verabschieden müssen. In Posts verschiedener Blogs wird - was mir auffällt - immer wieder betont, dass jene Bloggerin nichts von Gefühlsduseleien, nichts von Sentimentalitäten hielt. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der eine oder andere Nachruf sonst womöglich doch... gefühlsvoller ausgefallen wäre.

Ich lehne mich einmal mehr nach dem Lesen zurück, lege den Kopf nach hinten, fixiere irgendeinen Punkt an der Decke oder schließe für einen Moment die Augen.

Als ich noch ein Kind war, war ich vor allem eines: impulsiv und gefühlsbetont. Jede meiner Regungen waren überdeutlich ins Gesicht geschrieben, die positiven wie die negativen; in meinem Gesicht konnte man lesen wie in einem Buch, meine ganze Körpersprache war immer eine eindeutige, unmissverständliche. Das war auch dann noch so, als ich zur jungen Frau heranwuchs. Und ich war anhänglich. Keine Klette, aber anhänglich. Liebebedürftig.
Wann sich das verändert hat, weiß ich nicht sicher. Vielleicht in den Jahren, in denen ich allein mit meinen Söhnen lebte? Weil die Liebe zu den Kindern eine andere ist als die Liebe zu einem Mann? Und ich lernen musste, mit dem, das ich zu geben hatte, umzugehen und es bei mir zu behalten?
Und weil ich feststellen musste, dass es Menschen gibt, die mit einer gewissen Gefühlstiefe gar nicht umgehen können oder wollen? Weil ich feststellte, dass es besser war, das eine oder andere für mich zu behalten, weil es einfacher ist, mit einem Schmerz zu leben, wenn man sich vorher dafür nicht komplett entblößt hat?

Wenn ich so darüber nachdenke, dann bin ich heute in meinen Gefühlsbekundungen wesentlich reduzierter als noch vor Jahren. Wobei ich eher immer schon ein Mensch war, der schwer sagen kann: "Ich liebe dich" - aber der es liebt, das auszudrücken, in Gesten, in Umgangsweisen. So ein bisschen unterkühltes Nordkind steckt vielleicht auch immer noch in mir.
Inbesondere nach dem Lesen der letzten Nachrufe frage ich mich zugleich: Was ist eigentlich so falsch daran, Gefühl zu zeigen? Was ist so falsch daran, sein Gefühl, seine Liebe, seine Trauer auszuleben, auszudrücken? Warum müssen wir uns eigentlich ständig hinter einem Mantel aus Härte & Größe verstecken, anstatt uns genauso verletzlich zu zeigen wie wir sind? Warum können wir nicht offen zu uns selbst stehen und zu dem, das wir fühlen und empfinden?
Weil es uns verwundbar macht? Weil genug Arschlöcher kommen, die uns zerstören könnten? Weil es uns schwächt? Weil unsere Schwäche uns lähmt?

Sind die Menschen, die Gefühl, Liebe, Trauer zeigen, alle schwache Kreaturen - und nur die Harten, Unbezwingbaren die wahren Großen? Ich hoffe das nicht... Ich hoffe so sehr nicht, dass Gefühle "aus der Mode" gekommen sind.

Helen Nelson, eine Frau aus Conneticut, hat nach ihrem Nahtoderlebnis einen Satz ausgesprochen, der sich tief in mir eingeprägt hat:

"Die Liebe ist der innerste Kern unseres gesamten Seins, der Kern dessen, worum es im Leben wirklich geht."

Ich empfinde es völlig genauso. Sollten wir dann nicht aufhören, so zu tun, als hätten wir weniger oder auch gar kein Empfinden?

Dienstag, 3. Mai 2016

Feed Your Head




Ich kanns kaum beschreiben, aber diese Video-Trilogie mit ihrem Hauptdarsteller geht mir so unglaublich unter die Haut. Natürlich habe ich mir gestern Song 1 und 3 gekauft, aber ich höre die Musik weniger als dass ich bei youtube das Video schaue. Wieder und wieder.

"Keine Zeit für Träumer?" frage ich mich unablässig, und manchmal steigt dabei unfassbare Traurigkeit in mir hoch. Er will so gern von sich abgeben, von dem, was die Musik in ihm auslöst - und jeder stößt ihn zurück, tritt auf ihm herum - und nimmt ihm schlussendlich das, was ihm so wichtig ist: die Musik. 
Das dritte Video "Feed Your Head" geht mir demzufolge richtig nah, denn es scheint, dass er schlussendlich aufgibt. Ganz aufgibt.
Und dann sitze ich vor dem Schreibtisch, lehne mich zurück und starre auf das Video und denke an all die tausenden Menschen, die schon vor ihm den Kopf voller Träume, Musik und Liebe hatten - und daran zerbrochen sind. 

