Montag, 19. Februar 2018

Vegetable Detectives oder: Dem Übeltäter auf der Spur

Meine kratzige Stimme aus Hessen hat früher öfter mal wohlwollend über mich gespottet, wenn ich im Dialog in irgendwelchen Zusammenhängen erwähnte, dass ich gerne ein gemütliches, ordentliches Zuhause habe (Er bezeichnete das gerne mal als waschechten Putzfimmel, hingegen denke ich ja: Wer einen echten Putzfimmel hat, der bekäme bei mir vermutlich eher Schnappatmung.) und dass sich auch mein Essverhalten in den letzten Jahren deutlich veränderte.
Manchmal denke ich mich in das Jahr 2002 zurück, in dem ich erstmals entdeckte, was ein Milchkaffee ist und dass mit einer Latte durchaus Kaffee gemeint sein kann.
Das Jahr, in dem ich die Stadt entdeckte, an deren Rand ich bereits seit 14 Jahren wohnte, wundervolle Ecken, Studentenkneipen, Nachtbars - und eben wirklich gutes Essen. Anderes Essen.
Fingerfood. Tapas. Bruschetta. Antipasti. Kapernbeeren. Italienisches Essen, französisches Essen - bis heute meine unangefochtenen Favoriten, auch wenn ich hier noch ganz viel Entdeckungsbedarf habe.
Ein Jahr später jedenfalls wohnte ich dann allein mit meinen Söhnen - und ganz langsam begann ich auszuprobieren: Wie schmeckt dies und jenes, wenn man es selbst und frisch zubereitet? Wie schmeckt gesundes Essen?
"Du Müsli!" spottete die Hessenkratze ein ums andere Mal - und ich lachte nur darüber.
Ich muss aber auch zugeben, dass ich diese Ideen und Inspirationen erst wirklich umzusetzen begann, nachdem ich mich halbwegs aus den finanziellen Sorgen herausgewühlt hatte. Also relativ spät während meiner Singlezeit. Da ist also noch ganz viel Luft nach oben zur Perfektion. Wobei... Nach Perfektion strebe ich gar nicht, nie, denn Perfektion finde ich gähnend langweilig.

Mit dem Kennenlernen von Herrn Blau entwickelte ich dann erst so richtig die Liebe zum Essen zubereiten, ich entdeckte, wie viel Spaß es machte, auszuprobieren, zu überraschen - und dass er manchmal nur tapfer nickte "Hm, ja, doch, ist gut." Ich hab nichts gegen ehrliche Aussagen, aber ich bin doch schon froh, dass bei mir noch nicht wie bei einem meiner Ex-Freunde der Ehemann wortlos aufstand und das Essen im Klosett versenkte.