Mich entsetzt immer wieder, wie viele Menschen immer mehr nur noch an sich selbst denken. Die nichts von sich abgeben, solange sie nicht auch was dafür bekommen, das sich in ihren Augen lohnt. Die nicht darüber nachdenken, was SIE in einem anderen auslösen. Was IHR Verhalten in dem anderen Menschen bewirkt. 

Manchmal macht mich das krank. Wenn ein Mensch leidet, der ungerecht behandelt wurde, dann macht mich das krank.  Und dann ziehe ich mich zurück - in meine Welt der Musik und in das, was die in mir auslöst. Sonst würde ich das manchmal auch nicht mehr aushalten können. 

Warum - verdammt!! - gibt es so wenig Liebe unter den Menschen???

...und am Ende ist es immer die Musik.



Anna hat gefragt, was uns hilft, mit uns im Reinen zu sein. Was uns zurückhilft, wenn wir vom Thron gestürzt sind - für einen Moment.
Bei mir kann es einfach immer nur die eine Antwort geben, weil es das einzige ist: die Musik.
Nur die Musik erreicht, mich aus dem Off zurück in meine Mitte zu bringen. Mich zurückzubringen in den sanften Pendel einer Sandfigur, die nach allen Seiten schwingt und die dennoch weiß, dass sie immer zu ihrer Mitte zurückkehren wird.
Je älter ich werde, desto intensiver wird dieses Gefühl.

Manchmal erwache ich morgens und habe schon irgendeinen Song im Ohr, obwohl noch alle Radios ausgestellt sind. Ich öffne die Augen und die Musik ist da. In mir. In meinem Kopf. In meinem Bauch. Und dann lächle ich, noch bevor ich aufstehe.

Manchmal geht es mir total elend, dann höre ich Klaviermusik und weine so lange und so hemmungslos, bis es keine Tränen mehr gibt. Bis die letzte trocknet und sich die Traurigkeit in neue Hoffnung kehrt. Neue Zuversicht.

Manchmal geht es mir so la la, dann höre ich Musik wie diese - und dann denke ich manchmal, all meine Blutkörperchen sind wie kleine Noten, die hin und her vibrieren. Dann tanzt meine Seele, dann möchte ich die Arme ausbreiten und die Welt umarmen.
Möchte abgeben von einem wunderbaren Lebensgefühl, weil ich doch weiß, wie endlich dieser Moment ist.

...aber Menschen sind auch Schweine.  Sie wollen viel zu oft nichts von Dir, solange Du es ihnen freiwillig geben willst - und treten Dich weg. Sie wollen entscheiden, wann sie es nehmen - und dann ist es egal, ob Du es noch möchtest oder nicht. Und dann nehmen sie einfach und gehen weg. Während Du noch dastehst und glaubst, Du bekämst etwas zurück.

Montag, 2. Mai 2016

Und ich dachte es auch: Arschloch!


Ja ich weiß, ein hartes Wort. Eins, das normalerweise nicht zu meinem Sprachschatz zählt.
Es sei denn, ich bin mit dem Auto unterwegs.

Oder höre einer Frau zu, die gerade in ihrem Mantel und doch irgendwie nackt, so vollkommen entblößt am Ufer steht und für alles das, das ihr wichtig war und ist, einen Stein in das Wasser vor ihr wirft. Die Abschied nimmt, wo sie nicht Abschied nehmen wollte.