Vor drei Wochen waren wir abends zu Gast bei Freunden des Mannes. Zum ersten Mal wagte ich mich an einen Flammkuchen heran, mit selbst angerührtem Hefeteig und so. Mit Hefe habe ich übrigens noch niemals experimentiert, aber ich hatte doch recht gehörigen Respekt davor.
Egal. Nur den Mutigen gehört die Welt, sagte ich mir und griff beherzt ins Regal und zur Hefe.
Es hatte auch alles super funktioniert - bis zu dem Moment, wo es hieß: "Verkneten Sie den Teig gut und rollen Sie ihn aus." Nun. Das, was mir aus der Schüssel mit einem Plopp! entgegensackte und sich leicht fließend auf dem bemehlten Brett ausbreitete, ließ sich ja nun nicht wirklich kneten und erst recht nicht ausrollen. Das war der Moment, wo mir erstmals kleine Schweißtröpfchen auf die Stirn gerieten: "Was, wenn ich DIESEN Versuch komplett versemmle und wir dann nix anderes haben als den Salat der Gastgeber?"
Was soll ich sagen: Der Flammkuchen gelang, wir hatten ein leckeres Abendmahl, ein Glas Wein dazu - und dazu eben jenen Salat, der mich faszinierte: Babyspinat, geraspelte Möhren und Äpfel, große knackige Heidelbeeren und gehackte Nüsse dazu. Ich erlaubte mir, zweimal davon zu nehmen, war ja auch genug da. Und die Gastgeber freut es schließlich, wenn aufgegessen wird. Loben kann man ja viel...
In der folgenden Nacht erwachte ich, geschüttelt von Magenkrämpfen, verbrachte ich eine geschlagene halbe, dreiviertel Stunde im Badezimmer, bis ich mir völlig sicher sein konnte: Da kommt jetzt nix mehr, egal aus welcher Öffnung.
Der Sonntag und der Montag waren gelaufen, ich fühlte mich wie im Würgegriff einer mittelschweren Grippe und erfuhr so nebenbei von einer Freundin, dass ihr und ihrem Kind es gerade ähnlich zu gehen schien. Jetzt fragt mich nicht, wo man sich anstecken kann, wenn man im Home Office arbeitet - aber irgendwo schien ichs doch mit aufgeschnappt zu haben.
Kaum erfolgreich genesen, beschlossen der Mann und ich beim nächsten Einkauf: Den Salat basteln wir uns nach - der war lecker!
Samstags eingekauft, montags zubereitet und genüßlich verspeist, mit Nachschlag, weil der Mann bereits satt war - und in der folgenden Nacht dasselbe Szenario: Magenkrämpfe, Badezimmer, ganze zwei Tage völlig außer Gefecht gesetzt und noch mal zwei, drei weitere Tage bis zur völligen Genesung.
"Mir gehts auch noch nicht so gut und der Kleinen auch grad nicht", vermeldete die Freundin und ich dachte noch so bei mir: "Was ist hier los im Staate, das is aber vielleicht mal hartnäckig, der Scheiß!"
Beinah quer durchs ganze Land häuften sich inzwischen die Meldungen von Freunden, Bekannten und aus der Familie: alles krank. Magen-Darm-Befindlichkeiten oder grobe Erkältung.
Also beschlossen wir: Wir müssen uns wappnen. Mit frischem Obst und Gemüse und - ich kanns langsam weder hören, geschweige denn schmecken: Ingwer. Ja verdammt, das ist schon gut. Aber ich tät schon auch ganz gerne mal wieder etwas genießen, das eben NICHT nach Ingwer brennt.
Also gab es vergangenen Samstag ein Smoothie unserer Wahl: Babyspinat, rote Bete, Äpfel, Mango - und der unvermeidliche Ingwer.
Ihr ahnt es, oder?
Genau. Es sah ja auch ein bisschen.. gewöhnungsbedürftig aus, das Ganze. "Wie Kacke in der Schüssel", grinste der Mann noch, als er servierte. Ich habe mir dennoch ein zweites Mal genommen.
Hätte ichs mal besser gelassen!
Wenn man nachts um drei Uhr schätzungsweise fünfundvierzig Minuten nicht aus dem Badezimmer wieder herauskommt, dann hat man dort nach den ersten Anfällen genug Zeit und Muße zu rekapitulieren: EY WAS GEHT HIER EIGENTLICH AB???
Also mit zittrigen Händen zum Telefon gegriffen und mal ein wenig gegoogelt und an folgender Aussage unter www.christine-knauf.de hängengeblieben: "Wussten Sie schon, dass Oxalsäure zu Befindlichkeitsstörungen oder schweren Erkrankungen führen kann?" Ähm. Ne. Ich wusste nicht mal, dass es Oxalsäure überhaupt gibt. Enthalten unter anderem in frischem Spinat und in roter Bete. A-ha!
"Diese Substanz ist für viele Personen völlig ungefährlich, bei entsprechender Disposition kann sie aber zu vielfältigen Beschwerden und Nierenerkrankungen führen." und "Die Aufnahme größerer Mengen kann auch zu heftigen Magen-Darm-Beschwerden führen."
Das war ja so klar.
Wie sagte einst doch der Kinderdoc? "Ich denke immer, alles bei Ihren Jungs ist das und das und kann ich so und so behandeln - und dann kommt alles IMMER ganz anders."
Nun. Sie werdens wohl von mir haben.
Da willste einmal gesund leben...
"Rauch lieber mal eine, du Müsli, und du wirst sehen, du bist so fit wie ich", hat die Hessenkratze immer geschmunzelt. Denke ich an meinen Vater und dessen fünffachen Bypass vor elf Jahren, dann glaube ich ihm eher nicht. Aber auffallend ist schon, dass die Hessenkratze immer gesund ist - und ich nicht!
Was übrigens die beste Therapie ist im aktuellen Fall? Na das wusste ich dann auch ohne www.
Den Anfall aushalten und in Zukunft die Zutaten meiden oder wenigstens vorher kochen.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Blöder Valentin