Sie erinnert mich Post um Post an die eigenen Jahre, in denen man allein durch die Welt und durch das Leben tingelte, hierhin schaute, dorthin schaute, hier einen entspannten Abend verbrachte, dort einen aufregenden Moment. Allein, wenn auch nicht einsam. Gemeinsam und doch nicht zugehörig.
Am Ende eines Tages ist man selbst es, der allein heimgeht, die Flasche Wein öffnet und mit sich selbst auf das Leben und die Liebe anstößt. Anfangs voller Zuversicht und Hoffnung, und mit jedem Monat, mit jedem weiteren Jahr, das sich auf diese Perlenkette reiht, verdichtet sich die Frage:
"Was ist falsch an mir? Was fehlt bei mir?"
Mit jedem Monat, jedem Jahr mehr streift man durch die Stadt, durch die Parks, lächelt den Pärchen zu, die sich verliebt in der Sonne küssen, man freut sich für sie, doch wenn man heimkommt, weint man in das Kissen und verzweifelt an sich selbst.
Man schaut den Pärchen zu, die händchenhaltend durch die Stadt bummeln, ein Eis essen, miteinander sprechen oder auch nicht; oder auch die anderen Pärchen, die einander überhaupt nicht mehr nur nicht sehen, sondern auch nicht mehr wahrnehmen, obgleich sie nebeneinander stehen und gehen. Nebeneinander eben, nicht miteinander, sie keifen sich an, bedenken sich mit Abwertungen - und man selber steht daneben und fragt sich: "Und wieso hat sie dann einen Mann und ich nicht?"
Was macht es, dass der Mann in jüngeren Jahren bindungsunwillig ist, weil er noch nicht alles im Bett hatte, das bei Drei nicht auf den Bäumen war, und dass er in älteren Jahren, wenn er dann doch mal in einer längeren Beziehung war, die dann endete, auch nur wieder mehr erleben möchte; alles, aber nicht binden?
Ja, ich weiß, das klingt pauschaliert und ich weiß auch, dass das nicht allgemeingültig ist.
Doch während einer Studie zufolge die Jugend mehr und mehr zur Stabilität und Geborgenheit einer Familie zurückkehren möchte, quellen die Singlebörsen gefühlt über vor Dreibeinern, die den gelegentlichen Sex präferieren, aber bitte bloß nicht verbindlich. Was frau auch nicht zwingend sofort erfährt, zu oft erst nach dem ersten Sex.
Mit welchem Recht bildet der Mann sich eigentlich ein, dass er mit den Jahren immer besser wird, während die Frau ab 40 nicht mal mehr einen Blick wert ist? Was glaubt er, das ihn besser macht? Dieselben Falten im Gesicht oder dass ihm Haare aus Nase und Ohren wachsen - im gleichen Verhältnis zum Bauch über Gürtel? Ob der Mann je darüber nachgedacht hat, wie albern er wirkt, wenn er betont jugendlich sein möchte, nur damit die Frau unter 30 ihn überhaupt eines Blickes würdigt? Ist doch alles Kinderkacke, wirklich.

Und während ich S. zuhöre, ihre Worte lese, das Ergebnis lese, denke auch ich spontan: Arschloch!
Auch wenn mein Gefühl mir sagt: Ist er nicht. Er ist keins dieser Arschlöcher. Weil er zu sich steht und zu dem, was er immer wollte.
Ich denke es trotzdem. Erst mal. Weil er ihr Schmerz zugefügt hat.

Und dann denke ich weiter. Denke an die Zeit früher, denke an die Zeit heute und versuche mir vorzustellen: Wie wäre es denn, wäre ich wieder Single?
Was wünschte ich mir für mein Leben?
Wie würde ich es leben wollen?
Ich weiß, dass ich keinen Mann brauche, um überleben zu können.
Aber ich weiß, dass es mit einem Mann einfach... vollkommener ist. Weil er etwas an mir und in mir ergänzt, das ich nicht habe und das ich nicht bin. Was ich vielleicht auch nicht möchte und auch nicht sein will - aber er ergänzt es wohltuend.
Aber würde ich dann noch mal mit jemandem zusammen leben wollen?
Ich denke an Herrn Blau und an unseren Nestbau. Schön ist das. Gerade muss ich lächeln, weil ich denke: Allein wäre es vermutlich in vielem unkomplizierter gewesen - weil er mehr Dinge sieht als ich - oder sie sehen will. Ob uns das manches Mal gerettet hat? Vielleicht. Wer weiß das schon.
Aber möchte ich das alles noch mal mit einem anderen Mann?
Nein.
Weil ich es mir nicht vorstellen kann.
Entweder mit ihm oder mit keinem mehr. Nicht der Frustration wegen. Aber ich habe es gelernt, allein zu leben. Ich habe es gelernt, mir selber genug zu sein. Ich würde es stattdessen genießen wollen, dieses Leben. Mit Malen, mit Musik, Milchkaffee nachts ein Uhr, während "Medical Detectives" über die Leinwand flimmert und ich argwöhnisch jede Bewegung draußen vor dem Fenster registriere. Erdgeschosswohnung? Niemals. Unter dem Dach, ja, kuschlig und heimelig.
Ich wäre dankbar für Freundinnen, die zu einem spontanen Städtetrip rufen oder mit einer Flasche Wein vor der Tür stehen.
Vielleicht würde ich zur Ergänzung auch einen Mann in meinem Leben wissen wollen.
Vielleicht, so genau weiß ich das nicht.
In meinem Leben vielleicht. Aber nicht mehr in einer gemeinsamen Wohnung. Nicht mehr so verbindlich.

Das wäre der Plan. Ein Arschloch-Plan?
Einer, der zwangsläufig verletzen muss, weil einem eines Tages eben doch die Gefühle einen Strich durch das alles machen?