Es gab mal eine Zeit, da fand ich den Valentinstag schön. Einander zu zeigen, dass man sich liebt. So wie an Geburtstagen, an Weihnachten und hoffentlich dem ganzen sonstigen Jahr über auch.
Einen besonderen Tag extra auch für die Liebe zu haben, daran fand ich irgendwie nix Schlimmes. Vor allem deshalb nicht, weil die Liebe für mich immer noch zu den wenigen elementaren Dingen im Leben gehört.
Hübsche Wäsche anziehen, Kinokarten besorgen, eine gemeinsame Badewanne mit allem Drum & Dran, eine Rose ins Büro schicken lassen (und nicht wissen, dass der Mann genau ab dem 14. für drei Tage nicht dort sein wird - das arme Ding! Also die Rose! Drei Tage im Pappkarton, ohne Licht und das Wasser inzwischen... na ja.) - na ja, so Dinge halt. Nicht jedes Jahr dasselbe, e bissl Überraschungseffekt sollte schon noch sein. Aber...
Aber irgendwann wurde es mir irgendwie  zuviel: Kaum ein Medium, das einem nicht schon mindestens zwei Wochen zuvor auf inzwischen sehr penetrante Weise verdeutlichen wollte "Kauf mich! Denk dran - es ist der 14.!" Ich weiß nicht, aber irgendwie verlor es seinen Reiz für mich. Wenn ich etwas soll, dann mag ich es nicht mehr. Und je mehr ich etwas soll, desto weniger mag ich es. Etwas von sich selbst heraus zu wollen und dann den anderen überraschen, das finde ich dann doch sehr viel schöner.

Die letzten Monate waren ziemlich anstrengend für mich, beruflich und privat. Angespannt bis unter die Haarwurzeln, und dass das Jahr 2017 zuende ging, hat mich denn dann doch auch wirklich erleichtert. Schön für die, denen es anders ging - meins war trotzdem keins, das ich so bald wieder haben muss. Ich kann auch nicht sagen, dass der Januar besser wurde. Dennoch stellte ich fest: Der Januar war nicht gar so düster wie sonst. Normalerweise vermisse ich bereits im Januar den Sommer, vermisse die Wärme, die Sommerkleidchen, die Sandalen, die Sonne auf der Haut und den feinen Sand zwischen den Zehen, den Geruch von salzigem Wasser in der Nase und den Geschmack dessen auf meiner Zunge... Winter ist meine Sache nicht, kann ja auch nicht, ich bin ja ein Frühlingskind und werde wohl auch immer eins bleiben, nicht nur, weil ich in dieser Zeit auf diese Welt gekommen bin.
Gleichwohl - es ist Mitte Februar geworden und ich fühle mich immer noch so geduldig und ruhig: Alles hat seine Zeit, ich kann warten.
Vielleicht bin ich ja auch einfach nur zu müde, um angespannt zu sein, um mich aufzuregen, mich zu echauffieren, auf den Tisch zu hauen - was weiß ich. Fakt ist: In mir ist alles gerade ruhig. Sehr ruhig.
Und ich fühle mich.. anlehnungsbedürftig. Ziemlich sehr anlehnungsbedürftig sogar. Ich will zu Hause sein, in meinem Wohlfühlnest, ich will daran herumbauen und herumbasteln, ich will Wände anmalen und Möbel umstellen, ich will mich freuen können, wenn der Mann nach Hause kommt, ich brauche keine Blumen von ihm, aber ich möchte sehen, dass er... mich sieht.

Eine Geliebte, eine Frau in einer dauerhaften Beziehung und eine Ehefrau chatten regelmäßig miteinander.
Während eines 'Gesprächs' beschließen sie, ihre Männer zu überraschen und ihr Liebesleben aufzupeppen.
Sie kaufen alle drei eine schwarze Augenmaske, eine schwarze Ledercorsage zum Schnüren, schwarze Netzstrümpfe und schwarze Lackoverknee-Stiefel bei Beate Uhse ein und verabreden sich für den nächsten Termin.
Drei Wochen später ist es soweit. Sie chatten und berichten sich ihre Erfahrungen.

Zuerst die Geliebte:
Ich habe mir das Outfit angezogen, darüber nur einen Trenchcoat getragen, die Maske in der Manteltasche, dann bin ich in das Büro meines Geliebten, habe die Maske aufgesetzt und den Mantel zu Boden gleiten lassen. Er hat mich wortlos und ebenso hemmungslos auf dem Schreibtisch vernascht, wir hatten atemberaubend guten Sex und danach hat er mir seine Kreditkarte für eine Shopping-Tour überlassen!

Dann die Frau in der Langzeitbeziehung:
Mein Lebensgefährte kam abends nach Hause, er war total begeistert, wir haben uns wundervoll geliebt in dieser Nacht und bevor wir im Morgengrauen Arm in Arm eingeschlafen sind, hat er mir gesagt, wie sehr er mich liebt und mir dann einen Heiratsantrag gemacht !

Darauf die Ehefrau:
Nimm den Antrag bloß nicht an! Ich habe die Wohnung auf Hochglanz geputzt, die Kinder zu meiner Mutter verfrachtet, das Outfit angelegt und auf ihn gewartet. Er kam heim, holte ein Bier aus dem Kühlschrank, schaltete den Fernseher an und brüllte dabei über die Schulter in die Küche :
"Hey Batman, was gibt's zu Essen !?"


Nun ja. Wir sind zwar nicht verheiratet, aber offensichtlich über die Langzeitbeziehung auch schon weit hinaus.

Blöder Valentin.


Donnerstag, 8. Februar 2018

28



28 Jahre.
Ich kann noch gar nicht glauben, dass Du 28 Jahre geworden bist, wenn Du heute Morgen Deine Augen öffnest und ganz verschlafen schaust, ob vielleicht das Frühstück schon fertig sein könnte.
Ich kann noch gar nicht glauben, dass ich Deine Mama bin, wenn ich in den Spiegel schau. Denn eigentlich... fühl ich mich kaum älter als Du es jetzt bist - und wenn ich an Dich denke, dann sehe ich Dich vor mir, wie Du als kleiner Junge warst, mit hellen Haaren, einem verschmitzten Blick und dieser unfassbaren Neugier. Alles wolltest Du wissen, alles wolltest Du erkunden und auf alles wolltest Du immer eine Antwort haben. Keine, die so dahergeredet wurde. Du wusstest genau, ob man Dir zuhörte oder nicht. Und diese unglaublich feinen, sensiblen Wahrnehmungen hast Du Dir bis heute bewahrt, vielleicht sogar noch einmal mehr verfeinert.
Doch heute versteckst Du Dein Wesen hinter einem zurückgezogenen Ich, das viel allein ist, viel zu viel allein für mein Empfinden. Eine Kostbarkeit, ein Diamant irgendwo zwischen all den Kieselsteinen, verborgen und irgendwie doch.. nicht zu übersehen..
Manchmal denke ich.. ich habe Dich lange, sehr lange mit mir herumgetragen und wenn ich mir heute wünschte, Dich in andere Hände legen zu wollen, dann nicht, weil Du mir zuviel geworden wärst. Das kannst Du gar nicht, das kannst Du nie niemals - aber ich weiß auch, dass es noch sehr viel mehr in Deinem Leben braucht als Du in diesem Moment bei Dir hast. Ich weiß, dass Du mich liebst, und ebenso weiß ich, dass Du zu Deinem Glück noch etwas anderes brauchst.
Das wünsche ich Dir so sehr, das wünsche ich Dir von ganzem Herzen - nicht nur heute, jetzt und hier, wo Du, Dein Bruder und ich gemeinsam feiern, dass Du da bist, dass Du bei uns bist, dass wir Dich haben.
Heute wirkst Du von außen manchmal unbeteiligt, manchmal ruppig, manchmal sehr in Dich gekehrt, und wenn man dies beklagt, dann denke ich immer.. dass es so leicht ist, viel zu leicht, eine Nuss zu knacken, die eh schon halb geöffnet ist. Und dann denke ich wieder, dass es eigentlich.. so einfach ist, Dich für sich einzunehmen. Solange man es ehrlich mit Dir meint. Solange man Dich ernst nimmt. Solange man DICH sieht. Und wenn man auf Dich zugeht - denn um das zu tun, bist Du selbst viel zu schüchtern.