Sonntag, 1. Mai 2016

Mama Don't Cry



Als ich am Dienstag durch das halbe Land fuhr, glaubte ich, ich würde spinnen. Hier war fast Frühling, entsprechend meine Kleidung. Unterwegs dann Schneetreiben über die Straßen hinweg, Schneeregen, Sturm - und als ich das Ziel erreichte, sprang ich bei herrlichstem Sonnenschein in meinen leichten Canvas-Turnschuhen aus dem Auto und begrüßte einen wundervollen Frühling, einen herrlich blühenden Kirschbaum und entwickelte eine solch erstaunliche Energie, die ich dann angesichts der Jungen-Behausung auch spontan umsetzte.

"Du musst das doch nicht machen", verdrehte Sohnemann I die Augen.
"Weiß ich", entgegnete ich fröhlich, "aber auch in den zwei Tagen will ich mich wohlfühlen und nicht zwischen leeren Flaschen, Stinksocken und Süßkrampapier schlafen."
Außerdem entdeckte ich bei dieser Aufräumaktion Sohnemanns Kassenbon für das defekte Headset. Ein Headset für immerhin 99 Euro.
"Du hast das immer noch nicht umgetauscht? Hast du zuviel Geld?"
Und ich entdeckte von Sohnemann II den Antrag auf Fahrtkostenzuschuss über immerhin 80 Euro - Abgabeschluss 2. Mai.
Sagte ich schon, dass ich die digitalen Zeiten mit ihren Erfindungen von digitaler Unterschrift und so liebe? Was man heutzutage alles gerade noch so regeln kann in Abwesenheit anderer....

Und dann war er wieder da, der "Kleine", geschafft nach einer Woche Biwak mit allem Drum & Dran, müde und k.o. - und dann hing er an meinem Hals "Ich bin echt froh, dich mal wiederzusehen."
Vier ganze Wochen hatten wir uns nun nicht mehr gesehen und je mehr wir darüber nachdachten, umso mehr erschloss sich uns, dass wir so lange noch nie voneinander getrennt gewesen waren.
Hier spürte ich einmal mehr dieses unsichtbare Band zwischen uns, so wundervoll stark und eng, und als wir uns am Abend voneinander verabschiedeten, ich wieder die Heimreise antrat, da fand ich, dass die Zeit mit ihm, so privat mit beiden Söhnen, irgendwie viel zu kurz gewesen war.
Wir hatten uns so viel zu sagen, so viel zu erzählen, während ich nebenbei Essen zubereitete und die Waschmaschine gemütlich grummelte. Irgendwie finde ich immer wieder, dass das Rummeln der Waschmaschine ein so wunderbares Gefühl von einem Zuhause vermittelt, in dem es warm, ordentlich und eben gemütlich ist. Wo es nach frischgebackenen Keksen, Kaffee und Tee atmet und der Junge seinen Kopf auf meinen Schoß bettet, er erzählt und beinah einschläft dabei.
Das sind genau die Momente, die ich so liebe, die nur den Jungs und mir gehören, in denen sie mir erzählen, wozu man in der Hast des Tages einfach nicht kommt, an die man nicht denkt, die man auf später verschiebt.
Ihnen mit fünf gespreizten Fingern durch das Haar zu fahren, während sie erzählen.

In einer Woche beginnt die Schießausbildung - für zwei Wochen.
"Diesmal mit scharfer Munition", sagt der Junge und er sagt auch, dass er Respekt davor hat.
"Da gibts schon Leute, die ziemlich konfus und unsicher sind. Wenn die die Knarre nicht richtig halten oder vor Schreck damit rumfuchteln, dann gute Nacht. Uns wurde von den Ausbildern schon gesagt, dass immer mal was passieren kann und auch passiert ist."

Ich habe sie an mich gedrückt, sie alle beide.
Ich bin nicht bereit, auch nur einen von beiden herzugeben. Für keinen Wahnsinn dieser Welt.
"Was auch immer du machst und was auch immer du tun willst - versprich mir nur, dass du immer auf dich aufpasst. Dass ihr auf euch achtgebt", sagte ich.
Im Herbst wird er sich erneut bei der Polizei bewerben.
Dass er in der letzten Runde - im Arztcheck - rausflog, weil sich sein Puls nicht innerhalb einer bestimmten Zeit auf einen bestimmten Wert korrigierte, sieht er nunmehr eher sportlich: "Wenn man eins beim Bund bekommt, dann Kondition. Das merke ich schon jetzt. Dann habe ich sicher bessere Chancen beim nächsten Mal."

Mir ist alles recht.
Solange es ihnen gut geht und sie glücklich sind.

"Mama don't cry"