Manchmal wünschte ich, Du würdest wenigstens weniger rauchen, wenn Du es schon nicht ganz sein lassen kannst.
Manchmal wünschte ich, Du würdest viel mehr auf Dich achtgeben, indem Du frühstückst oder wenigstens über den Tag etwas zu Dir nimmst, wenn Du Tage zu Hause verbringst. Nicht mit nackten Füßen auf die Terrasse gehst zum Rauchen, während die Minusgrade klirrend über die Haut kriechen und die Härchen aufrichten lassen. Dass Du es nicht nur versprichst, sondern auch tust.
Manchmal schmunzel ich nur, wenn ich hier bei Euch ankomme, meine Tasche abstelle, Dir durch das kurze Haar wusele und Dir einen Kuss auf das Haar gebe und Du Dich beklagst: "Jetzt geht DAS wieder los!"
Manchmal tut mir weh, wenn Du Dich inmitten einer Gruppe von Menschen mehr allein fühlst als an Tagen, die Du wirklich allein verbringst.
Manchmal tut mir weh, wenn Du über Deine Wünsche und Träume sprichst und zugleich hinzufügst: "Na ja aber wer weiß, ob das je mal was wird."
Manchmal tut mir weh, wie wenig Du an Dich glaubst und wie viel Zuversicht Du trotz alledem besitzt.
Du gibst nicht auf, das hast Du niemals - aber mir wird beklommen in der Seele, wenn Du sagst "Du kennst mich, eigentlich bin ich Optimist. Aber manchmal fällt es sogar mir schwer, optimistisch zu bleiben."
Dann sprechen wir manchmal ewig lang miteinander oder schauen Deine Lieblingsserie, deren Dialoge Du bereits im Vorfeld fehlerfrei wiedergeben kannst und worüber wir dann lachen - oder hören uns stundenlang durch die Musik, laden die Songs, die Du in Deinen Ohren haben möchtest, wenn Du stundenlang durch die Straßen oder hinunter zum und um den See läufst, egal, ob tags oder abends, sommers oder winters.
Du kommst zur Ruhe, wenn Du laufen kannst, Du findest Ruhe, wenn Du Deine Musik dabei hast - und darin bist Du mir so ähnlich: in der Liebe zur Musik, in dem Glauben daran, dass vielleicht doch eines Tages alles gut wird und in der unerschütterlichen Kraft, immer wieder neu aufzustehen, weiterzugehen, an das Gute zu glauben und irgendwie darauf zu vertrauen. Du malst so gerne wie ich, auch wenn Du es seit Ewigkeiten leider nicht mehr getan hast. Bücher sind Dir zu aufwendig, aber Sportzeitschriften liest Du so intensiv, dass Du hernach beinah alles auswendig kennst.
Dein Wissen über Fußball überrascht selbst eingefleischte Fans wie Deinen Opa.
Wenn Du nur mehr an Dich selbst glauben könntest... Mehr denn je möchte ich alles dafür geben, DIR selbst zu vertrauen. Auf das zu vertrauen, das in Dir liegt. Du Mensch mit dem Herz aus Gold, wie Dein Bruder immer von Dir sagt. Denn dann kannst Du alles erreichen, alles, was Du möchtest. Lass Dich niemals beirren, lass Dich niemals zerreden, lass Dich niemals zerbrechen. Vertraue Dir, denn Du hast ein wahnsinnig gutes Gespür für Menschen und Situationen. Ich weiß, dass Du Deinen Weg finden wirst. Alles in Deinem Leben hat etwas länger gedauert, um zu werden. Aber es ist geworden. Lass Dir nie niemals einreden, dass etwas nicht geht. Wende Dich den Menschen zu, die an Dich glauben und die Dir sagen "Was willst du tun, was willst du erreichen? Was kann ich dazu tun?"
Weil jeder Mensch jemanden braucht, der bedingungslos an einen glaubt..

Ich liebe an Dir, dass Du Dich nie beklagst, niemals jammerst und Dich auch nicht verbiegst. Wenn Du Unrecht spürst, lässt Du Dich nicht darauf ein - und Unrecht ist das, was Dich richtig wütend machen kann. Dann vergisst Du alles - aber niemals Deine Loyalität. Wer Dich zum Freund hat, der hat Dich sein ganzes Leben lang, egal, was andere sagen. Ob das immer so gut ist, weiß ich allerdings nicht so genau ;) Wer Dich hingegen enttäuscht, das vergisst Du niemals. Du kannst verzeihen, aber nicht vergessen.
Du besitzt ein fotografisches Gedächtnis, aber Dinge, die Dich nicht interessieren, entfallen Dir hingegen sofort. Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie oft wir alles mögliche gesucht haben: Schlüssel, Portemonnaie, selbst die EC-Karte etc. Erst gestern Abend wieder und ich verstand Deine Seelenruhe nicht, mit der Du Dich entspannt aufs Bett warfst "Ach ich suche jetzt nicht."
"Du musst doch wenigstens nachgucken, wo dein Schlüssel ist?? Du hast schon mal einen verloren."
"Ich bin ja reingekommen, also muss er mindestens in der Wohnung sein."
So sehr ich Entspanntheit liebe - manchmal machste mich auch irre damit ;)
Vielleicht hätte ich Dir doch zum Geburtstag das T-Shirt kaufen sollen, auf dem steht "Ich bin nichts für schwache Nerven"?
Dann lachst Du - und ich liebe Dein wundervolles Lachen, das meine Seele zum Klingen bringt und das so wunderbar herzlich sein kann mit diesen tiefen Grübchen rechts und links.
Ich wünsche Dir ein Jahr, in dem wir wieder sehr viel öfter dieses Lachen sehen können.
Ich wünsche Dir DEIN Jahr.
Greif nach Deinen Sternen!

Alles Liebe zum Geburtstag.
Von Herzen, Deine Mama

Mittwoch, 31. Januar 2018

Erkenntnisse

So langsam dämmert mir, warum für ein Back oder auch Front Office am liebsten Studierte gesucht werden. Man kann ihnen genau die aufwendigen, diffizilen Aufgaben übertragen, an denen man mitunter bis in die späten Abendstunden sitzt und sich das Haar rauft und zu denen die Projektverantwortlichen keine Lust haben (jawohl, keine LUST!), gepflegt und pünktlich nach Hause gehen und sich den Bauch streicheln, der zeitgleich voller Bier läuft.
Und das alles zu einem wesentlich günstigeren Preis!

Ich kann mich ja in so einiges reindenken, aber verdammt, Technik habe ich nicht studiert! Da hilft auch eine Gehaltserhöhung nix!

Wenigstens habe ich heute wieder etwas über Excel gelernt. Auch gut. Immerhin.

Dienstag, 30. Januar 2018

I Hope You Are Happy


Eine Beziehung seit Jahren. Man wohnt zusammen, man lebt gemeinsam, man arbeitet gemeinsam an einem Projekt, nicht selten an 18 Stunden ununterbrochen je Tag.
Man will, dass es klappt, man will, dass es funktioniert, beruflich und privat, man gibt seine ganze Kraft, seine ganze Energie da hinein - und zerreibt sich dennoch im Lauf der Zeit.
Am Ende tritt er die Flucht nach vorn an, trennt sich, zieht aus, während sie zurückbleibt und nicht so recht weiß, wie ihr geschieht. Man arbeitet tagsüber gemeinsam weiter am Projekt, doch privat geht man eigene Wege.
Seit einem Jahr sind sie getrennt und während sie sich mit der Situation arrangiert hat und es ihr deutlich besser geht, sich auch eine neue Beziehung wünscht, hängt er ihr und der Beziehung nach. Auch wenn beide nach außen funktionieren.

"Ich glaube, sie hat sich mit der Trennung arrangiert", sagt der Mann.
Unsere Blicke begegnen sich.
"Ich glaube", antworte ich nachdenklich, "dass sie es einfach nur genießt, nicht mehr streiten zu müssen. Irgendwann will man einfach nur noch, dass es aufhört. Will man seinen Frieden in der Seele zurück."
Kleine Pause.
"Ständiger Streit macht alles kaputt, alles, selbst das größte Gefühl."

Montag, 22. Januar 2018

Der Fischer und seine Frau


Als ich vor exakt 15 Jahren (gerade erschrecke ich selber, wie viel Zeit tatsächlich vergangen ist - fünfzehn Jahre... Das ist eine so wahnsinnig lange Zeit und irgendwie doch.. wie gestern. Oder letzte Woche) auszog und die Ehe für beendet erklärte, begab ich mich aus dem gleichmütigen Fluss des bisherigen Lebens in den Strudel von Ereignissen, von denen mich nicht selten das Gefühl überkam, in einer kleinen Nussschale liegend auf dem offenen Meer zu treiben, mal mehr, mal weniger heftig bewegt. Heute, rückblickend, würde ich sagen: Mir passierte einfach.. das Leben. Das, was ich noch nicht kannte, als ich mit gerade neunzehn Jahren vollkommen überstürzt heiratete. Nur raus, nur weg. Das war keine Entscheidung aus Liebe, das war keine Ehe mit Liebe - das war eine Ehe mit unfassbar viel Unsicherheit auf beiden Seiten, mit ganz viel Druck und Enge - und nicht zuletzt Gewalt. Ein Ende der Ehe mit der Erkenntnis: Wen Du wirklich vor Dir hast, verstehst Du erst, wenn Du gehst.

Wenn ich heute zurückschaue, dann immer nur aus einem Grund: um zu sehen, wie weit ich gekommen bin. Bis heute. Bis hierher.
Und ich sehe keinen Stillstand.
Aus Gründen drehe und wende ich es am Tag, zerwühle nachts schlaflos die Kissen, drehe und wende die Gedanken, halte mir den Spiegel vor:
Ja, ich bin immer noch Schmerzpatientin, aber inzwischen mit einem überwiegend deutlich erträglicheren Level als zuvor. Ich laboriere nicht mehr mit ständigen, wiederkehrenden Problemen des Magen-Darm-Traktes, der Atemwege, nachts schlafe ich bedeutend erholsamer und auch in meiner Haut.. fühle ich mich im wahrsten Sinne des Wortes wohler. Beruflich habe ich mir einen Status und eine Anerkennung erarbeitet, die mir nicht immer Freude bereitete, aber dem Haushaltseinkommen gut tat. Auch jetzt, über die Entfernung hinweg immer noch - denn gehen lassen möchte der Chef mich nach wie vor nicht. "Wir brauchen dich", sagte er erst zu Beginn des neuen Jahres. Also verwerfe ich keine Pläne, ganz im Gegenteil - aber ich ändere meine Strategie.
Ich sehe immer noch keinen Stillstand.


"Alles passiert, wie es passieren muss."

Unter Druck reagiere ich fast immer anders als man es beabsichtigt.
Wenn man zuviel will, hat man am Ende.. gar nichts.

Dienstag, 16. Januar 2018

Szenen einer Partnerschaft oder: Nächtliche Störungen und windige Tatsachen

Dem geneigten Leser ist bereits bekannt: So ein bisschen nen Hang zum Morbiden habe ich irgendwie schon. Warum mich bei meinem viele Jahre vorgenommenen und endlich auch realisierten Trip nach Wien vor wenigen Jahren Prater & Co. so gar nicht interessierten, dafür umso mehr der Narrenturm und der Zentralfriedhof. (Ich finde ja auch das jährliche Gothic-Treffen in L echt Wahnsinn, so kunstvoll verzierte Menschen sieht man sonst ja nur im Theater - auch wenn ich selber nie einer dieser Fledermäuse war. Warum eigentlich nicht?)
Jedenfalls ist der Mann immer ordentlich genervt, wenn entsprechende Sendungen auf irgendwelchen Privatsendern über den heimischen Bildschirm flimmern, und dann schimpft er öfter mal: "Ich kann da nicht schlafen, wenn ich sowas sehen muss! Und du wunder dich dann auch nicht, wenn du nicht schlafen kannst!"
Pfff. Wenn ich nicht schlafen kann, liegt das allermeistens an allen möglichen Sachen - aber nicht daran. Ich schwörs.

Gestern Abend jedenfalls lümmelten wir auf der Sofalandschaft, schauten irgendeine Doku auf einem öffentlich-rechtlichen Kanal und dieser schloss sich - ich konnts kaum glauben - eine für mich hochinteressante Doku über Rechtsmedizin an.
Ich musste ihn gar nicht erst anschauen, ich musste gleich lachen: "Ich kann nichts dafür, ich schwöre, ich habe extra DEN Sender genommen!"
"Ja ne, is klar."
"Ehrlich nicht! Diese Sendungen finden mich, nicht ich sie."
Ich muss sicherlich auch nicht erst erwähnen, dass es nicht all zu lange dauerte, bis er sich erhob: "Ich geh schon mal schlafen. Kommst du dann auch?"
"Äh.. Ja. Gleich!"
Gleich ist so herrlich dehnbar. Also eigentlich ja nicht - aber bei uns schon. Er weiß inzwischen, dass "gleich" durchaus zwei ganze Stunden oder auch die halbe Nacht andauern kann. (Vermutlich baue ich einfach darauf, dass er nach spätestens 30 Minuten schläft und eh nicht mehr mitbekommt, wann ich wirklich schlafen komme. Auch eingedenk der Tatsache, dass wenn er zu Bett geht, während ich noch auf dem Sofa lümmle, er unruhig schläft, mindestens zweimal wieder rauskommt, um zu gucken, ob ich nicht etwa vor der Flimmerkiste eingeschlafen bin, und dann den Kopf schüttelt, wenn ich ihm mit wachem Blick und verschmitztem Grinsen sage: "Ja ich komm doch gleich."
So auch gestern Abend, nur dass er mich fragte: "Sag mal, was machst du denn da auf dem Teppich?"
"Meine Übungen."
"Weißt du eigentlich, wie spät es ist?"
"Halb zwei!"
Heute Morgen, als wir einander in der Küche begegneten und während ich den guten-Morgen-Kaffee zubereitete, da sagte er: "Guten Morgen, du Nachtschwärmer."
"Guten Morgen, du Nestflüchter!"
"Was kann ich dafür? Erst kann ich nicht schlafen, weil du noch irgendwelchen Scheiß gucken musst. Dann werde ich wach, weil du ins Bett kommst. Dann werde ich wach, weil ich ins Bad muss. Und dann werde ich wach, weil du durch die Nase geschnieft hast. Da war die Nacht dann gelaufen!"
Ich habe ihn an mich gedrückt und geküsst und versprochen: "Heute Abend bleibe ich nicht so lange auf!"
Ich hoffe, ich kann mich dran halten, denn irgendwie... Mit den neuen täglichen Übungen, die mir zur Schmerzbekämpfung auferlegt wurden, kam irgendwie auch eine neue Energie zurück. Es kann nur daran liegen, denn sonst... hat sich ja eigentlich nix verändert. Der Schmerz ist auch immer noch da, aber ich fühle mich besser.

Vor zwanzig Minuten rief der Mann an. Ob ich nicht mal nach der Wäsche schauen könnte, es stürme doch so. "Hast du das etwa noch nicht gemerkt?" fragt er.
"Herzl, ich habe zu arbeiten, da gucke ich doch nicht nach draußen."
Öffnete aber brav nebenbei die Terrassentür und schrie ins Telefon: "Booarr ey, was für ein Stuuuurrrmmm!! Die Schafe haben ja gar keine Locken mehr! Aber hey, unsere Wäsche ist noch da!"
"Du bist echt doof!"
"Warte, ich kämpfe mich mal durch zur Wäsche, da liegt nämlich was aufm Boden! Bloß gut, dass es noch da ist!"
Er hat mir versprochen, dass es heute Abend dafür etwas auf den Allerwertesten gibt. Ich hoffe, er vergisst das nicht ;)